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Praxis 13. November 2006

Weg frei für Patienten mit Handicap

Ein aktuelles Thema – speziell in Wiener Ordinationen – ist die Adaptierung des Patientenweges für behinderte Patienten. Dabei sind verschiedenste Behinderungen, beispielsweise bei Sehen, Hören und Gehen, zu berücksichtigen.

Laut Ing. Michael Bör von der Einrichtungsfirma Arztplan gibt es zahlreiche Adaptionsmöglichkeiten für Ordinationen, die bei der Haustüre beginnen. Falls diese nicht ebenerdig ist, kann eine Rampe mit Seitengeländer adaptiert werden. „Hierbei sollte das Gefälle nicht mehr als fünf Prozent betragen und eine Breite von etwa 80 Zentimeter aufweisen, so dass eine Begleitperson einen Rollstuhl leicht hinaufschieben und auch ein Behinderter seinen Rollstuhl alleine hinauf bewegen kann“, erklärt Bör.

Schilder auch in Blindenschrift

Weiters sollte es einen mittels Knopfdruck zu bedienenden elektrischen Türöffner geben. Dieser ist so anzubringen, dass ihn auch ein Behinderter im Sitzen leicht erreichen kann. Das Türöffnersignal kann durch ein Lichtsignal für Hörbehinderte optisch sichtbar gemacht werden. Auch für Blinde gibt es Adaptierungen für Schilder in Blindenschrift, damit diese die nötigen Informationen auf der Tafel ertasten können.

Ist einmal diese Hürde überwunden, stellt sich die Frage, ob die Ordination ebenerdig ist oder über einen Lift erreicht werden kann, der eine Breite von mindestens 80 Zentimeter haben sollte. Etwaige Zwischenstiegen können mit Schienen überwunden werden, die gleichzeitig auch für Kinderwägen gut geeignet sind.

Bei behindertengerechten Liften sollte eine Befestigung der Lifttüre mittels Schnappvorrichtung möglich sein. Unter dieser Voraussetzung kann ein Behinderter auch alleine in den Lift einsteigen und dann die Türfixierung wieder leicht lösen.

Die Ordinationstüre sollte speziell bei dunklen Gängen durch eine Wandlampe gut ausgeleuchtet und ebenfalls für den Behinderten mit Türglocke oder durch Schnappschloss während der Ordinationszeiten leicht zu öffnen sein. Die Eingangsbreiten der Gänge sollten 120 cm und das Minimum der Türbreiten 80 cm betragen.

Notrufglocke mit Zugseil

Besonderes Augenmerk ist auf das WC zu richten. Das kleinst mögliche behindertengerechte WC, das sich von einem echten Behinderten-WC unterscheidet, sollte groß genug sein, dass der Behinderte sich vom Rollstuhl auf die WC-Schale bewegen kann. Haltegriffe an der Wand im WC rechts und links sollten ihm dies erleichtern. Weiters sollte eine so genannte Notrufglocke mittels Zugseil vorhanden sein, so dass bei Problemen oder Übelkeit des Patienten die Assistentin oder der Arzt rasch zur Hilfe gerufen werden kann.

Wichtig ist laut Bör die Kennzeichnung des Fluchtweges oder eines Notausganges. Dieser muss auch bei Stromausfall auf Notstrom oder Akku umschalten, so dass auch im Finstern der Ausgang leicht erreicht werden kann. Stufen müssen durch gelbe Farbe oder Farbbänder gekennzeichnet werden. Diese Stufenkennzeichnung gilt auch für Stufenanfang und Stufenende im Treppenhaus zur Ordination. Seit kurzem müssen in Ordinationen Feuerlöscher vorhanden sein, die mittels Feuerlöschtafel optisch zu kennzeichnen sind.

Die Ordinationsräume sollten im Optimalfall so gestaltet sein, dass der Patient leicht zum Schreibtisch fahren und sich auch leicht auf die Liege umbetten kann. Dafür ist zusätzlich eine elektrisch höhenverstellbare Untersuchungsliege notwendig. Die Umkleidekabinen sollten so gestaltet sein, dass sie von Behinderten leicht benutzt werden können.

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