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Praxis 13. November 2006

Attraktive Alternative zu den Gruppenpraxen

Die Wiener Ärztekammer hat in Zusammenarbeit mit der Gebietskrankenkasse ein Modell entwickelt, in dem ein zweiter Arzt für einen beschränkten Zeitraum offiziell mit in einen bestehenden Kassenvertrag eingebunden werden kann. Natürlich mussten Bedingungen eingeführt werden, um eine missbräuchliche Verwendung dieses Modells auszuschließen. Zunächst mussten einige Fächer ausgeschlossen werden: Dies sind die klassischen "Gruppenpraxenfächer" Radiologie und Labordiagnostik sowie Pathologie und Physikalische Medizin. Dieses Modell kann bei Praxen mit mehr als der anderthalbfachen jeweiligen durchschnittlichen Fallzahl auch nicht angewendet werden, der Gynäkologe mit 2.000 Scheinen hat somit das Nachsehen.

Limitierung und Degression

Bei der Honorierung besteht kein Unterschied zur Einzelpraxis, bis auf die Tatsache, dass die Gesamthonorare natürlich begrenzt werden müssen. Das Wiener Modell orientiert sich hier an den Fallzahlen. Für Praxen, die bisher unter der durchschnittlichen Fallzahl lagen, kann die Fallzahl bis auf plus zehn Prozent des Durchschnitts ohne Honorarabschlag anwachsen. Größere Praxen werden anhand ihrer bisherigen Fallzahl eingestuft, wobei auch hier plus zehn Prozent als Obergrenze gilt.

Werden diese Grenzen überschritten, kommt es zu einem gestaffelten Abschlag bis zu 16 Prozent des Gesamthonorars. Bedenkt man die von den Kassen vorgeschlagenen Honorarabschläge bei der Gruppenpraxis, sind diese Werte als sehr human zu bezeichnen.

Grund muss vorhanden sein

Ohne weitere Einschränkungen kann man dieses Modell wirklich als attraktive Alternative zur Gruppenpraxis sehen. Durch die zeitliche Begrenzung wird dies allerdings ausgeschlossen. Ein weiteres Kriterium ist die sachliche Voraussetzung. So muss ein Grund gegeben sein, der es dem Ordinationsinhaber unmöglich macht, die vertraglich vereinbarten Ordinationszeiten in vollem Umfang einzuhalten.

Als Beispiele werden Sterbebegleitung eines Angehörigen, persönliche Erkrankung oder Betreuungsverpflichtung für minderjährige Kinder genannt. Die Auswahl des Partners erfolgt bei diesem Modell im Gegensatz zum Gruppenpraxenmodell ausschließlich durch den Inhaber der Kassenstelle. Der Partner erhält allerdings keinen Anspruch auf Übernahme der Praxis, er bleibt wie bisher in der Reihungsliste erhalten.

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