zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 29. November 2006

Ist der Verkauf einer Praxis Einkommensteuer-pflichtig?

Der „letzte Akt“ vor der Pensionierung kann die Veräußerung der Praxis sein. Um dabei möglichst vorteilhaft auszusteigen, ist rechtzeitige Planung ratsam.

„Gewinne aus der Veräußerung von Privatvermögen sind nur dann steuerpflichtig, wenn ein so genanntes Spekulationsgeschäft vorliegt“, so Dr. Karl Braunschmid, Steuerberater der MEDTAX-Gruppe in Linz. Dies trifft dann zu, wenn einerseits der Verkaufserlös den seinerzeitigen Kaufpreis überschreitet und andererseits seit dem Kaufzeitpunkt weniger als ein Jahr vergangen ist. „Bei Grundstücken und Gebäuden besteht Steuerpflicht, wenn weniger als zehn Jahre vergangen sind“, so Braunschmid. Wird dagegen eine Ordination verkauft, so ist der Verkaufserlös in jedem Fall der Einkommensteuer zu unterziehen. „Der Verkauf der Ordination stellt quasi den letzten Geschäftsvorgang für den Arzt dar“, erklärt Braunschmid. Die zu versteuernde Gewinngröße ergibt sich aus dem Unterschied zwischen dem Verkaufserlös und dem noch vorhandenen buchhal-terischen Wert aller zur Ordination gehörenden Wirtschaftsgüter. „Veräußerungskosten können natürlich abgezogen werden“, so Braunschmid. Bei einem Verkauf anlässlich der Pensionierung und weiterer Sonderfälle gibt es im Regelfall jedoch äußerst attraktive steuerliche Begünstigungen. „So kann die Einkommensteuer auf den Veräußerungsgewinn und andere Gewinnteile des Veräußerungsjahres auf rund die Hälfte reduziert werden“, betont Braunschmid. Er rät daher, sich unbedingt rechtzeitig, also spätestens zwei bis drei Jahre vor beabsichtigter Pensionierung, steuerlichen Beistand bei einem Berater mit Erfahrung bei Ordinationsverkäufen einzuholen und die Praxisbeendigungsphase professionell begleiten zu lassen.

Was bei Einstellung der Praxis ohne Verkauf zu beachten ist

Wird die Praxis ohne Verkauf eingestellt, dann ist für alle Wirtschaftsgüter mangels eines tatsächlichen Veräußerungserlöses ein steuerpflichtiger Entnahmewert ins „Privatvermögen“ zu ermitteln. „Der Käufer der Ordina-tion kann den Kaufpreis auf die erworbenen Wirtschaftsgüter aufteilen und zur Gänze als Betriebsausgabe absetzen“, präzisiert Braunschmid. Die steuermindernde Wirkung wird dabei auf mehrere Jahre verteilt. Auch hier besteht eine sehr gute steuerliche Gestaltungsbandbreite.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben