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Praxis 1. Februar 2007

Ordinationsräume als Visitkarte

„Bei Neu- und Umbauten von Ordinationsräumen sind individuelle Lösungen gefragt“, empfiehlt Dipl.Ing. Andreas Kanzian, Fachplaner für Praxen, therapeutische Einrichtungen und Barrierefreiheit sowie Lehrbeauftragter an der TU Graz. Dabei kann und soll es auch Unterschiede innerhalb ein und derselben Fachrichtung geben.

„In der Planungsphase“, so Kanzian, „sollte es zunächst weniger um die konkrete Architektur gehen, sondern mehr um Fragen wie: Welche Schwerpunkte will ein Arzt bei seinen Angeboten setzen? In welche Richtung will er sich entwickeln?“ In einem weiteren Schritt gehe es um eine Analyse der geplanten oder vorhandenen Abläufe.

Individuelle Note des Arztes

Aus Sicht des Praxisplaners ist wichtig, dass sich gute Gesundheitsangebote auch in der Art der Innenarchitektur und der individuellen Note des Arztes widerspiegeln: „Die Ordinationsräume sind eine Visitkarte nach außen, und noch mehr: Ihre bewusste Gestaltung hat eine leider oft stark unterschätzte positive oder auch negative Auswirkung, wie wohl sich jemand im Raum fühlt, wie leicht es jemandem fällt, über seine Gesundheit oder Krankheitssymptome zu sprechen.“ Außerdem geht es für Kanzian um die Qualität des Arbeitsplatzes, die sich wiederum auf die Behandlungsqualität und die Abläufe der Kommunikation auswirkt.
Ein Grundproblem vieler Ordinationen ist, dass Arzt und Mitarbeiter sich nicht durch die Räume bewegen können, ohne ungewollt Patienten zu begegnen. „Zur Abhilfe kann eine interne Achse geschaffen werden, die diese Bewegung und damit ein ungestörtes und konzentriertes Arbeiten unterstützt“, unterstreicht Kanzian. Gleichzeitig sollte eine gute Patientenführung sicher gestellt sein.

Den Überblick bewahren

Wo welche Räume zu finden sind und was hinter verschiedenen Türen wartet, sollte klar ersichtlich sein. Zudem muss vom Arbeitsplatz der Arzthelferin aus ein Überblick gewährleistet sein. „Ich kenne einige Ordinationen, in denen Patienten gewissermaßen verloren gehen, weil sie irgendwo warten, ohne dass es jemand bemerkt“, berichtet Kanzian.
Relativ wenig Beachtung findet oft auch die Intimität. „So sollte zum Beispiel das WC nicht – wie leider oft üblich – übergangslos an den Warteraum anschließen, so dass Patienten mit Urinproben durch den Warteraum gehen müssen“, nennt der Praxisplaner ein Beispiel. Für den Bereich, wo Patienten mit der Arzthelferin Gespräche führen, empfiehlt er eine akustische Abschirmung: „In praktisch jeder auch noch so kleinen Boutique gibt es durch Vorhänge abgeschirmte Umkleidebereiche. In Ordinationen fehlen manchmal einfache Dinge wie Kleiderhaken oder Möglichkeiten, Gegenstände abzulegen.“

Barrierefreiheit ist machbar

Ein zunehmend wichtiger Aspekt für die Innenarchitektur von Ordinationen ist die Barrierefreiheit. Dabei geht es nicht nur um Menschen mit körperlichen Behinderungen im Rollstuhl, sondern beispielsweise auch um Personen, die durch einen Unfall oder ihr Alter Gehbehinderungen haben. Kanzian betont, dass es oft „nur sehr kleine und einfach zu realisierende Maßnahmen braucht, um sich den Ö-Normen anzunähern und vor allem um Menschen mit Gehbehinderung Unterstützung anzubieten“. Es gäbe einige Fälle – sowohl in Alt- als auch Neubauten –, wo eine gänzliche Barrierefreiheit unerreichbar ist. Doch gerade bei sanitären Anlagen, Zugängen zur Ordination, bei der Gestaltung der Gänge oder auch der Arbeitsplätzen von Arzt und Arzthelferin ließe sich vieles sehr einfach umsetzen.
„Barrierefreiheit ist eine Serviceleistung und gleichzeitig ein Teil des Gesamtkonzeptes von Ordinationen“, fasst Kanzian zusammen. Aus seiner Erfahrung regt er an, für die verschiedenen Arbeiten bzw. Teile der Einrichtung Ausschreibungen bei verschiedenen Anbietern zu machen. „Natürlich werden dabei auch bewährte Partner des Arztes einbezogen“, so Kanzian, „aber leider wird oft versucht, Ärzten auch viel Unnötiges einzureden.“

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