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Praxis 23. Jänner 2007

Bürokratie knabbert am Deckungsbeitrag

Eigentlich ist sie schon fast ein Jahr alt, aber erst kürzlich über e-Mail-Verteiler großflächig unter Ärzten in Umlauf gekommen: Eine Studie zu den finanziellen Auswirkungen der „Bürokratie“ in Arztpraxen, die von der Österreichischen Ärztekammer in Auftrag gegeben wurde.

Aufgabe der Studie war, alle finanziellen Auswirkungen zu erfassen, die aufgrund gesetzlicher Regelungen in Ordinationen zusätzlich anfallen. Im Detail wurden die Bereiche Abwasser, Abfall, elektromedizinische Kontrolle, Hygiene, Arbeitnehmerschutz, Strahlenschutz, EDV, Qualitätssicherung, e-Card, ABS, EKO, Peering Point, Diskettenabrechnung und Vorsorgeuntersuchung begutachtet.
Der Autor der Studie hat die Fachbereiche Allgemeinmedizin und Innere Medizin untersucht, letztere mit der Begründung, dass dort innerhalb der „nicht-technischen“ Fächer die Aufwendungen am größten sind. So wurden alle notwendigen Investitionen in diesem Zusammenhang erfasst, ebenso laufende Kosten wie Material, Miete oder Wartung.

Messgrößen für Mehraufwand bei Arzt und Personal

Beim Arzt wurde der entgangene Deckungsbeitrag ermittelt. Das ist der verlorene Umsatz abzüglich so genannter variabler Kosten, der aus der zeitlichen Beanspruchung mit administrativen Tätigkeiten resultiert. Die Kosten für Personal wurden durch die üblichen Lohn- und Lohnnebenkosten ermittelt.
In die Studie wurde ein „Eventualitätsfaktor“ eingerechnet, der für jeden Kostenfaktor angibt, zu welchem Prozentsatz die Belastung durch die jeweilige administrative Notwendigkeit „kausal“ ausgelöst wird. Der Autor legt Wert darauf, Ordinationen in unterschiedlicher Größenordnung geprüft zu haben.
Die Ergebnisse sind wenig erstaunlich. Obwohl die Studie bereits ein Jahr alt ist, deckt sie sich durchaus mit den Erfahrungen im Jahr 2006 und dem „Gefühl“ so manches Arztes. Zu den Details: Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass bei Allgemeinmediziner etwa 13 Prozent an Mehraufwand (Internist 14 Prozent) in Relation zum Umsatz durch die erwähnten Erfordernisse entstanden sind.

Fast 40.000 Euro Belastung beim Allgemeinmediziner

Auf die Ordinationskosten relativiert, betragen die Werte in Sachen Mehraufwand beim Allgemeinmediziner 17 Prozent (Internist 26 Prozent!). Auch die Mehrkosten pro Arbeitsstunde wurden beim Allgemeinmediziner mit 26 Euro (Internist 48 Euro) ermittelt.
Interessant wird es bei den ab-soluten Werten: Die zusätzliche monetäre Belastung wird pro Ordination Allgemeinmedizin im Schnitt mit 38.000 Euro pro Jahr angegeben, die durchschnittliche Internistenpraxis schlägt mit 69.000 Euro pro Jahr an Zusatzkosten für Bürokratie zu Buche.

Hauptbelastung Arbeitszeit

Geht man hier ins Detail, stellt sich heraus, dass der Hauptaufwand nach Kostenarten in beiden Fächern durch die Zeitbelastung von Arzt und Assistenz verursacht wird. In Summe machen diese beiden Werte fast identisch in beiden Fächern etwa 60 Prozent des Gesamtvolumens aus, wobei der Arzt davon mit drei Viertel den Löwenanteil trägt.
Auch eine Aufteilung nach Belastungsart wurde getätigt. Hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Fächern. Beim Allgemeinmediziner summiert sich die Belastung durch e-card, ABS und alles was dazu gehört auf mehr als die Hälfte der Gesamtbelastung, also etwa 20.000 Euro pro Jahr. Beim Internisten sind das ebenfalls Eurobeträge in dieser Größenordnung, diese machen jedoch aufgrund der größeren Gesamtbelastung nur knapp ein Drittel aus.
Vor gut einem Jahr wurden die Berechnungsgrundlagen gemeinsam von Autor und Ärztekammer ermittelt, damals etwa ohne die Erfahrung des ersten vollen Jahres e-Card und ABS-Betrieb. Bei der e-Card wurden die laufenden Kosten abgeschätzt, der Zeitbedarf für die Assistenz wurde mit einer Wochenstunde angesetzt (siehe dazu nebenstehenden Kommentar).
Für den EKO wurden pro Tag für den Arzt zehn Minuten Arbeitszeit und für die Assistenz 15 Minuten Arbeitszeit angesetzt. Das Handling beim ABS wurde mit drei Minuten für den Allgemeinmediziner und zwei Minuten für den Internisten pro Tag eingerechnet (Personal Allgemeinmediziner 15 Minuten, Internist 10 Minuten pro Tag).
Zusammengefasst kann gleichlautend für beide Fächer gesagt werden, dass die Kosten rund um e-Card, EKO und ABS wohl den größten Brocken der Bürokratie-belastung ausmachen. Hierbei ist das Personal, vor allem aber auch der Arzt mit seiner Arbeitszeit als größte Position anzusehen.

 Kommentar

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