zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 22. November 2006

Gewinne sicher ins Trockene bringen

Die Kursentwicklungen am Fremdwährungsmarkt haben vielen Ärzten erfreuliche Gewinne beschert. Wer deshalb dem Tilgungsfieber verfällt, riskiert, dass die fetten Kursgewinne durch die Steuerpflicht um bis zur Hälfte magerer werden.

Besonders beliebt war und ist der Switch vom Japanischen Yen in den Schweizer Franken. „Je nach Einstiegszeitpunkt in die fremde Währung konnten Kursgewinne von 30 Prozent und mehr lukriert werden“, berichtet Horst Jünger, MEDTAX-Steuerberater in Innsbruck. Um die Kursgewinne aber tatsächlich und unwiderruflich ins Trockene zu bringen, haben einige Ärzte die Gunst der Stunde für die gänzliche oder teilweise Rückführung ihrer Schulden genutzt. „Hierbei ist größte Vorsicht geboten, da insbesondere tatsächliche Tilgungen allzu leicht zur sofortigen Steuerpflicht führen können“, so Jünger.

Mögliche Konvertierungen

Bei der Beurteilung von allfälligen steuerlichen Folgen müssen Einnahmen-/Ausgabenrechner gesondert betrachtet werden. Einer der möglichen Fälle ist jedenfalls eine Darlehenskonvertierung, also der Wechsel in eine andere Währung. Jünger: „Dabei ist einerseits zwischen dem Switch von einer fremden in eine andere fremde Währung und andererseits von der Rückwechslung aus einer fremden Währung in den sicheren Euro zu unterscheiden.“ So können Konvertierung zwischen zwei Fremdwährungen wie etwa von Yen in Schweizer Franken vorerst zur Gänze steuerfrei lukriert werden. Auch bei der Rückwechslung in den Euro kommt es vorerst zu keiner Steuerpflicht. „In beiden Fällen der Konvertierung wird die Versteuerung der Kursgewinne bis zur Tilgung aufgeschoben“, so Jünger.

Vorsicht „Tilgungsfieber“

Wenn große Kursgewinne winken, verfallen viele dem Tilgungsfieber. „In der ersten Euphorie wird dabei oft übersehen, dass die fetten Kursgewinne durch die Steuerpflicht ganz schnell um bis zur Hälfte magerer werden können“, betont Jünger. Die endgültig realisierten Gewinne sind bei Tilgungen im betrieblichen Bereich nämlich immer steuerpflichtig; dies gilt selbstverständlich auch für Teiltilgungen. Als Trost kann Jünger anführen: „Der Fiskus holt sich die Hälfte der Gewinne bei steuerlicher Höchstprogression, zahlt aber auch die Hälfte von allfälligen Verlusten.“ Spannend wird es im privaten Bereich. Hier darf beliebig zwischen fremden Währungen hin und her gewechselt werden, auch innerhalb eines Jahres. „In den Euro zurückwechseln kann man steuerschonend nur, nachdem man zumindest ein Jahr in Fremdwäh-rung(en) war“, betont der Steuerberater. Ebenso möglich sei die Tilgung von Fremdwährungsschulden, und zwar auch dann, wenn man weniger als ein Jahr in dieser Währung war. Jünger empfiehlt daher, mit der Bank eine Vereinbarung zu treffen, dass bei Transaktionen zwischen Fremdwährungen die Konvertierung direkt von einer fremden Währung in eine andere zu erfolgen hat – ohne Umweg über den Euro: „Das könnte brenzlig werden, außerdem verursacht so ein ‚Switch auf Umwegen’ zusätzliche Gebühren und Spesen.“

„Gemeinheit“ der Finanz

Jünger ortet auch eine „Gemeinheit“ der Finanz: „Anders als im betrieblichen werden im privaten Bereich zwar innerhalb der Jahresspekulationsfrist die Gewinne besteuert, Verluste können allerdings grundsätzlich nicht steuerlich geltend gemacht werden.“ Mit einem „glücklichen“ Ausnahmefall: Werden im gleichen Jahr aus Spekulationsgeschäften Gewinne und Verluste realisiert, so ist eine Gegenverrechnung zulässig. Wer daher das Bedürfnis und auch die Möglichkeit hat, vorzeitig Schulden zurückzahlen zu können und dabei auch noch kräftige Kursgewinne einzufahren, sollte dies zuerst mit privaten Schulden tun und dabei mindestens ein Jahr ab Darlehensaufnahme verstreichen lassen. Nicht so selten kommt es laut Jünger vor, dass man bereits kurze Zeit nach einer „Tilgungsfleißaufgabe“ wieder Finanzierungsbedarf hat: „Vor allem wenn in den privaten Bereich investiert werden soll, ist eine voreilige Tilgung betrieblicher Schulden fast immer ein Schuss ins eigene Knie.“ Die Zurückbehaltung von Mitteln für eine eventuelle zukünftige private Investition kann sich also gleich vierfach bezahlt machen. Die Steuerabgabe für die bei der Tilgung betrieblicher Kredite realisierten Kursgewinne kann auf später verschoben werden. „Zinsen aus betrieblichen Schulden können weiter steuerlich geltend gemacht werden“, so Jünger, „während die Zinsen für den neuen Privatkredit aus bereits versteuertem Geld zu berappen wären.“ Auch die Geldbeschaffungskosten wie Kreditsteuer, Bereitstellungsentgelt und Bearbeitungsgebühren sind ein Thema. Im Falle der Neuaufnahme eines Privatkredites wären auch diese Kosten aus voll versteuertem Privatgeld zu tragen. Besonders vorteilhaft ist, wenn für bestehende Kreditlinien seinerzeit hervorragende Konditionen ausgehandelt werden konnten.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben