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Praxis 6. Dezember 2006

Vorsicht mit spekulativen Verlusten

Was sich auf den ersten Blick so lukrativ und steuersparend anhört, kann nur allzu leicht zur Fehlinvestition werden. Die steuerliche Anerkennung von Verlusten aus einer Beteiligung unterliegt zahlreichen Einschränkungen.

Unter dem Titel: „Was man denn am Jahresende noch gegen hohe Steuern machen kann“, erfreuen sich Verlustbeteiligungsmodelle immer größter Beliebtheit. „Gefragt sind solche Modelle besonders unter jenen Steuerpflichtigen, die ein hohes Einkommen erzielen und damit in den Spitzensteuersatz rutschen“, so Dr. Gottfried Scholler, Steuerberater der MEDTAX-Gruppe in Wien und St. Pölten.
Vorsicht ist hier allerdings geboten, denn was sich so lukrativ und steuersparend anhört, kann nur allzu leicht zur Fehlinvestition werden. „Nämlich dann, wenn die Verluste nicht nur auf dem Papier entstehen oder das Finanzamt die fortlaufenden Verluste nicht oder nicht mehr akzeptiert“, so Scholler.

Gesetzlich ausgeschlossen

So ist laut Einkommensteuergesetz ausgeschlossen, die steuerliche Anerkennung von Verlusten aus einer Beteiligung zu erteilen, wenn das „Erzielen von steuerlichen Vorteilen im Vordergrund“ steht. „Dies ist etwa dann der Fall“, so Scholler, „wenn die Beteiligung speziell mit dem Hinweis auf Steuerersparnis beworben wird oder die Rendite erst unter der Berücksichtigung eines entsprechenden Verlustausgleiches interessant ist.“
Vorsicht ist aber auch bei Verlusten aus Beteiligungen geboten, die nicht in die oben erwähnte Kategorie fallen. Scholler: „Fortlaufende Verluste werden seitens der Finanzverwaltung besonders genau beobachtet. Grundsätzlich gilt nämlich ganz allgemein, dass eine Tätigkeit, die auf Dauer nur Verluste einbringt, in den Verdacht der so genannten Liebhaberei fällt.“
Verluste aus Liebhaberei-Tätigkeiten sind bei der Ermittlung des steuerpflichtigen Einkommens außer Acht zu lassen, das Einkommen ist demnach so zu berechnen, als würde es die Liebhaberei-Tätigkeit nicht geben. „Dadurch kann die durch das Verlustbeteiligungsmodell angestrebte Steueroptimierung ins Leere gehen“, betont der Steuerexperte.
Das Einkommensteuergesetz kennt im Wesentlichen zwei Kategorien „verdächtiger“ Tätigkeiten. Bei jenen mit „Einkunftsquellen-Vermutung“ geht die Finanzverwaltung davon aus, dass es sich um eine steuerwirksame Einkunftsquelle handelt. „Es muss sich dabei um Tätigkeiten handeln“, so Scholler, „hinter denen die Absicht steht, im Lauf der Jahre einen Gesamtgewinn zu erzielen.“
Eine Beteiligung als Kommanditist an einem Gewerbebetrieb (Beispiel Autolackierung) wäre beispielsweise eine solche Tätigkeit. Werden in einzelnen Jahren Verluste erzielt, so schadet dies grundsätzlich nicht, es muss aber innerhalb eines bestimmten Beobachtungszeitraumes ein Gesamtgewinn resultieren.

Zeitrahmen für Liebhaberei

Die Liebhaberei-Verordnung geht dabei von einem Zeitraum von drei bis fünf Jahren aus. Ergibt sich nach Ablauf dieses Zeitraums ein Gesamtverlust, muss überprüft werden, ob überhaupt eine Gewinnerzielungsabsicht bei Ausübung dieser Tätigkeit besteht.
Geprüft werden dann beispielsweise das Ausmaß und die Entwicklung der Verluste, das Verhältnis der Verluste zu den Gewinnen und ob überhaupt ein Bemühen zur Erzielung von Gewinnen vorliegt. „Üblicherweise fordert die Finanzverwaltung in solchen Fällen eine Prognoserechnung, aus welcher die Entwicklung der kommenden Jahre hervorgeht“, so Scholler.
Ergibt die Prognoserechnung insgesamt ein negatives Resultat, dann liegt eine Liebhaberei-Betätigung vor. Die Folge davon ist unangenehm. „Sämtliche Steuerbescheide der vergangenen Jahre, in denen ein entsprechender Verlust geltend gemacht wurde, werden korrigiert“, erklärt Scholler. Dies bedeutet dann zumeist empfindliche Steuernachzahlungen.
Bei der zweiten Kategorie, den Tätigkeiten mit Liebhaberei-Vermutung, nimmt die Finanz von vornherein an, dass es sich um Liebhaberei handelt und eine steuerwirksame Einkunftsquelle nicht vorliegt.
Das betrifft Tätigkeiten aus der Bewirtschaftung von Wirtschaftsgütern, die sich auch für eine Nutzung zur privaten Lebensführung eignen (Sport- und Freizeitausübung) oder auf eine besondere Neigung zurückzuführen sind sowie die Vermietung von Eigentumswohnungen und Gebäuden.
„Wer sich beispielsweise an einem nachhaltig verlustbringenden Pferdezuchtbetrieb beteiligt, wird der Finanzverwaltung beweisen müssen, dass keine Liebhaberei vorliegt“, zeigt Scholler auf. Auch hier sind Prognoserechnungen obligat. In der Praxis ist zu empfehlen, vor Aufnahme einer derart „verdächtigen“ Betätigung bei der Finanzverwaltung nachzufragen, welcher Zeitraum als „absehbar“ für Gewinnerzielung qualifiziert wird. Zu beachten ist dieser Zeitraum laut Scholler vor allem bei Beteiligungen an Miteigentümergemeinschaften für Immobilien.

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