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Praxis 8. November 2007

Zeugnisverteilung für Ärzte

Die Patienten von über 200 Ordinationen wurden befragt, wie zufrieden sie mit ihrem Haus- oder Facharzt sind. Die Rückmeldungen sind zumeist sehr positiv.

83 Prozent der in Oberösterreich befragten Patienten geben an, mit ihrem Arzt für Allgemeinmedizin oder Facharzt „sehr zufrieden“ zu sein. Etwa 15 Prozent geben ein „eher zufrieden“ an. „Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und Kompetenz“ werden als positive Punkte angeführt.
„Das Instrument der vom Ärztlichen Qualitätszentrum der ober­österreichischen Ärztekammer angebotenen Patientenbefragungen (www.patientenbefragung.at) hat sich sehr bewährt“, blickt dessen Geschäftsführer Mag. Alois Alkin zurück. „Sehr positiv kommt an, dass es hier vorbereitete, einheitliche Fragebögen gibt, deren Auswertungen dann auch mit den Ergebnissen von Ordinationen anderswo im Land vergleichbar sind. Ein Aspekt, der den teilnehmenden Ärzten eher wichtig ist.“ Die Ergebnisse verschwinden dabei nicht nur in der Schublade, sondern führen auch zu konkreten Veränderungen.
Negative Rückmeldungen gab es vor allem in Bezug auf die Wartezeiten: 23 Prozent warten bei ihrem Allgemeinmediziner länger als 30 Minuten, 19 Prozent beim Facharzt – bei Letzteren warten über 16 Prozent länger als zwei Wochen auf einen ersten Behandlungstermin.

Best-practice-Beispiele

„Auf Wunsch beraten wir den Arzt dann, was zu tun ist“, so Alkin. Gemeinsam geprüft wird unter anderem, wie genau das Lenken der Patientenströme aussieht, wie effektiv ein eventuelles Bestellsystem funktioniert bzw. wie darin Pufferzeiten und Raum für Notfälle berücksichtigt werden. „Letztlich ist hier ein ganz wesentlicher Faktor die Konsequenz bei der Umsetzung eines Systems bzw. die regelmäßige Evaluierung von auftretenden Problemen“, betont Alkin.
Die Ärztekammer hat gemeinsam mit der Gebietskrankasse ein Projekt gestartet, bei dem es um die Suche von „Best-practice-Beispielen“ geht. „Wir filtern unter anderem aus den 200 Ordinationen jene heraus, die besonders positive Rückmeldungen bekamen, und analysieren das eingesetzte Modell in Bezug auf die bewusste Steuerung der Wartezeiten.“ Alkin erhofft sich so eine Art Katalog an Maßnahmen, die auch anderswo noch stärker umsetzbar sind. Geplant sind auch darauf aufbauende Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte.
Ein weiterer Kritikpunkt ist der Grad der Aufklärung über Wirkung und vor allem unerwünschte Nebenwirkungen von Medikamenten und Therapien.

Wichtige Basisinformationen

„Das Problem ist: Bestimmte Informationen müssen immer wieder gegeben werden. Die Routine kann einerseits dabei hilfreich sein, andererseits dazu führen, dass es zu einer gewissen Oberflächlichkeit kommt oder bestimmte Informationen als bekannt vorausgesetzt werden.“ Gerade für Basisinformationen zu Therapien bzw. kleinen Eingriffen oder auch zu Lebensstilthemen können hier schriftliche Informationen eine wichtige Basis und Ergänzung sein.
Angesprochen wird in den Rückmeldungen der Patienten außerdem die teils als schwierig erlebte telefonische Erreichbarkeit des Arztes. Manche Ärzte handhaben dies sehr restriktiv, um keine Störungen des Patientenkontaktes zu haben.

Mag. Christian F. Freisleben-Teutscher, Ärzte Woche 45/2007

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