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Praxis 15. Mai 2007

Folge 3: Unterschiede zwischen Strafrecht und Zivilrecht

Frage: Wie sind die Begriffe „Strafrecht“ und „Zivilrecht“ zu unterscheiden?

Antwort von Prof. Dr. Wolfgang Mazal, Universitätsprofessor für Arbeits- und Sozialrecht in Wien

Recht bedeutet, Texte zur Konfliktlösung zu nutzen. Der Text, den uns der Gesetzgeber gibt, soll uns helfen, die Konflikte unter uns auszutragen, und uns eine gewisse Richtung vorgeben. Es ist daher ein Gebot der Klugheit, sich die Regeln und die Richtung des Gesetzgebers anzuschauen und zu akzeptieren. Die Unterscheidung zwischen Straf- und Zivilrecht ist etwas Künstliches, das in vielen anderen Rechtsordnungen unbekannt ist. In weiten Teilen der USA etwa werden Probleme im Zivilrecht gelöst, die wir im Strafrecht lösen. Deswegen sind auch die Schadenersatzforderungen dort so hoch. Wir haben daher auch nicht so absurde Schadenersatzforderungen wie in den USA zu befürchten und sollten das auch nicht heraufbeschwören. An sich ist die Unterscheidung zwischen Straf- und Zivilrecht einfach. Zivilrecht beschäftigt sich mit Streitigkeiten unter den Bürgern, Strafrecht mit den Ansprüchen des Staates gegenüber dem Bürger. Beim Strafrecht ist natürlich das Eska­lationsniveau höher als beim Zivilrecht. Die Themen liegen auf der Hand: Beim Zivilrecht geht es um Vertragsbrüche, Schadenersätze oder Schmerzengelder. Auch die Inhalte von Dienstverträgen sind zivilrechtliche Themen. Das Strafrecht befasst sich etwa mit Körperverletzung oder eigenmächtiger Heilbehandlung. In diesem Fall kommt der Staat und möchte dem Bürger eine Last als Konsequenz seines Verhaltens auferlegen, damit das nicht wieder vorkommt. Für einen Juristen sind beide Formen nicht negativ behaftet, sondern als Aufforderung zu verstehen, sich so zu verhalten, dass es keinen Konflikt geben kann. Ärzte sollten daher diese Normen nicht beiseite schieben oder ignorieren. Dies würde nur die Konfliktneigung der Patienten in unserer Gesellschaft steigern. Das Ziel sollte sein, diese Normen zu prüfen und zu versuchen, Konflikte zu vermeiden. Die Fragestellung sollte sein: Was können wir aus den Normen lernen, damit wir gemeinsam mit den Patienten die Medizin konfliktfrei über die Bühne bringen?

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