zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 18. Jänner 2007

Oberösterreich: Kein Interesse an Zusatzpension für Ärzte

Die Kammerführung in Oberösterreich will ein umstrittenes Pensionsmodell ohne Befragung der Mitglieder umsetzen. Der Hausärzteverband hält das Vorgehen für äußerst bedenklich.

Wie die ÄRZTE WOCHE vor mehr als zweieinhalb Jahren berichtet hat, arbeitet die Ärztekammer für Oberösterreich seit längerem an einem Zusatzpensionsmodell, mit dem die Lebensphase zwischen 60 und 65 Jahren überbrückt werden soll. Was damals als „ZV III“ bezeichnet wurde, erfuhr im Rahmen einer Mitgliederbefragung eine klare Ablehnung.

Das Konzept für Teilrückzug

Kurz zu den Hintergründen: Bei diesem System sollte der Arzt ab 50 mit der Einzahlung beginnen. Die über zehn Jahre eingezahlten Beiträge sollten ausreichen, einen Teilrückzug aus dem Arbeitsleben zwischen 60 und 65 zu gewährleisten. Mit den Auszahlungen dieser Ansparform wäre auch die Finanzierung der Beiträge zum Wohlfahrtsfonds und zur gesetzlichen Pensionsversicherung möglich.
Grundgedanke war, durch die Einführung von Pflichtbeiträgen eine steuerliche Absetzbarkeit zu bekommen. Argumentiert wurde mit Vorteilen in der Veranlagung durch eine Steuerprogression von 50 Prozent, die einer geringeren Progression zum Zeitpunkt der Auszahlung gegenüber steht. Dementsprechend hoch sind auch die Beiträge: Damals waren bis zu 3.000 Euro pro Monat notwendig, allerdings mit der Möglichkeit einer Beitragsreduktion.

Altes Modell neu aufgelegt?

Dieses Modell erlebt nun – trotz Ablehnung durch die Mitglieder – unter dem Titel „Pension Plus“ eine Renaissance. Diesmal erfolgt die Diskussion allerdings kurienintern, eine Befragung der Mitglieder vor Beschluss ist nicht geplant. Daher sind auch nur wenige Details bekannt. Laut Insiderinformationen dürfte es sich grundsätzlich aber um ein mit der ZV III vergleichbares Modell handeln.
An der Basis ist daher Skepsis vernehmen: Zum einen gibt es nach wie vor Zweifel an der Notwendigkeit dieses Vorhabens, weil nur eine Minderheit der Ärzte die Mindestbeitragsgrundlage überschreitet. Außerdem wäre – in Zeiten wie diesen – eine derartige Finanzierung in der Altersstufe ab 50 für die meisten gar nicht möglich.

Hausärzteverband fordert neuerliche Befragung

Der Oberösterreichische Hausärzteverband fordert daher für die „Pension Plus“ eine Befragung aller Kammermitglieder und vertritt diese Position auch innerhalb der Kurie der niedergelassenen Ärzte. Eine für alle verpflichtende Pen-sionszahlung könne nach deren Ansicht nicht von oben durch Beschlüsse der Kammerführung allein „verordnet“ werden.
Bedenklich sei außerdem, dass für die Inanspruchnahme der Beitragsminderung, was bei der Mehrheit der niedergelassenen Ärzte der Fall wäre, die Einkommenssitua-tion detailliert offen zu legen wäre. Und der immense Verwaltungs-aufwand würde sicher gleichmäßig auf alle Beitragszahler aufgeteilt werden, gibt der Hausärzteverband zu bedenken.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben