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Praxis 13. Dezember 2006

Bedenkliche Seiten der KMU-Förderung

Was als Steuerzuckerl vor allem für die niedergelassenen Ärzte in den vergangenen Monaten durch die Medien ging, hat auch seine Schattenseiten. Dies wurde bei der Fachtagung der MEDTAX-Steuerberater im Dezember ausführlich erörtert. Einige nachteilige Folgen des KMU-Paketes sind bereits deutlich ersichtlich, etwa die Änderung zum Verlustvortrag.

Ärzte dürfen ihre Einkünfte mittels Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermitteln. Bei dieser Art der Gewinnermittlung sind ab 2007 die Verluste aus den vorangegangenen drei Jahren vortragsfähig. Können diese nicht innerhalb der folgenden drei Jahre verwertet werden, sind sie künftig verloren, wenn sie nicht mittels Bilanzierung ermittelt wurden.

Mehrkosten für Praxisgründer

Nach der bisherigen Gesetzeslage konnten Praxisgründer ihre Einkünfte in den ersten drei Jahren völlig sorglos mittels Einnahmen-Ausgaben-Rechnung ermitteln. Ein Übergang auf die Methode der Bilanzierung war aus Sicht der Verlustverwertung nur dann nötig, wenn im vierten Jahr nach Praxisgründung immer noch Verluste anfielen. Damit blieb bisher ein Großteil der Ärzteschaft vor der Erstellung einer Bilanz verschont.
Der Wegfall der bisher unbefristet vortragsfähigen Anlaufverluste führt nun dazu, dass es in Zukunft Fälle geben wird, bei denen es notwendig ist, bereits im ersten Jahr eine Bilanz zu erstellen und damit eine vergleichsweise aufwändigere doppelte Buchhaltung zu führen. Nämlich immer dann, wenn nicht sicher ist, ob bis zum Ende des vierten Jahres für die Verlustverwertung ausreichend hohe Gewinne erzielt werden können.

Folge davon sind Mehrkosten

sowohl bei der laufenden Buchhaltung als auch bei der Erstellung des Jahresabschlusses. Mit der Bilanzierung erschwerend hinzu kommt weiters die Pflicht zu einer tagtäglichen ordnungsgemäßen Kassaführung sowie der jährlichen Inventur.
Die Situation ist umso untragbarer, als sich die Bilanzierung im Nachhinein in den meisten Fällen als unnötig entpuppen wird. Da insbesondere bei Wahl- und Privatarztpraxen zum Zeitpunkt der Gründung eine sichere Prognose der Gewinne vier Jahre im Voraus kaum möglich ist, wird aus Vorsichtsgründen dennoch mitunter zur Bilanzierung zu raten sein.

Repressalien aus Versehen?

Die Steuerberater der MEDTAX-Gruppe glauben, dass diese Repressalien für die Ärzteschaft vom Gesetzgeber nicht gewollt waren und hier lediglich aus Unachtsamkeit ein Fehler unterlaufen ist. So möglicherweise auch bei anderen Details, die im Rahmen der Fachtagung diskutiert wurden: Ist etwa alles ein Betrieb, was aus steuerlicher Sicht einen Betrieb darstellt?
Der Freibetrag an sich wurde zwar als guter Ansatz für niedergelassene Ärzte ausnahmslos gewürdigt, jedoch lässt das Gesetz derzeit noch einige Fragen offen. Wie verhält es sich etwa mit Gutachterärzten, Beziehern von Sonderklassehonoraren, Wohnsitzärzten oder bei Werkverträgen?
Auch rund um das Thema Wertpapiere wurde heftig diskutiert:
Ist die Fremdfinanzierung als Betriebsaugabe zu werten? Was bei herkömmlichen Investitionen problemlos möglich ist, könnte bei Wertpapieren unter anderem durch die KESt-Endbesteuerung zu Problemen führen. Die MEDTAX-Steuerberater empfehlen jedenfalls, diese Wertpapiere nicht unmittelbar vom vielleicht überzogenen Ordinationskonto zu bezahlen, sondern auf geeignete Weise „zwischen zu finanzieren“, damit kein unmittelbarer Bezug nachgewiesen werden kann.
Auch die Behandlung der begünstigten Wirtschaftsgüter ist mit Erläuterungslücken behaftet: So fehlt beispielsweise ein sicherer Hinweis, ob Klein-LKW und Kleinbusse FBiG-fähig sind. Die MEDTAX-Gruppe empfiehlt jedenfalls in diesem Zusammenhang, genau auf den Zeitpunkt der Anschaffung bei Anlagegütern zu achten. Nicht Inbetriebnahme oder Zahlung sind für die Anerkennung wichtig, sondern ausschließlich der Übergang der Verfügungsmacht auf den Arzt.
Wer ausschließlich deshalb investiert, um sich den Freibetrag zu sichern, sollte jedenfalls bei der Wertpapiervariante bleiben. Empfohlen wird generell eine Sicherheitsspanne von 20 Prozent, um einer allfälligen Zurechnung durch Betriebsprüfungen in den Folgejahren sogar noch eine positive Note abgewinnen zu können.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

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