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Praxis 25. Oktober 2007

Wenn Kreditrückzahlungen falsch kalkuliert wurden

Die Steuergesetzgebung in Österreich bevorzugt die Aufnahme von Fremdkapital im betrieblichen Bereich. Die Zinsen von Betriebskrediten sind steuerlich abzugsfähig, das wird jedem Praxisgründer gleich zu Beginn seiner Tätigkeit beigebracht. Die Finanzierung mit Eigenmitteln ist im Gegensatz dazu steuerlich verpönt. Es macht also unter Umständen aus steuerlicher Sicht durchaus Sinn, einen Kredit einerseits „künstlich“ zu verlängern und andererseits auch „künstlich“ hoch zu halten.

 Aktien

Foto: Kellermeister / pixelio.de

„Die steuerliche Regelung führt logischerweise auch dazu, dass ein Arzt im Normalfall endfällige Kredite bevorzugt, da diese mit gleichbleibend hoher steuermindernder Zinsenlast ausgestattet sind, während sich nebenher im steuerlichen ‚Privatbereich‘ ein sogenannter Tilgungsträger ansparen lässt“, sagt Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes in Graz.
Ein weiterer Kunstgriff betrifft die Laufzeit solcher Verträge. Längere Kreditlaufzeiten bringen steuerlich günstige Fremdwährungszinsen, während sich die längere Anspardauer im Bereich des Tilgungsträgers ebenfalls positiv auswirkt.
Doch Triller warnt: „Solche Modelle rechnen sich in aller Regel sehr gut, sind aber auch mit kleinen Gefahren behaftet. Um einen Steuervorteil möglichst lange behalten zu können, werden Verträge nämlich meistens über eine Laufzeit abgeschlossen, die über die Nutzungsdauer der angeschafften Wirtschaftsgüter hinausreicht. Wer das in seiner ganzheitlichen Finanzplanung nicht berücksichtigt, kann böse Überraschungen erleben. Ein wesentlicher Punkt ist hierbei die Auswahl und vor allem die Beurteilung der Wertentwicklung des Tilgungsträgers. In den 1990er Jahren war es in Mode, Tilgungsträger mit hohen Renditeerwartungen abzuschließen. Damit ließ sich rein rechnerisch eine ausgezeichnete Entwicklung ableiten und die notwendige Sparrate auf ein Minimum reduzieren. Allerdings mit dem damals auch schon bekannten Risiko von „Schwankungsbreiten“ in der Wertentwicklung.“

Die Wahrheit nach 15 Jahren

Der Arzt hatte dennoch das Gefühl, ein gutes Geschäft zu machen. Die Auswirkungen solcher Finanzierungen kommen aber heute, also zehn bis 15 Jahre nach Abschluss, erst ans Tageslicht, meint Triller: „Wenn Kredite fällig gestellt werden, also entsprechend des Vertrags zurückbezahlt werden müssen, kommt es immer häufiger vor, dass der für diese Rückzahlung notwendige Betrag noch nicht angespart ist.“
Differenzen von mehreren Zehntausend Euro sind hierbei keine Seltenheit. In aller Regel bringt das erhebliche Liquiditätsprobleme, da für solche Eventualitäten natürlich nichts auf der Seite ist. Triller empfiehlt zwei Strategien, um solchen Fallen zu entgehen: „Einerseits sollte man gerade im Bereich von Ansparformen zur Kreditrückführung eher im konservativen Bereich bleiben.“ Nachdem Kreditvergabe auch eine Frage von Sicherheiten ist, ist der Klassiker „Er- und Ablebensversicherung“ aus Sicht von Triller immer noch die beste und sicherste Alternative – „allerdings nur bei richtiger Dimensionierung samt Sicherheitsspanne“.

Wachsames Beobachten

Die zweite Strategie ist die Überwachung der Finanzsituation, und zwar regelmäßig und ganzheitlich. „Viele Probleme kommen erst im Laufe der Zeit ans Tageslicht. So muss neben den Tilgungsträgern auch der gesamte betriebliche Bereich sowie die Entwicklung der Finanzen im Privatbereich im Auge behalten werden. Wenn diese Zahlen nicht zusammenpassen, sind Probleme vorprogrammiert.“

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 43/2007

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