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Praxis 13. November 2006

Und das Warten nimmt kein Ende

Immer wieder hört man das Argument von Ärzten und Helferinnen, wenn Patienten in Praxen lange Wartezeiten in Kauf nehmen müssen: "Wir haben so viel zu tun, darum müssen unsere Patienten so lange in der Praxis warten!"
Dabei handelt es sich jedoch entweder um eine Schutzbehauptung oder schlicht um einen Irrtum. Entgegen landläufiger Meinung ist die Ursache für lange Wartezeiten niemals ein Zuviel an Patienten.
Wer zu viele Patienten hat, merkt das daran, dass diese zu lange - Tage oder Wochen - auf einen Termin warten müssen. Ein weiteres Zeichen für zu viele Patienten ist, wenn man immer wieder mal mittags und abends ins Wartezimmer gehen und den wartenden Rest der Patienten nach Hause schicken muss.

Ursache Notfälle?

Bei kritischer Betrachtung wird man die wirkliche Ursache für lange Wartezeiten immer in einer ineffizienten Terminplanung oder in einer mangelhaften Termindisziplin von Arzt oder Praxis finden können.
Ein hohes Patientenaufkommen hat nur insofern mit Wartezeiten zu tun, als dass entsprechend mehr Notfälle auftreten. In Relation zur Gesamtleistung ist bei einer stark frequentierten Praxis die Gefahr der unverhältnismäßig hohen Belastung durch "unplanbare" Fälle sogar wesentlich geringer als bei einer Praxis mit wenigen Patienten. 

Bei einem Psychotherapeuten mit acht Patienten pro Tag ist ein Notfall also wesentlich schwieriger zu bewältigen und führt in der Regel viel eher zu Wartezeiten, als acht Notfälle in der allgemeinmedizinischen Praxis mit neunzig Patienten pro Tag. Diese acht Fälle verteilen sich in der Regel schließlich über einen großen Teil des Tages und können weitestgehend durch eingebaute Pufferzeiten abgefangen werden.

Ursache Terminplanung?

Die Erfahrung zeigt außerdem, dass in vielen Praxen lange Wartezeiten auch an Tagen entstehen, in denen keine oder wenige Notfälle behandelt werden müssen.
Lange Wartezeiten entstehen immer dann, wenn Patienten zur falschen Zeit in die Praxis kommen. Um das zu vermeiden, um Angebot und Nachfrage in Übereinstimmung zu bringen, macht man schließlich eine Terminplanung.
Wenn trotz Planung lange Wartezeiten entstehen, werden die Patienten einfach nur zum falschen Zeitpunkt bestellt. Das heißt, die Planung orientiert sich wahrscheinlich an irgendwelchen Wunschvorstellungen von Arzt oder Helferinnen, aber nicht an der Nachfragewirklichkeit.
Insofern ist es dann eigentlich keine Planung, sondern lediglich eine "Patientenaufschreibung".

Dr. Jürgen Brunotte
01/8778727
  

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