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Praxis 21. März 2007

Wirtschaftliche Existenz bei Ausfall sichern

Die Entscheidung, ob ein Abschluss einer solchen Versicherung Sinn macht, hängt sowohl von den betrieblichen als auch von den privaten Verhältnissen eines Arztes ab.

Die Wahl der richtigen Versicherungssumme in der Betriebsunterbrechungsversicherung für freiberuflich Tätige (BUFT) ist für viele Ärzte und leider auch oft für manche Ärzteberater noch immer ein Buch mit sieben Siegeln. „Ich werde bei meinen Beratungsgesprächen mit Ärzten immer wieder mit Versicherungssummen konfrontiert, die einerseits oft nicht einmal die notwendigsten betrieblichen Kosten abdecken oder aber andererseits weit über die erwirtschafteten Umsätze hinausschießen“, so Heinz Lindtner vom Basler Ärztedienst aus St. Pölten.
Für Lindtner ist klar, dass das oft aus der durch eine höhere Prämie resultierenden höheren Provision für den Versicherungsverkäufer resultiert. Dieser Schuss geht jedoch für den Kunden nach hinten los: „Durch das so genannte Bereicherungsverbot können zwar höhere Versicherungssummen abgeschlossen werden, im Schadensfall werden jedoch nur die Kosten des tatsächlichen Betriebsausfalls ersetzt.“

Auch persönliche Situation ausschlaggebend

Daher ist es unumgänglich, die optimale Versicherungssumme genau zu ermitteln. Wie hoch nun diese sein sollte beziehungsweise ob ein Abschluss dieser Sparte überhaupt Sinn macht, hängt natürlich von den betrieblichen, aber auch von den privaten Verhältnissen eines Arztes ab. „Eine Ärztin, die sich nur wenige Stunden in der ­Ordination einer befreundeten Kollegin einmietet und deren ­private Lebenskosten vom Partner mitgetragen werden können, braucht unter Umständen nicht im gleichen Ausmaß eine Betriebsunterbrechungsversicherung wie ein Alleinverdiener mit zwei Kindern, der neben den Rückzahlungen für seine Wohnraumbeschaffung auch noch die Last eines Betriebskredites zu tragen hat“, so Lindtner.Wenn der Bedarf für eine BUFT gegeben ist, dann sollten im Falle eines Betriebsstillstandes zumindest die Betriebskosten ersetzt werden. „Personalkosten, Betriebskredite, Mieten, Kammerbeiträge sind sicher die größten Positionen, die Monat für Monat weiter fällig sind.“ Ob und in welchem Ausmaß dann auch der Gewinn mitversichert wird, ist individuell zu entscheiden. „Eine große Familie hat auch oft private Kredite und andere Belastungen, die auch während eines Betriebsstillstandes bedient werden müssen.“

Unterversicherungsverzicht festhalten

Natürlich sind auch die steuerlichen Aspekte zu berücksichtigen. Die Prämie für die BUFT ist zwar steuerlich als Betriebsausgabe absetzbar, allerdings sind Entschädigungen im Leistungsfall so zu behandeln, als seien sie Praxiseinnahmen. „Speziell bei jedem Teil der Versicherungssumme, der für die Bestreitung der privaten Lebenshaltungskosten vorgesehen ist, muss die steuerliche Belastung berücksichtigt werden.“
Entscheidend für die freie Wahl der Versicherungssumme ist wie so oft der Inhalt der dem Vertrag zugrunde liegenden Versicherungsbedingungen. „Leider gibt es noch immer Verkaufsorganisationen, die sogar mit Unterstützung einer Ärztekammer Betriebsunterbrechungsversicherungen von Gesellschaften an den Mann bringen, in deren Bedingungen der Begriff ,Unterversicherung‘ vorkommt.“
Konkret bedeutet das, dass die Versicherungssumme dem echten Versicherungswert (Umsatz minus variable Kosten) entsprechen muss, da sonst eine Unterversicherung vorliegt, in deren Ausmaß sich im Schadensfall die Ersatzleistung verringert. „Daher sollte man unbedingt darauf achten, dass in den Vertragsbedingungen bei Beantragung eindeutig ein Verzicht auf den Einwand der Unterversicherung festgehalten ist.“ Nur dann kann man sicher sein, keine bösen Überraschungen im Schadenfall erleben zu müssen.

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