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Praxis 13. Dezember 2006

Bareinnahmen-Verordnung verlangt beinah Unmögliches

Im heurigen Jahr haben sich wesentliche Aufzeichnungsverschärfungen ergeben, die ab 2007 zu erheblichen Schwierigkeiten in der Praxis führen werden.

Das Bundesministerium für Finanzen (BMF) hat in einer Aussendung mitgeteilt, dass die steuerliche Erfassung der Rezeptgebühren aufgrund der Kassenabrechnung als nicht ordnungsgemäß angesehen wird. Diese Thematik war Teil der Fachtagung der MEDTAX-Steuerberater im Dezember. MEDTAX ist ein Kompetenznetzwerk führender Ärztesteuerberater in Österreich, welches sich regelmäßig mit komplexeren Steuerfragen der Ärzteschaft auseinandersetzt.

Standpunkt des Ministeriums

Das Ministerium sieht vielmehr die Notwendigkeit, die Rezeptgebühren einzeln zu erfassen, obwohl die in den Kassenabrechnungen angeführte Rezeptgebührensumme das Maximum darstellt und durch Einzelaufzeichnungen nicht „überboten“ werden kann. Trotzdem verlangt die Behörde für die Anerkennung der Aufzeichnung als ordnungsgemäß die Einzelaufzeichnung, was in der Pra-xis etwa bei überfüllten Praxen in Grippezeiten nicht durchführbar sein wird.
Die Forderung des Ministeriums erscheint daher als überzogen, wenn nicht sogar schikanös. „Mehr als 100 Prozent können auch bei Einzelaufzeichnung nicht herauskommen“, so Dr. Karl Braunschmid, Sprecher der MEDTAX-Gruppe.
Etwas anders verhält es sich beim so genannten Barverkauf, also beim Inkasso von Medikamenten und Präparaten, die von den Kassen nicht vergütet werden und daher privat zu bezahlen sind. „Hier war schon bisher das Erfordernis der Einzelaufzeichnung gegeben und insofern auch leichter zumutbar, weil die Anzahl der privat abgegebenen Medikamente bei weitem nicht jene Anzahl der Rezeptgebühren erreicht und daher auch in Stoßzeiten eine Einzelaufzeichnung realistisch erschien“, erklärt Braunschmid.

Nachteil Kassasturzmethode

Manche Praxen haben bisher die so genannte „Kassasturzmethode“ angewendet, die jedoch nur bei Führung eines lückenlosen Kassabuches mit Bestandsverrechnung und Erfassung auch aller nicht steuererheblichen Bareingänge und Barausgänge möglich war. Von der freiwilligen Führung eines solchen Kassabuches war im Regelfall abzuraten.
Ein Problem in der Praxis stellt die Tatsache dar, dass die den medizinischen Kartei-Programmen häufig angeschlossenen „Kassabuch-Module“ auf die Erfordernisse der berufsrechtlichen Dokumentation ausgerichtet sind und nicht auf jene der Ordnungsmäßigkeit von Aufzeichnungen im steuerlichen Sinne. Sie können daher meist nicht für buchhalterische Zwecke herangezogen werden, zumal nach steuerlichen Gesichtspunkten allein der tatsächliche Zufluss von Bareinnahmen erheblich ist. Daher bleiben nur Einzel-Aufzeichnungsmethoden wie Registrierkasse oder händische Aufzeichnung der Bareinnahmen mit Kugelschreiber in einem Heft als von der Finanz akzeptierte Methoden übrig.
Dem Arzt kann daher seriöserweise nur empfohlen werden, ab 2007 auf eine händische und damit nicht mehr zeitgemäße Einzelaufzeichnung mit Kugelschreiber, den Einsatz einer Registrierkasse oder die Verwendung von elektronischen Aufzeichnungs-/Kassensystemen, die den steuerlichen Erfordernissen entsprechen, zurückzugreifen. Wer nicht umstellt, riskiert immer eine Schätzungs-befugnis unter dem Titel „Buchhaltung NICHT ORDNUNGSGEMÄSS“, auch wenn durch die bisherige Praxis der an Genauigkeit nicht zu überbietenden Verbuchung über die Kassenumsätze sicher keine Schlechterstellung des Finanzamtes zu erwarten wäre.

Hoffen auf bessere Lösung

Die Forderung des BMF nach Einzel-Aufzeichnung auch der Rezeptgebühren erscheint aus Sicht der MEDTAX-Steuerberater absolut überzogen. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Finanz von dieser im Sommer heurigen Jahres ausgesprochenen Ansicht zugunsten einer in der Praxis durchführbaren Lösung, wie bisher der Heranziehung der Kassenabrechnung, rückbesinnt. Solange dies jedoch nicht der Fall ist, müsste der Arzt ab Anfang 2007 auch die Vereinnahmung jeder Rezeptgebühr einzeln aufzeichnen.

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