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Praxis 21. November 2006

Steuerunterschiede bei Sonderklassegebühren

Sonderklassegebühren können steuerlich unterschiedlich zu behandeln sein. Entscheidend ist laut Dr. Karl Braunschmid, Steuerberater der MEDTAX-Gruppe in Linz, das jeweilige Krankenanstaltengesetz.

Wenn die Sonderklassegebühren vom Träger des Krankenhauses im eigenen Namen eingehoben und an den Arzt weitergeleitet werden, unterliegen sie der Lohnsteuer. In diesem Fall muss der Dienstgeber die Bezüge bereits bei der monatlichen Gehaltsverrechnung um die darauf entfallenden Lohnsteuer- und So-zialversicherungsbeträge kürzen. Bei der anderen Variante stellt ein Krankenhaus die Sonderklassegebühren im Namen des (Primar-)Arztes in Rechnung und nimmt das Inkasso vor bzw. wickelt im Regelfall auch die gesamte Verrechnung mit der Versicherung des Patienten ab. Somit stellen die an den Arzt weitergeleiteten Sonderklassegebühren steuerlich so genannte Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit dar. Diese Einnahmen muss der Arzt dann in seine Buchhaltung entsprechend den gesetzlichen Form- und Aufzeichnungsvorschriften einfließen lassen. „In der Regel wird eine vierteljährliche Buchhaltung zu empfehlen und zu führen sein“, so Braunschmid. Nach Ablauf des Jahres ist vom Arzt eine Einkommensteuererklärung an das Finanzamt abzugeben.

Meldepflicht an das Finanzamt

Mit Beginn des Bezuges von Klassegebühren dieser Art besteht laut Braunschmid eine Meldepflicht an das Finanzamt, weil aus steuerlicher Sicht eine „Betriebseröffnung“ vorliegt: „Diese Meldung und die Beantwortung der damit verbundenen Fragen des Finanzamtes sowie das Ausfüllen des umfangreichen Fragebogens mit Angaben wie Umsatz und Gewinn des Eröffnungs- und des Folgejahres sollte man aber besser einem erfahrenen Steuerberater überlassen.“ Diese Meldung hat oft negative Auswirkungen. „Das Finanzamt schreibt nämlich als Antwort auf die pflichterfüllende Anzeige des Klassegebührenbezuges vierteljährliche Einkommensteuervorauszahlungen vor“, erklärt Braunschmid. Wie im Steuersystem oft der Fall, hat auch hier jede Medaille zwei Seiten. Der Vorteil bei Klassegebühren, die bereits vom Dienstgeber lohnversteuert werden, liegt in einer möglichen Ausnutzung der begünstigten Besteuerung des 13. und 14. Bezuges, der so genannten Sechstelbegünstigung. Der Vorteil bei Klassegebühren, die eigeninitiativ via Einkommensteuererklärung zu versteuern sind, liegt in der Praxis in der besseren Absetzmöglichkeit von betrieblich veranlassten Ausgaben.

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