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Praxis 13. Dezember 2007

Steuerliche Absetzbarkeit von Versicherungen

Während Pensions- und Krankenversicherungsbeiträge problemlos steuerlich absetzbar sind, sollte bei manch anderen Versicherungen genau kalkuliert werden. Im Leistungsfall kann das zur Ertragsbesteuerung führen.

Prämien für Er- und Ablebensversicherungen sind üblicherweise aus steuerlicher Sicht dem Privatbereich zugeordnet. „Solche Prämien stellen jedoch ausnahmsweise dann Betriebsausgaben dar, wenn diese Versicherung ausschließlich zwecks Ansparens für die Tilgung eines Betriebskredites abgeschlossen wurde und mit der Kreditlaufzeit abgestimmt ist“, so Horst Jünger, MEDTAX-Steuerberater aus Innsbruck. In einem solchen Fall kann der auf die Zinsen entfallende Teil sofort als Betriebsausgabe abgesetzt werden. Der Prämienanteil ist jedoch zu aktivieren. Jünger warnt: „Wenn die Versicherungsleistung höher als die Summe der aktivierten Prämien ist, unterliegt der Unterschiedsbetrag der Ertragsbesteuerung. Aus diesem Grunde sollte die Versicherung sogar bewusst nicht absetzbar und somit nicht steuerpflichtig gestaltet sein. Man sollte unbedingt seinen Steuerberater in diese Überlegungen mit einbeziehen.“
Davon zu unterscheiden ist die Risikolebensversicherung (Kreditrestschuldversicherung), welche zur Besicherung eines Kredits im Todesfall oder für den Fall der Erwerbsunfähigkeit des Kreditnehmers abgeschlossen wird. „Handelt es sich bei dem so besicherten Kredit um einen betrieblichen Kredit, so ist damit vorrangig die betriebliche Komponente berührt, sodass die geleisteten Prämien voll absetzbar sind. In einem derartigen Fall stellen jedoch geleistete Versicherungsvergütungen Betriebseinnahmen dar.“

Die Familie schützen

Da im Ernstfall bei Spitzenverdienern von einer betrieblichen Risikolebensversicherung für die Kreditabdeckungen nach Steuern nur noch die Hälfte der Versicherungsleistung zur Verfügung steht, empfiehlt Jünger auch in diesem Fall, seine Familie vor der Belas­tung betrieblicher Kredite nicht mit einer Kreditrestschuldversicherung zu schützen. „Dieser Schutz wäre nur ein halber oder es müsste eine Versicherung in doppelter Höhe und damit zu den doppelten Kosten abgeschlossen werden, um wirklich eine volle Deckung zu bieten.“
Sinnvoller ist es, zur Absicherung der Familie einfach eine private Ablebensversicherung in ausreichender Höhe abzuschließen. „Man sollte diesen Standpunkt bei den Verhandlungen mit der Bank unbedingt durchsetzen. Dies kann im Erstfall zigtausende Euro bringen.“ Alle anderen Er- und Ablebensversicherungen, die vor dem 1.6.1996 abgeschlossen wurden, sind bestenfalls beschränkt als Topfsonderausgaben absetzbar. Nach diesem Datum unterzeichnete Verträge sind nicht mehr als Sonderausgaben wirksam. Prämien, die von einer Personengesellschaft für den Fall des Ablebens eines Mitgesellschafters zu Gunsten eines anderen Mitgesellschafters abgeschlossen werden, stellen keine Betriebsausgaben dar. Derzeit ist dieser Versicherungstyp für Ärztinnen und Ärzte in der Regel kaum von Interesse.

Berufsrisiko

Prämien zu einer Betriebsunterbrechungsversicherung, welche den Schaden (Gewinnentgang) ersetzt, der durch eine gänzliche oder teilweise Unterbrechung des Betriebs infolge eines Schadenereignisses eintritt, sind als Betriebsausgaben absetzbar. In diesem Sinn versicherbare Schadenereignisse sind etwa Krankheit der Geschäftsleitung, Brand oder Explosion. „Voraussetzung für die steuerliche Absetzbarkeit ist, dass im Schadensfall maximal der tatsächlich entgangene Betriebsgewinn ersetzt wird.“ Voraussetzung für die steuerliche Abzugsfähigkeit einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist, dass ausschließlich ein typisches Berufsrisiko versichert wird. „Bezieht sich der Versicherungsgegenstand auch auf eine Berufsunfähigkeit infolge jeglicher Erkrankung, Körperverletzung oder Kräfteverfall, so geht der Gesetzgeber davon aus, dass die allgemeine Vorsorge für die Zukunft im Vordergrund steht und damit keine betriebliche Veranlassung besteht.“
Solcherart allgemeine Berufsunfähigkeitsversicherungen sind dem Steuerabzug in der Folge nicht zugänglich. Prämien für die Versicherung bestimmter Gliedmaßen oder Körperteile, die für die Berufsausübung von besonderer Bedeutung sind (die Hände eines Chirurgen, das Augenlicht eines Zahnarztes), gelten als betrieblich bzw. beruflich veranlasst und sind daher voll steuerwirksam in Ansatz zu bringen.

Nur einmal verschont

Als Kehrseite der Medaille müssen Erträge aus Versicherungen, deren Prämien voll absetzbar sind, auch voll versteuert werden. Gewinne aus Versicherungsverträgen, deren Prämien nicht abzugsfähig waren, bleiben dagegen im Leistungszeitpunkt in der Regel von der Steuer verschont. So führt die Auszahlung einer privaten Lebensversicherung etwa nur dann zu steuerpflichtigem Kapitalvermögen, wenn die Prämien in Form eines Einmalerlages geleistet wurden und die Versicherungsdauer zudem weniger als zehn Jahre betrug.

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 50/2007

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