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Praxis 13. November 2006

Wenn Patienten selbst zahlen müssen

Der Krankenkassenscheck verliert seine Gültigkeit, wenn die Verträge nicht mehr gelten. Das heißt Direktverrechnung mit den Patienten. Von Barzahlung bis Bankomatkasse ist alles möglich.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen verändern sich in letzter Zeit für alle in diesem Bereich wirtschaftlich Tätigen merklich. Budgetnöte bei den Vertragsverhandlungen, Spannenkürzungen für die Hausapotheker, zunehmender Druck zur Erfüllung ökonomischer Verschreibungsrichtlinien, behindertengerechte Ordinationen – alles Anforderungen der unmittelbaren Zukunft, die sehr geballt auf uns zukommen.

Vertragsloser Zustand ist nur Vorgeschmack

Der mögliche vertragslose Zustand in Wien ist dabei nur der Vorgeschmack auf die kommende freie Marktwirtschaft, nach einer eventuellen Niederlassungsfreiheit. Ein besonderes Problem wäre laut Harald Kuttner von der Unternehmensberatung Steigflug hierbei zweifellos die Verrechnung der ärztlichen Leistungen mit den Patienten. Diese nimmt daher auch im Handbuch für den vertragslosen Zustand der Ärztekammer für Wien den ihr gebührenden Platz ein.

Grundsätzlich stehen in einer Ordination laut Kuttner drei Möglichkeiten zur Verfügung. Die Verwaltung bar zahlender Patienten wäre selbstverständlich die beste Verrechnungsmethode. Dass hierbei aufgrund der jahrelangen Gewöhnung der Patienten an die bargeldlose Behandlung wohl ein deutlicher Umsatzrückgang zu verspüren wäre, ist sehr wahrscheinlich.

Wie von der Ärztekammer empfohlen, ist auch aus Sicht des Unternehmensberaters die Begleichung der Arzt-Rechnungen mittels Zahlschein kategorisch abzulehnen. Der Verwaltungsaufwand ist unmittelbar von der Ordination zu tragen und steht in keiner Relation zum Vorteil des Patienten durch diese Zahlungsart.

Die ebenfalls empfohlene Bankomatkasse kommt zwar sicher nicht für jeden Patienten in Frage, sollte aber für jede Ordination als Alternative erwogen werden. Hierbei gibt es laut Kuttner nur zwei Alternativen: „Der größte Anbieter auf diesem Sektor ist die Firma APSS, die auch von jeder Bank empfohlen wird.“ Dieses System, die bekannten blauen Bankomatkassen, haben im Gegensatz zur Alternative allerdings entscheidende Nachteile. Die Anschaffungskosten für die Geräte sind hoch, technische Ausstattung in Form einer ISDN-Leitung, in vielen Fällen einer Standleitung, verursacht hohe Fixkosten.

Die einzige Alternative ist die Firma Hobex. Dieser Anbieter hat den Vorteil, dass bei vergleichbaren Verwaltungskosten die Anschaffungs- und Betriebskosten deutlich niedriger sind. Das Gerät ist mobil und muss nur einmal pro Tag zum Versand der Abbuchungen mit dem Telefon verbunden werden. Als beson-deres Zuckerl könnte man den Patienten bis zur vollen Wiederherstellung der Direktverrechnung anbieten, dass sie ihre Leistung zwar sofort bezahlen, im Falle einer Bezahlung per Kontokarte würde der jeweilige Betrag jedoch erst nach sechs Wochen vom Konto abgebucht werden.

Besonders kreative Zahlungsmodalität

Entsprechende Zahlungsmodalitäten bieten heute schon Sportgeschäfte und besonders kreative Wahlärzte ihren Patienten an. Sie ermöglichen dadurch ihren Kunden, dass die Bezahlung am Konto erst zu einem Zeitpunkt wirksam wird, zu dem der Rückerstattungsbetrag der GKK bereits am Konto des Patienten eingegangen ist.

Selbstverständlich kann die Honorarnote des Arztes am Tag der Behandlung mit den Worten „Betrag dankend erhalten“ saldiert werden. Für die Rückerstattung durch die GKK ist natürlich der Zeitpunkt der Bezahlung und nicht der Tag der tatsächlichen Abbuchung vom Konto des Patienten durch die Kartenverrechnungsstelle ausschlaggebend.

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