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Praxis 28. Juni 2007

Hygieneanforderungen stark gestiegen

Für alle Ordinationen, in denen auch operative Eingriffe durchgeführt werden, sind die Hygieneauflagen strenger geworden. Dies betrifft vor allem die Sterilisation. Ein Fachmann beklagt, dass noch immer viele eigentlich nicht mehr brauchbare Geräte in Verwendung sind. Was möglicherweise auch einmal rechtliche Folgen haben kann.

„Hygiene beginnt mit der Desinfektion der Oberflächen, Böden, Haut, Hände und Instrumente, die nach einem Hygieneplan durchgeführt werden muss“, sagt Ing. Michael Bör, der in Wien ein Unternehmen für Arztausstattung und medizinische Geräte betreibt. Hierbei müssen in den Ordinationen Datenblätter für die verwendeten Desinfektionsmittel vorhanden sein, sodass man jederzeit über ausführliche Informationen die Zusammensetzung der Desinfektionsmittel betreffend verfügt.

Neue EU-Normen

Ein zweites derzeit sehr heiß und aktuell in der Ärzteschaft diskutiertes Thema ist die Sterilisation. „Hierbei wird immer wieder von zwei Sterilisationsklassen, der so genannten höchsten Sterilisationsklasse bei Kleinsterilisationen, der B-Klasse, und der zweithöchsten Stufe, der S-Klasse, gesprochen.“ Nach den neuesten Richtlinien vom 02.02.2007 wurde eine so genannte ISO-EU-Ö-Norm 665 Teil 1 verabschiedet, welche die ISO 544 ersetzt und zu der Ö-Norm 1360 der Kleinsterilisatoren gehört.
„Diese besagt, dass nicht der Sterilisator selbst geprüft wird, sondern auch die Beladung mit Hilfe eines Prüfkörpers oder Indikators, der in die Verpackung eingebracht werden muss. „Weiters muss bei den Sterilisatoren ein Drucker angebracht sein, der die Ergebnisse und Prozesse des Sterilisators mitschreibt.“ Erst bei einem positiven Abschluss des Sterilisatorprotokolls und positiven Ergebnissen des Indikators ist das Sterilgut als ordnungsgemäß sterilisiert zu betrachten.
Die neuen Richtlinien beschreiben auch eine lückenlose Chargen-Überwachung vom gereinigten Instrument bis zur Verpackung über die Sterilisation bis zum Verwendung am Patienten, sodass es nachvollzogen werden kann, wann und mit welcher Charge sterilisiert wurde und wann die Instrumente tatsächlich am Patienten angewendet werden. Es werden laut Bör in den betroffenen Ordinationen immer wieder fälschlicherweise die Klassen S und B verwechselt. „Der größte Unterschied ist, dass die B Klasse Vacuklaven Hohlkörper ab 10 cm mit einem Durchmesser kleiner als 3 mm auch noch sterilisiert, dies ist bei der S Klasse nicht möglich.“ Mittels fünf verschiedener Prüfkörper wird die Leistungsfähigkeit der Sterilisatoren am Ordinationsort unter vorhandenen Luftdruck- und Temperaturbedingungen geprüft und dann entschieden, ob der Sterilisator der S Klasse die Erwartungen auch wirklich erfüllt.

Prüfungen erforderlich

Ein weiterer großer Unterschied ist der „Bowie Dick Test“, der die Vakuumfähigkeit des Sterilisators beurteilt und nur bei der B Klasse geprüft werden kann. Dieser ist bei jeder Sterilisation, jedoch mindestens einmal am Tag durchzuführen. Bei den S-Klasse-Sterilisatoren wird lediglich jede Sterilisation überprüft. Es ist immer ein so genanntes Sterilisationsbuch zu führen, wobei laut Bör alle Ergebnisse selbstverständlich aufbewahrt werden sollen. Einmal jährlich werden alle Sterilisatoren auf Funktion-, Leistung-, Druck- und Temperaturerfüllung geprüft. Von der hygienischen Seite sind die Sterilisatoren ebenfalls mittels Prüfkörper von einem Facharzt für Hygiene und Mikrobiologie oder von einem Sachverständigen für Mikrobiologie einmal jährlich zu prüfen. Viele zur Zeit noch vor allem von Allgemeinmedizinern und Kinderärzten eingesetzte alte Sterilisationen (Beispiele Melag 15, 17, 23, Tuttenauer und KSG) haben kein Vorvakuum und sind daher nach den neuesten Vorschriften nicht mehr brauchbar. „Dies gilt auch für Heißluftsterilisatoren, die lediglich Instrumente unverpackt sterilisieren konnten. Diese beiden Gerätearten sind in der EU nicht mehr zulässig.“ Die sicherheitstechnischen Überprüfungen werden von den einschlägigen Medizintechnikfirmen durchgeführt, für die Hygieneprüfungen gibt es ebenfalls einschlägige Anbieter. Details sind auf der homepage www.arztplan.at ersichtlich.“

Michael Dihlmann, Ärzte Woche 26/2007

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