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Praxis 6. März 2007

Die Vision eines Allgemeinmediziners

Dr. Josef Egger, seit 1990 Allgemeinmediziner in Piesendorf im Pinzgau, bezeichnet sich selbst als Familienarzt. Seine Ideen von einem neuen Versorgungskonzept kommen gesundheitsbewussten Patienten auch finanziell entgegen.

Egger fühlte sich schon immer für die komplette Lebensbegleitung seiner Patienten inklusive Familie und Beruf zuständig. Für ihn ist die Trennung in verschiedene Medizinschwerpunkte daher auch schwierig zu verstehen. Das passt unter Umständen nicht in das Korsett eines Kassenvertrages hinein, Basis seiner ärztlichen Tätigkeit ist daher das Wahlarztsystem.

Im Auftrag der Patienten

Durch ständiges Lernen, kreatives und kritisches Denken, Flexibilität und Offenheit hat Egger seine Sichtweise im Laufe der Jahre verändert und damit auch seine Arbeitsweise zeitgemäßen Bedürfnissen der Patienten angepasst. Egger ist auch Obmann der Patienteninitiative im Pinzgau, frisch gewählt und mit dem Auftrag ausgestattet, dort ein patienten- und ärztegerechteres Sozial- und Honorierungssystem zu entwickeln. Die Akteure dieser Patienteninitiative beschäftigen sich seit 15 Jahren mit der Verbesserung der Bedingungen für die Patienten. „Dies schließt auch die Arbeits-bedingungen der Ärzte ein“, erläutert Egger. „Nur ein glücklicher Arzt kann glückliche Patienten haben.“

„Ideelle“ Verrechnungskriterien

Schon vor einiger Zeit hatte Egger Ideen zu besseren, zeitgemäßeren Gesundheitssystemen, die in erster Linie den eigenverantwortlichen Menschen in den Mittelpunkt stellen. Diese sind schon zum Teil in seine Arbeit als Wahlarzt eingebaut. Egger hat beispielsweise seine Verrechnung nach diesen ideellen Kriterien bemessen: „Je länger ein Patient bei mir in Behandlung ist, desto mehr Rabatt erhält er.“ Hauptkriterium ist jedoch die Lebensweise. So erhält ein Nichtraucher oder ernährungsbewusster Mensch auch Bonuspunkte. Für kinderreiche Familien gibt es ebenfalls Rabatte. Egger: „Im derzeitigen staatlichen System wird man als Patient hingegen finan­ziell bestraft, wenn man eine gesunde Lebensweise an den Tag legt.“ Der Allgemeinmediziner hat sein System einerseits zwar betriebswirtschaftlich kalkuliert, andererseits fließen aber auch nicht-betriebswirtschaftliche Elemente ein, etwa wie in einem Pauschalsystem. Er bezeichnet dies als „Arzt-Versicherung“, mit dem Unterschied, dass alle Einzahlungen nicht verbraucht, sondern mit direkten Gegenzahlungen gutgeschrieben werden. „Diese können etwa in Form von vorbeugenden Behandlungen oder Seminaren genützt werden“, so Egger.

Vorbildwirkung für das ganz große System

Egger weiß, dass sich ein Gesundheitssystem nicht von heute auf morgen verändern lässt. Er ist jedoch bestrebt, im Kleinen Neues umzusetzen, um etwa durch Vorbildwirkung im Großen etwas erreichen zu können: „Gesundheitsbewusstes Leben mit der entsprechenden ärztlichen Begleitung ermöglicht bessere Lebensqualität und vor allem ein angenehmeres Dasein im Alter, dem wir alle im Hinblick auf die Entwicklungen im staatlichen Gesundheits- und Sozialwesen zunehmend skeptisch entgegensehen müssen.“ So kann auch eine Art „All-inklusive-Paket“ bei ihm erworben werden. Der Patient bezahlt auf Basis der Honorarsätze und Rabatte eine fixe Summe pro Monat und bekommt dann das nicht verbrauchte Geld gutgeschrieben. „In diesem Paket sind auch Medikamentenkosten sowie Gutachten und Bestätigungen enthalten“, erklärt Egger. Die Honorare sind ohnehin eher als günstig zu bezeichnen. Diese wurden zwar betriebswirtschaftlich kalkuliert, der Wahlarzt nutzt aber seine schlanke Kostenstruktur zugunsten seiner Patienten. Egger hat etwa 7.000 Patienten in seiner Kartei und arbeitet derzeit in Form eines Pilotprojektes an den Details des Konzeptes. Ziel ist es, den Patienten die Angst vor Kranksein, Altwerden oder der Verarmung zu nehmen. Die Teilnahme am System ist selbstverständlich freiwillig. Jeder Patient kann in Eggers Ordination auch die gewohnte Verrechnung in Anspruch nehmen. In der Praxis gibt es bereits Patienten, die aufgrund langjähriger Treue und konstruktiver Mitarbeit an der eigenen Gesundheit nur etwa ein Drittel des herkömmlichen Honorars bezahlen.

Leistbare Medizin

„So wird der Wunsch vieler Patienten Realität, alle notwendigen Leistungen auch bezahlen zu können“, resümiert Egger. Der herkömmliche Hausarzt wird aus seiner Sicht in Zeiten von ständigen Einkommensreduktionen immer mehr zum Luxus. Egger bietet auch ein umfangreiches Seminarprogramm an, das neben den positiven Effekten auf Körper, Geist und Seele der Patienten auch einen unmittelbaren Vorteil in Form reduzierter Therapiekosten bringt (www.doc-uni.at). Auch die Ärztekammer hat der engagierte Pinzgauer bereits über seine Bestrebungen informiert.

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