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Praxis 29. November 2006

Alle Jahre wieder Steuern sparen

Bei Investitionen, Vorauszahlungen, Kosten für Geschenke oder Mitarbeiterfortbildung und anderem mehr zeigt die Finanz Nachsicht. Das Angebot muss aber auch genutzt werden.

„Ob wir bis Ende des Jahres eine neue Regierung haben oder nicht, wissen wir nicht“, sagt Mag. Manfred Kenda, MEDTAX-Steuerberater in Klagenfurt. „Was wir aber wissen, ist, dass Ärzte und andere Besserverdiener auch im Jahr 2006 vom lieben Finanzamt wieder kräftig zur Kasse gebeten werden.“ Deshalb stellt sich für Kenda und seine Klienten der Steuerberatungskanzlei „Die Steuerberater“ zum Abschluss jedes Jahres die Frage, wie man diese Verpflichtung bestmöglich meistern kann. Erster Ansatzpunkt für Praxisinhaber sind Investitionen. Die Steuergesetzgebung sieht einige „Standard-Mechanismen“ vor, die Investitionen etwa durch Halbjahresabschreibung möglicherweise noch kurz vor Jahresende interessant machen. Als Grundregel sollte laut Kenda immer beachtet werden, dass Investitionen nur dann sinnvoll sind, wenn eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit dafür besteht. Wer noch heuer eine Investition tätigen möchte, dem steht die halbe Jahresabschreibung zu. Alle Wirtschaftsgüter unter 400 Euro können sofort als Ausgaben geltend gemacht werden und mindern den Gewinn. Die Vorteile der Halbjahresabschreibung stehen allerdings heuer unter einem besonderen Vorzeichen. „Das Förderungsgesetz für Klein- und Mittelbetriebe, das 2007 in Kraft tritt, muss mitberücksichtigt werden“, erinnert Kenda. „Es kann nämlich sinnvoller sein, erst nächstes Jahr wieder zu investieren.“ Zweiter Angelpunkt sind die Betriebsausgaben. Durch Vorziehen von Ausgaben, z.B. für Mieten oder Medikamente, für das Jahr 2007 in das Jahr 2006 kann das steuerliche Ergebnis von 2006 gesenkt werden. „Geltend zu machen sind aber nur Ausgaben, die tatsächlich das Jahr 2007 betreffen“, betont Kenda, „nicht solche für 2008.“ Möglicher Nachteil dabei: Wer diese Vorauszahlung im Folgejahr unterlässt, muss dann die „erwirtschaftete“ Steuer wieder zurückzahlen. Bei einer Vorauszahlung im vergangenen Jahr ist es laut Kenda im Regelfall sinnvoll, dies auch heuer wieder zu tun: „Über die Jahre kommt so einiges an Ersparnis zusammen.“

Steuerbegünstigung für Arbeitgeber und -nehmer

Im dritten Bereich geht es um Vergünstigungen für Mitarbeiter. Der Abschluss von Lebens-, Kranken- oder Unfallversicherungen für alle Arbeitnehmer oder bestimmte Gruppen ist bis zu 300 Euro pro Jahr und Arbeitnehmer steuerfrei. Vorteile bringt auch der Abschluss eines Pensionskassenvertrages für alle Arbeitnehmer oder nur für bestimmte Gruppen. Kenda: „Normalerweise wird das beitragsorientierte Modell gewählt, bei dem maximal zehn Prozent des Jahresbruttoeinkommens in die Pensionskasse fließen.“ Dafür fallen keine Lohnnebenkosten an, die spätere Auszahlung wird aber der Lohnsteuer unterworfen. Sachzuwendungen an Arbeitnehmer, z.B. als Weihnachtsgeschenk, sind bis zu einem Freibetrag von 186 Euro für den Arbeitnehmer steuerfrei. Das gilt auch für Gutscheine oder Goldmünzen. Kenda rät dabei zu Vorsicht: „Das betrifft selbstverständlich alle Geschenke während eines Jahres. Die Gesamtkosten werden zusammengezählt.“ Die Vorweihnachtszeit nehmen viele Firmen als Anlass für Betriebsfeiern. Der Kostenrahmen für derartige Veranstaltungen ist pro Arbeitnehmer und Jahr mit 365 Euro begrenzt, ohne dass eine Steuer- und Sozialversicherungspflicht beim Arbeitnehmer entsteht. Nach wie vor ein Thema ist für Kenda der Bildungsfreibetrag: „Fortbildungen für Mitarbeiter werden mit einem Freibetrag in Höhe von 20 Prozent belohnt.“ Alternativ dazu können Unternehmen, die wegen ihrer steuerlichen Verluste durch den Rost fallen würden, eine Bildungsprämie in Höhe von sechs Prozent geltend machen. Nachdem die Finanz alles schwarz auf weiß haben will, stapeln sich über die Jahre zahlreiche Ordner. Kenda erinnert daran, dass die Aufbewahrungspflicht für Aufzeichnungen des Jahres 1999 mit Silvester 2006 wegfällt. Diese können ab 1. Jänner 2007 vernichtet werden. Weiterhin aufbewahrungspflichtig sind aber Belege, die mit anhängigen Berufungsverfahren oder mit Grundstücken in Verbindung stehen. „Selbstverständlich gilt dies auch für noch gültige Verträge“, betont der Steuerberater. Auch die angestellten Ärzte fallen nicht ganz durch den Rost. So sieht das Steuerrecht einige Begünstigungen vor, die letztlich alle Steuerpflichtigen nutzen können. Prämien für freiwillige Lebens-, Unfall- oder Krankenversicherungen sind nach wie vor bis zu einem jährlichen Höchsteinkommen von 36.400 Euro zu einem Viertel von 2.920 Euro absetzbar. Zwischen 36.400 Euro und 50.900 Euro gibt es eine Einschleifregelung, darüber fällt die Absetzmöglichkeit weg. Bei Alleinverdienern und Alleinerziehern verdoppelt sich der Höchstbetrag auf 5.840. In der Praxis ist diese Sonderausgaben-Regelung für Ärzte ohne Bedeutung. Kenda: „Wer sich Sonderausgaben leisten kann, kann sie nicht absetzen – und umgekehrt.“ Der Nachkauf von Pensionszeiten ist hingegen unbeschränkt absetzbar.

Außergewöhnliche Belastungen mit und ohne Grenzen

Unter dem Titel „außergewöhnliche Belastungen“ können Ausgaben, beispielsweise für Arzt, Medikamente, Spital, Zahnbehandlungen oder medizinisch notwendige Kuraufenthalte, im Jahr der Bezahlung geltend gemacht werden. „Steuerwirksam werden diese aber erst dann“, präzisiert Kenda, „wenn der vom Einkommen abhängige Selbstbehalt in Höhe von sechs bis 12 Prozent überschritten wird.“ Für andere Belastungen, wie Unterhaltszahlungen, Behinderungen oder auswärtige Berufsfortbildung, gibt es unabhängig von der tatsächlichen Höhe der geleisteten Zahlungen fixe Absetzbeträge. Beim Kirchenbeitrag beträgt die Obergrenze 100 Euro pro Jahr. Traditionell ist die Vorweihnachtszeit auch die stärkste Spendenzeit. Diese sind leider nur dann abzugsfähig, wenn die begünstigten Institutionen in der Liste des Finanzministeriums angeführt sind. „Diese Liste enthält Forschungseinrichtungen, diverse Fonds, Museen oder etwa das Bundesdenkmalamt“, zählt Kenda auf. „Auch Spenden an Katastrophenopfer sind für selbständige Ärzte unter bestimmten Bedingungen steuerlich absetzbar.“

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