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Praxis 30. Oktober 2007

Die steuerliche Antwort auf Kapitalmarktturbulenzen

„Vor dem Hintergrund der jüngsten Kapitalmarktturbulenzen und deren Auswirkungen auf die Wechselkurse überlegt so mancher Kreditnehmer, ob es nicht an der Zeit wäre, in der Vergangenheit angehäufte Kursgewinne aus Fremdwährungsdarlehen glattzustellen“, so Horst Jünger, MEDTAX-Steuerberater aus Innsbruck. „Einige haben es auch schon getan und freuen sich über satte Kursgewinne. In manchen Fällen freut sich der Fiskus jedoch mit.“ Gut also, wenn man weiß, wann die Finanz mitkassiert und wann nicht.

Bei privaten Fremdwährungstransaktionen wie etwa bei Krediten für Haus oder Wohnung kann man ohne Steuerprobleme beliebig zwischen fremden Währungen hin und her wechseln, auch innerhalb eines Jahres. Ebenso ist es möglich, in den Euro zurückzuwechseln, nachdem man zumindest ein Jahr in Fremdwährung(en) war.
Fremdwährungsschulden können auch steuerneutral getilgt werden, und zwar auch dann, wenn man weniger als ein Jahr in der Fremdwährung war.
Daraus ergeben sich auch die logischen Steuerprobleme. Nämlich bei der Rückwechslung von Fremdwährungsschulden in den Euro, insoweit man weniger als ein Jahr in Fremdwährung(en) war. Ebenso wenn die Bank bei einem Wechsel beispielsweise vom Yen in den Schweizer Franken technisch zuerst in den Euro und dann erst vom Euro in den Franken geht und man vorher nicht bereits mindes­tens ein Jahr im Yen war.
Nun zum betrieblichen Bereich bei Einnahmen-Ausgaben-Rechnern: Ohne Steuerprobleme lassen sich etwa Kredite von einer Fremdwährung in eine andere Fremdwährung wechseln (Beispiel Switch von Yen in Franken). „Ebenso zunächst steuerfrei kann in den Euro zurückgewechselt werden“, so Jünger. „In diesen beiden Fällen wird die Versteuerung der Kursgewinne bis zur Tilgung aufgeschoben. Doch aufgehoben ist nicht aufgeschoben.“ Denn bei Tilgung des Kredits ist ein Kursgewinn zu versteuern, ein Kursverlust ist aber umgekehrt steuerlich absetzbar.

Kursgewinne führen zu Steuerpflicht

Beim Bilanzierer geht im Bereich von Fremdwährungskrediten nicht wirklich etwas ohne Steuerprobleme. Kursgewinne führen in jedem Fall zur Steuerpflicht, und zwar unabhängig davon, ob in eine andere wechselkurslabile Währung konvertiert, ob in die sichere Heimatwährung rückgewechselt oder ob getilgt wird. „Wenn große Kursgewinne winken, werden viele Ärzte vom Tilgungsfieber gepackt“, so Jünger. „In der ersten Euphorie wird dabei oft übersehen, dass die fetten Kursgewinne durch die Steuerpflicht bei einem Spitzensteuersatz von 50 Prozent jedoch ganz schnell um die Hälfte magerer werden können. Im privaten Bereich ist dies in der Regel nur dann der Fall, wenn man von der Fremdwährung in den sicheren Euro zurückwechselt und weniger als ein Jahr in der Fremdwährung war.“ Im betrieblichen Bereich hingegen sind die endgültig realisierten Gewinne bei Tilgungen immer steuerpflichtig. Dies gilt auch für Teiltilgungen. Bei Betrieben mit doppelter Buchführung sind selbst bloß auf dem Papier bestehende Kursgewinne aus dem Switch zwischen zwei Fremdwährungen steuerpflichtig. „In der Steuerpflicht von Kursgewinnen liegt aber auch gleichzeitig der Trost für jene, die aus Fremdwährungstransaktionen betriebliche Verluste hinnehmen mussten.“ Steuerpflicht heißt, dass sich der Fiskus bei einem Spitzensteuersatz von 50 Prozent primär die Hälfte der Gewinne holt, aber auch die Hälfte von allfälligen Verlusten zahlt.

Switch auf Umwegen

Man sollte im Privatbereich daher Transaktionen innerhalb eines Jahres immer vermeiden, dann ist man stets im steuerfreien Bereich. Mit der Bank sollte die Vereinbarung getroffen werden, dass bei Transaktionen zwischen Fremdwährungen die Konvertierungen direkt von einer fremden Währung in eine andere zu erfolgen hat, ohne dass ein Umweg über den Euro eingeschlagen wird. „Wechselt die Bank nämlich anlässlich eines Konvertierungswunsches technisch zuerst in Euro und in einem zweiten Schritt in die andere Fremdwährung um, dann kann es selbst bei privaten Darlehen brenzlig werden. „Außerdem verursacht ein ‚Switch auf Umwegen‘ zusätzliche Gebühren und Spesen.“

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 44/2007

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