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Praxis 28. November 2007

Viele Möglichkeiten der Krankenversicherung

Die Pflichtversicherung des Wohlfahrtsfonds umfasst eine Krankengeld- und eine Krankenhaustaggeldversicherung. Eine gesetzliche Krankenbasisversicherungspflicht zur Deckung von ärztlichen Behandlungskosten besteht für niedergelassene Ärzte nicht. Daher ist es notwendig, selbst für einen entsprechenden Versicherungsschutz zu sorgen. Hier gibt es zwei Varianten, bei denen trotz mangelnder gesetzlicher Verpflichtung die volle Absetzbarkeit als Betriebsausgabe gegeben ist.

Variante eins besteht in der freiwilligen Krankenversicherung bei der Gebietskrankenkasse. „Mit einem monatlichen Beitrag von derzeit etwa 320 Euro ist die gesamte Familie versichert, soweit keine eigene Versicherung der Angehörigen besteht“, so Horst Jünger, MEDTAX-Steuerberater aus Innsbruck. Eine weitere Möglichkeit ist der Abschluss einer freiwilligen Krankenversicherung bei einem privaten Anbieter. Hier bieten einige Versicherer in Zusammenarbeit mit den Ärztekammern günstige Tarife an. Diese schwanken allerdings mit der Anzahl der mitversicherten Personen. Jünger empfiehlt daher, Kinder möglichst bei einem eventuell vorhandenen selbst versicherten Ehepartner mit zu versichern.
Wird neben der ärztlichen Tätigkeit noch eine gewerbliche ausgeübt, so besteht, wie bei jeder gewerblichen Tätigkeit, Versicherungspflicht bei der Sozialversicherungsanstalt der gewerblichen Wirtschaft. Solche Tätigkeiten sind beispielsweise der Verkauf von Kontaktlinsen oder Diätprodukten. „Der Betrieb einer Hausapotheke ist hingegen nicht als gewerbliche Tätigkeit zu klassifizieren“, so Jünger.

Günstigere Krankenversicherung

Für jene Ärzte, die auf Grund der Ausübung einer gewerblichen Tätigkeit bereits bei der SVdGW pflichtversichert sind, ergibt sich kein Bedarf mehr, eine weitere Krankenversicherung abzuschließen. „Dies würde lediglich zu zusätzlichen Kosten führen, ohne dass damit ein höherer Leistungsanspruch im Krankheitsfall verbunden ist.“ Wirft die gewerbliche Nebentätigkeit nur minimale Gewinne ab, so kann die gewerbliche Pflichtversicherung dazu führen, dass noch eine günstigere Möglichkeit der Krankenversicherung erreicht wird, als auf „normalem“ Wege.
Im besten Fall kann es gelingen, dass für die Krankenversicherung lediglich der Mindestbeitrag von derzeit monatlich etwa 55 Euro (9,1 Prozent von der Mindestbeitragsgrundlage) bezahlt werden muss. Dies ist dann gegeben, wenn der Jahresgewinn aus der Nebentätigkeit maximal die Mindestbeitragsgrundlage in Höhe von derzeit 595 Euro monatlich (7.130 Euro jährlich) beträgt. Sogar eine kostenlose Mitversicherung von Ehegatten und Kindern wäre zu diesem „Preis“ möglich. Sind die Gewinne aus der gewerblichen Nebentätigkeit hingegen sehr hoch, dann entpuppt sich die Versicherungspflicht aufgrund gewerblicher Betätigung als Nachteil. Das Maximum der Belastung ist erreicht, wenn der Gewinn aus der gewerblichen Tätigkeit die Höchstbemessungsgrundlage erlangt. Diese beträgt derzeit 53.760 Euro pro Jahr. Dies würde für den betreffenden Arzt zu einem satten monatlichen Beitrag von derzeit 410 Euro bei unveränderter Gegenleistung führen.
Unabhängig von der Gewinnsituation bringt die Versicherungspflicht in der SVdGW laut Jünger jedoch in jedem Fall zwei Vorteile. In den ersten beiden Jahren der gewerblichen Betätigung kommt es lediglich zur Vorschreibung der Mindestbeiträge zur Krankenversicherung. „Ein Nachbemessen bei Vorliegen des endgültigen Gewinnes laut Steuerbescheid erfolgt für die ersten beiden Gründungsjahre nicht.“ Dieses Spezifikum gilt allein für gewerbliche Einkünfte. Bei Einkünften aus freiberuflicher oder anderer selbständiger Tätigkeit ohne Gewerbeschein kommt es nach Feststehen der Gewinne immer zu einer Nachbemessung der vorläufig festgesetzten Mindestversicherungsbeiträge. „Im Ergebnis bedeutet dies, dass auf Basis der Beitragsätze 2007 in den ersten beiden Jahren der gewerblichen Tätigkeit der Beitrag zur Krankenversicherung mit knapp 50 Euro abgetan ist.“
Für die eigentliche Krankenversicherung besteht jedenfalls volle steuerliche Absetzmöglichkeit im Rahmen der Betriebsausgaben. Wie die freiwillige Höherversicherung sind auch die Beiträge zur privaten Krankenzusatzversicherung nur im Rahmen der Topfsonderausgaben steuerlich wirksam. In diese Rubrik fallen auch Beiträge zu freiwilligen Witwen-, Waisen-, Versorgungs- und Sterbekassen sowie zu Pensionskassen. Dies gilt auch dann, wenn für den Abschluss der freiwilligen Versicherung eine berufliche oder betriebliche Mitveranlassung gegeben ist. Kein Sonderausgabenabzug ist zulässig, soweit eine staatliche Pensionsvorsorge-Prämie in Anspruch genommen wurde oder es sich um eine prämienbegünstigte Zukunftsvorsorge handelt.

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 48/2007

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