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Praxis 28. Februar 2007

Verschärfte Aufzeichnungspflicht für Rezeptgebühren ab 2007

Hausapotheken führende Ärztinnen und Ärzte müssen sämtliche vereinnahmte Rezeptgebühren als Betriebseinnahmen erfassen. Ab 2007 ist die bisher gebräuchlichste und praktikabelste Methode der Sollerfassung nicht mehr zulässig.

„Eine ‚Isterfassung’ jeder einzelnen Rezeptgebühr bei Vereinnahmung ist in der Praxis, insbesondere in Stoßzeiten wie etwa bei einer Grippewelle, kaum durchführbar“, weiß Horst Jünger, MEDTAX-Steuerberater in Innsbruck. Daher gab es bisher für die Praxis einige praktikable Methoden.

Prinzip der Sollerfassung

Unter „Sollerfassung“ wird die indirekte Erfassung anhand der Kassenabrechnungen verstanden. „Da einige Patienten die Rezeptgebühren aus verschiedenen Gründen nicht bezahlen, ist die so ermittelte Rezeptgebührensumme höher als die tatsächlichen Einnahmen“, erklärt Jünger. Um also nicht mehr zu versteuern, als man verdient hat, konnte bisher ein bestimmter pauschaler Abschlag in Ansatz gebracht werden. Diese Methode war und ist noch weit verbreitet. Zweite Möglichkeit war die tatsächliche „Isterfassung: Hier werden alle tatsächlich vereinnahm­ten Rezeptgebühren in einer separaten Bareinnahmenaufzeichnung erfasst. „Diese Methode weist allerdings in Stoßzeiten die bereits beschriebenen Mängel auf“, gibt Jünger zu bedenken. Manche Ordinationen haben auch freiwillig ein Kassabuch geführt, um dann mittels Kassasturz auf die Höhe der vereinnahmten Rezeptgebühren schließen zu können. „Davon war jedoch in der Regel ohnehin auch bisher schon abzuraten“, so Jünger. Ab 2007 ist die bisher gebräuchlichste und praktikabelste Methode der Sollerfassung nicht mehr zulässig. „Vielmehr wird nun verlangt, die Rezeptgebühren einzeln im Zeitpunkt der tatsächlichen Vereinnahmung zu erfassen“, erklärt der Steuerberater. Dies kann entweder händisch mittels Bareinnahmenlisten, über Registrierkassen oder geeignete elektronische Aufzeichnungssysteme erfolgen. Da die in den Kassenabrechnungen angeführten Rezeptgebühr­summen ein Maximum darstellen und durch Einzelaufzeichnungen nicht überboten werden können, erscheint für Jünger die neue Gesetzeslage geradezu schikanös. Er hofft, dass sich die Finanz daher auf eine in der Praxis durchführbare Lösung rückbesinnt. Bis dahin ist allerdings allen Hausapothekern dringend zu empfehlen, die Einnahmenerfassung bei der Hausapotheke zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Jünger: „Bei Erfassung mittels EDV muss man zudem bedenken, dass die Finanz die Übermittlung der entsprechenden Computerfiles verlangen kann.“ Jeder Arzt ist daher gut beraten, seine Ärztesoftware zu überprüfen, ob sie dazu auch in der Lage ist. „Wer nicht umstellt, riskiert“, so Jünger, „dass die Finanz die Buchhaltung für nicht ordnungsgemäß befindet, und löst damit unter Umständen eine Schätzungsbefugnis aus, die sehr unangenehm werden kann.“

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