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Praxis 13. November 2006

Die Raumplanung kann zur Zeitfalle werden

Bereits bei der Planung einer Praxis kann viel Geld verloren gehen. Daher sollten Sie bei Ihrer Raumplanung auch immer die Organisation der Praxis im Kopf haben. In den meisten bestehenden Praxen existiert auch oftmals Renovierungs- oder Umstrukturierungspotenzial. Überprüfen Sie bei dieser Gelegenheit doch auch Verbesserungsmöglichkeiten Ihrer Raumnutzung.
Denn eine durchschnittliche Hausarztpraxis bewältigt zwischen 70 und 80 Kontakte täglich. Wer bei jedem Patienten nur 30 Sekunden verliert, steht insgesamt jeden Tag, an dem die Ordination geöffnet ist, 40 Minuten untätig herum.

Zeitfalle Nummer eins

Es gibt sie, die Zeitfalle Nummer eins: Diese ist oft der lange Weg zwischen Sprechzimmer und Wartezimmer. Messen Sie einmal diese Wegestrecke aus. Überlegen Sie dann, wer Ihr durchschnittlicher Patient ist. Sind es vorwiegend ältere Menschen, dann müssen Sie Ihren Messwert entsprechend mit einem Faktor 1,5 oder sogar 2 multiplizieren.
Diese errechnete Zeit warten Sie dann, wenn Sie den Patienten aufgerufen haben. Die Konsequenz daraus könnte lauten: Wir versuchen, das Sprechzimmer näher an das Wartezimmer zu legen oder umgekehrt. Wenn das nicht funktioniert, sollten Sie über eine Vorwartezone nachdenken.
Diese bestücken Sie mit zwei Sesseln, die in der Nähe Ihres Sprechzimmers stehen und von Ihren Helferinnen immer wieder mit Patienten besetzt werden. Achten Sie aber unbedingt auf den Datenschutz, nicht dass diese Patienten Ihr Gespräch mit anderen Patienten mitstenographieren können.

Zu großzügige Sprechzimmer

Zeitfalle Nummer zwei sind häufig sehr großzügige Sprechzimmer. Der Nachteil: Lange Laufwege für Sie und Ihre Patienten. Ausreichend für ein Sprechzimmer mit Schreibtisch, zwei Patientensessel, einem Chefsessel und einer Patientenliege sind sicherlich 15 Quadratmeter.
Besser als ein Sprechzimmer sind sicherlich zwei Sprechzimmer, zwischen denen Sie hin- und herpendeln. Diese sollten nebeneinander angeordnet und direkt mit einer Tür verbunden sein.
Schauen Sie einmal in den Bauplan, ob nichttragende Wände verändert werden können, damit Sie so zu einer besseren Raumkonstellation kommen. Häufig sind die Umbaukosten und die zusätzliche Ausstattung unter 10.000 Euro zu bekommen. Das Geld ist durch Zeitersparnis hereinholbar. Mit dieser neugewonnenen Zeit können Sie nämlich Sinnvolleres anfangen: entweder mehr Freizeit oder eine zusätzliche privatliquidierte Leistung anbieten.
Eine Zeitfalle trifft nicht immer nur Sie als Praxisinhaber, sondern meistens die Arzthelferinnen: Die Anmeldung ist so angeordnet, dass die Helferinnen lange Wege laufen müssen, um beispielsweise eine Karteikarte ins Sprechzimmer zu legen oder einen Patienten dort abzuholen.
Die Anmeldung muss der zentrale Ort der Praxis sein. Von dort sollte die gesamte Praxis überschaubar sein, um sich so über die Abläufe zu informieren. Die Anmeldung muss auch mit ausreichend Tageslicht bedacht sein.
Sollte es unter dieser Voraussetzung möglich sein, dann legen Sie die Anmeldung am besten in die Mitte der Praxis; schließlich ist das die Zentrale der gesamten Ordination.
Das Idealbild einer Praxis ist nicht immer zu erreichen, wenn statische Vorgaben, Lichtverhältnisse oder Wasseranschlüsse dagegen stehen. Ihre Kompromisse dürfen aber niemals soweit gehen, dass der Umsatz der Praxis darunter leidet.

Dr. Jürgen Brunotte
01/8778727   

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