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Praxis 11. Oktober 2007

Fremdwährungskredite nach wie vor im Trend

Bereits mehr als 20 Prozent der Kreditaufnahmen in Österreich werden in Fremdwährungen getätigt. Laut Nationalbank hat nunmehr der Franken dem Yen den Rang abgelaufen.

„Eine Fremdwährung in Franken ist heute deutlich risikoloser als die noch vor einigen Jahren in Yen, als ein wahrer Boom herrschte“, sagt Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes in Graz. Naturgemäß machen sich auch viele Ärzte das in manchen Ländern bestehende wesentlich günstigere Zinsniveau zu Nutze. Beispiel Schweiz: Hier liegt laut Triller die Verhandlungsbasis für den Zinssatz um bis zu 1,5 Prozentpunkte niedriger als in Österreich. Das ergibt bei einem Volumen von 200.000 Euro schon ein Ersparnispotenzial von 3.000 Euro pro Jahr.
Wie im Eurokredit gibt es auch hier einen Ratenkredit und eine endfällige Version. Letztere liegt laut Triller sehr im Trend, da man sich einen weiteren Vorteil erwarten kann, nämlich durch die Zinsspanne zwischen Kredit und Tilgungsträger.
Tilgungsträger bei einem endfälligen Kredit ist ein Ansparprodukt, mit dessen Ertrag man zum Ende der Kreditlaufzeit den Kredit komplett abdeckt. Weist dieser Ertrag einen höheren Zins auf als der Kredit, hat man durch die endfällige Variante einen weiteren Vorteil. „Bei dem bestehenden Zinsniveaus ist das ein realistisches Szenario.“
Bei Fremdwährungsfinanzierung gibt es noch weitere Chancen beziehungsweise Risiken. Die Wechselkurse schwanken naturgemäß, je nach gewählter Währung auch erheblich. Beträgt also beispielsweise der Zinsvorteil pro Jahr 1,5 Prozent, darf sich der Wechselkurs ohne Verlust pro Jahr um 1,5 Prozent zu Ungunsten des Kreditnehmers entwickeln. Nach zehn Jahren verträgt man also eine Verschlechterung um 15 Prozent ohne finanzielle Einbuße. Diese Kursentwicklung kann sogar noch steuerliche Folgen haben. „Man sollte sich im Vorhinein unter Mitwirkung des Steuerberaters über die steuerlichen Konsequenzen Gedanken machen“, so Triller.

Häufige Finanzierungsfehler

Einfach ist die Situation im Privatbereich. Hier tritt eine Steuerpflicht ein, wenn die Spekulationsfrist von einem Jahr unterschritten wird. Ist das der Fall, setzt die Steuerpflicht auch nur dann ein, wenn in den Euro getauscht wird. Der Wechsel von beispielsweise Yen zu Franken löst im Privatbereich nie eine Steuerpflicht aus. Unangenehmer wird die Sache bei Fremdwährungskrediten des Betriebs. Hier tritt in jedem Fall eine Versteuerung des Kursgewinnes oder -verlustes ein. Beim Arzt als Einnahmen-Ausgaben-Rechner ist hier der Tilgungszeitpunkt des Kredits maßgeblich. Triller weist auch auf häufige Finanzierungsfehler hin: „Fremdwährungskredite werden gerne bis ans Limit ausgereizt. Wenn man sich so viel Kredit zumutet, wie man sich in der gewählten Fremdwährung gerade noch leisten kann, sind Probleme vorprogrammiert.“ Wenn man sich jedoch eine herkömmliche Finanzierung leisten könnte, die Vorteile eines Fremdwährungskredits aber in Anspruch nimmt, den Tilgungsträger mit etwas mehr Spielraum dimensioniert und den gesparten Teil vielleicht sogar noch separat anspart, kann man Probleme von vornherein vermeiden.
Vorsicht ist auch beim Tilgungsträger geboten: Viele Kunden stimmen die Rate für die Ansparung noch mit Phantasiezinsen ab, beispielsweise mit Ansparungen in Aktienfonds. Dies kann zur Folge haben, dass bei normaler Zinsentwicklung der Tilgungsträger nicht das Versprochene hält. Triller empfiehlt als Ansparung konservative Produkte, die mit moderaten Renditen kalkuliert werden. Sollte entsprechend dieser Erwartung bei Tilgung sogar noch etwas übrig bleiben, steht das Kapital sogar privat zur Verfügung.
Der Yen als Kreditwährung kommt für Triller derzeit nicht in Frage. „Zu groß ist das Wechselkursrisiko bei der derzeitigen Situation.“ Niemand weiß, in welche Richtung der Yen tendiert. Bei höherem Volumen kann sogar ein Splitting zwischen der derzeit bevorzugten Fremdwährung Franken und dem Euro vereinbart werden. Triller weist jedoch darauf hin, dass nicht nur die Kalkulation, Steuer und Vernunft in die Entscheidung einfließen sollten: „Fremdwährungskredite sind auch Gefühlssache. Wer mit Schulden im Franken schlecht schläft, dem nützt auch ein wirtschaftlicher Vorteil wenig.“

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 41/2007

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