zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 21. Februar 2007

„Ruhekissen“ für Praxisgründer

Medizin und sonst nichts – und das über Jahre. Irgendwann steht dann doch die eigene Praxis zur Debatte. Spätestens mit der konkreten Absicht zur Niederlassung ist Medizin allein zu wenig und kompetente Beratung gefragt. Was das bringt, kann eine Wahlärztin aus Graz berichten.

Dr. Astrid Lercher-Hartlieb ist seit mittlerweile drei Jahren niedergelassene Wahlärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Graz. Nach zwei Jahren im Ambulatorium der Kärntner Gebietskrankenkasse kam für sie ein Arbeiten als niedergelassene Kassenärztin nie in Frage. „Das System ist antiquiert und bedarf einer zeitgemäßen Anpassung“, sagt die Frauenärztin. Besonders bedauerlich sei, dass das Kassensystem weder Arzt noch Patient wirklich zufrieden stellt.

Doppeljob wurde zu viel

Doch der Schritt in die Wahlarztordination war anfangs nicht einfach. „Ich habe einige Zeit parallel gearbeitet und bin zwischen Klagenfurt und Graz gependelt“, berichtet Lercher-Hartlieb. Aufgrund der ständig steigenden Patientenzahl in der Wahlarztordination übt sie ihre ärztliche Tätigkeit seit mittlerweile zwei Jahren ausschließlich in Graz aus.

Vorbereitung auf den Start ins Wahlarztleben

Lercher-Hartlieb hat bereits vor der Niederlassung die Finanzierungsexpertin des Basler Ärztedienstes Dagmar Triller eingeschaltet. Die Absicht dahinter: Über die Problematik der Praxisgründung, die verschiedensten Möglichkeiten der Umsetzung und vor allem über die finanziellen Aspekte bis ins kleinste Detail informiert zu sein. Mit diesem „Ruhekissen“ ausgestattet, war für die Gynäkologin klar, dass sie den Schritt in die Praxis auf jeden Fall wagen würde.
Erschwerend kam anfangs dazu, als Neuling in Graz ohne Bekanntheitsgrad Fuß zu fassen. Trotzdem kam die frisch gebackene Wahlärztin mit ihrem Konzept gut in Schwung. „Ich glaube“, so Lercher-Hartlieb, „dass einerseits das Ambiente der Ordination, andererseits die fachliche Qualifikation zur Zufriedenheit der Patienten wesentlich beiträgt.“ So gehört es für sie auch zur Philo-sophie, in ihrer Ordination ein möglichst breites Leistungsspek-trum anzubieten.

Praxisgemeinschaft

Die Gynäkologin arbeitet in einer Praxisgemeinschaft mit ihrem Mann, der als Kardiologe ordiniert: „Wir versuchen, so wenig wie möglich parallel zu arbeiten, da dies aufgrund des doch recht unterschiedlichen Patientenkollektivs keinen optimalen Ablauf in der Ordination gewährleisten würde.“
Der Kontakt zu Triller kam durch ein Praxisgründungsseminar zustande, das sie gemeinsam mit ihrer Mutter besucht hatte. „Wir arbeiten heute quasi als Familienbetrieb zusammen, sie erledigt in der Anmeldung alle notwendigen Angelegenheiten“, berichtet Lercher-Hartlieb. Eine ungewöhnliche Kombination, die sich nicht zuletzt wegen der guten Vertrautheit zwischen Mutter und Tochter aber als ideal erweist.

Wertvolle Unterstützung durch Praxisgründungsseminar

Wesentlich für den Erfolg einer Ordination ist für Lercher-Hartlieb die rechtzeitige Auseinandersetzung mit der Materie im außer-medizinischen Bereich: „Als Arzt ist man in wirtschaftlichen Angelegenheiten eher unbedarft und braucht daher Unterstützung. Die Praxisgründungsseminare leisten hier wertvolle Basisarbeit in kürzester Zeit.“
Nach der Analyse kam die Or-dinationsfinanzierung. Triller hat, wie bei Finanzierungen üblich, einen Plan erstellt, deren Größenordnung für die Ärztin anfangs erstaunlich war. „Ich habe mich sehr wohl mit neu niedergelassenen Kollegen kurzgeschlossen, um mögliche Umsätze und Kosten zu hinterfragen“, berichtet sie. „Umso erstaunlicher war es, dass der Finanzierungsplan schneller als erwartet umzusetzen war.“
Ein wichtiger Schlüssel für den Erfolg einer Wahlarztpraxis ist das richtige Maß der Honorierung. Lercher-Hartlieb verrechnet einen Fixsatz pro Ordination. Sie hat sich selbstverständlich im Vorfeld über die in Graz üblichen Sätze erkundigt und ihre eigenen darauf abgestimmt. Außerdem gibt es in ihrer Ordination Sondertarife und einen Studententarif.
Die Tätigkeit als Wahlärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe ist für Lercher-Hartlieb „die Erfüllung ihres Ärztedaseins“. Demgegenüber seien aber auch die finanziellen Aspekte zu bedenken, wirtschaftliche Angelegenheiten sollten nicht dem Zufall überlassen werden.

Finanzielles Gesamtkonzept nie aus den Augen verlieren

Triller kann dieser Sicht der Dinge nur zustimmen: „Man kann als Wahlarzt in vielen Fächern sehr gut existieren, darf aber nicht auf das finanzielle Gesamtkonzept vergessen. Nur so ist es möglich, eine Wahlarztpraxis erfolgreich zu führen.“

 Ärzte fragen - Juristen Antworten

 Seminar-Tipp

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben