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Praxis 22. November 2007

Pensionsabsicherung: Wohlwollend behandelt

Beiträge zu Personenversicherungen können unter bestimmten Voraussetzungen steuerlich abgesetzt werden. Dabei gibt es mehrere Spielarten: Während manche Beiträge voll als Betriebsausgabe abgesetzt werden dürfen, können andere im Wege der Sonderausgaben nur zu einem Bruchteil geltend gemacht werden – und ab einem Einkommen von knapp 51.000 Euro gar nicht mehr. Daneben gibt es noch die Spezies der betraglich unbeschränkt sonderausgabenfähigen Versicherungsprämien.

Trifft Steuerpflichtige eine Beitragsleistung auf Grund einer zwingenden Vorschrift (etwa gesetzliche Pensions-, Kranken- und Unfallversicherung), können diese Beiträge zur Gänze als Betriebsausgabe steuermindernd behandelt werden. „Das Gleiche gilt auch für Pflichtversicherungen der Kammern der selbstständig Erwerbstätigen“, erklärt Horst Jünger, MEDTAX-Steuerberater aus Innsbruck. „So können die Beiträge zur Individualrente wie auch alle anderen Pflichtbeiträge zum Wohlfahrtsfonds der Ärztekammern voll steuerwirksam in Ansatz gebracht werden.“
Personen, die nicht zur Leistung von Beiträgen zur gesetzlichen Pensionsversicherung verpflichtet sind, können unter bestimmten Voraussetzungen in Form von freiwilligen Leistungen zur gesetzlichen Pensionsversicherung für ihre Pension steuerwirksam vorsorgen. „Derartige Zahlungen sind zwar vom Betriebsausgabenbegriff nicht erfasst, können aber im Rahmen der sogenannten Sonderausgaben steuerlich voll abgesetzt werden“, betont Jünger.

Nachkauf von Zeiten absetzen

Das gilt auch für den Nachkauf von Versicherungszeiten in der gesetzlichen Pensionsversicherung und vergleichbare Beträge an Versorgungs- und Unterstützungseinrichtungen der Kammern der selbstständig Erwerbstätigen. Damit sind Zahlungen für den Nachkauf von Schul- und Studienzeiten, für die freiwillige Weiterversicherung in der Pensionsversicherung (PVA) sowie für den Nachkauf von Versicherungszeiten im Rahmen der Wohlfahrtsfonds der Landesärztekammern als Sonderausgaben voll steuerwirksam. Jünger: „Es können übrigens auch Beiträge für den Nachkauf von Versicherungszeiten des Ehegatten ohne Betragsbegrenzung abgesetzt werden. Der Nachkauf sollte daher durch jenen Ehegatten erfolgen, der die höhere Steuerprogression zu tragen hat.“
Eine weitere Möglichkeit zur Steigerung der gesetzlichen Pension ist die freiwillige Höherversicherung. „Bis zu 6.900 Euro pro Jahr können zusätzlich zu den verpflichtenden PV-Beiträgen bezahlt werden. Von den tatsächlich geleisteten Zahlungen können steuerlich maximal 2.920 Euro als Sonderausgaben geltend gemacht werden“, sagt Jünger. Für Alleinverdiener können weitere 2.920 Euro sowie ab drei Kindern weitere 1.460 Euro berücksichtigt werden. „Auf Grund der Deckelung der tatsächlichen Zahlungen werden diese Ausgaben als Topfsonderausgaben bezeichnet.“ Topfsonderausgaben wirken sich zudem nur mit einem Viertel der gedeckelten Beiträge auf die Steuerbemessungsgrundlage aus und reduzieren sich zusätzlich bei einem Jahreseinkommen ab 36.400 Euro kontinuierlich mit steigendem Einkommen. „Diese Einschleifregelung führt dazu, dass die Topfsonderausgaben bei einem Jahreseinkommen über 50.900 Euro steuerlich unwirksam werden.“
Die Individualrente aus dem Wohlfahrtsfonds der Ärztekammern ist ein Sonderfall: Dabei handelt es sich um eine Pflichtversicherung für Mitglieder der Ärztekammer, die als Betriebsausgabe abgesetzt werden kann. „Es ist jener Teil der Altersversorgung der Ärzte innerhalb des Wohlfahrtsfonds, zu dem Beiträge je nach individueller Situation zu bezahlen sind. Entsprechend unterschiedlich fällt auch die spätere Pension aus.“

Sonderfall Wohlfahrtsfonds

Als Pflichtbeitrag können maximal 18 Prozent des Jahresumsatzes als jährliche Prämie vorgeschrieben werden. Insoweit höhere Beiträge bezahlt werden, sind diese als freiwillige Höherversicherung einzustufen und in der Folge bestenfalls als Topfsonderausgaben absetzbar. Diese Klausel kann jedoch kammerintern nicht überprüft werden. Vielmehr muss der Steuerpflichtige das Verhältnis der geleisteten Beiträge zu den Umsätzen selbst im Auge behalten und gegebenenfalls eine Rückerstattung zu viel bezahlter Beiträge bei der Ärztekammer beantragen. „Des Weiteren besteht die Möglichkeit, bei schlechter wirtschaftlicher Lage eine Herabsetzung der Beitragszahlungen zu beantragen.“
Bei niedrigeren Umsätzen kann es vorkommen, dass der Betrag überschritten wird. „Spätestens bei der Erstellung des Jahresabschlusses sollte in den umsatzschwächeren Jahren daher eine entsprechende Überprüfung stattfinden. Ansonsten kann es zu Beitragszahlungen kommen, die nicht nur zu einer Anspannung der persönlichen Liquidität führen, sondern darüber hinaus steuerlich nicht verwertet werden können“, so Jünger. Gerade in der Anlaufphase kann es sich zudem lohnen, eine Herabsetzung der Beiträge zu beantragen. „Dies hat neben der positiven Auswirkung auf die Liquidität auch den steuerlichen Vorteil, dass es erst bei Erreichen einer höheren Steuerprogression zu Beitragsleistungen kommt, deren Absetzbarkeit dann in einem viel größerem Ausmaß steuermindernd wirksam wird.“

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 47/2007

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