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Praxis 13. November 2006

Virtuell diskutieren, bis die Tasten fast verglühen

Eine Mailing-List ist einerseits eine Liste von E-Mail-Adressen und andererseits eine themenbezogene Diskussionsgruppe. Der Teilnehmer schickt eine Mail an eine bestimmte Mailadresse, dem List-Server. Dort wird die Nachricht automatisch vervielfältigt und an alle in der Liste eingetragenen Personen weitergeschickt.

Werden die Mails zunächst von einem "menschlichen" Diskussionsleiter empfangen und geprüft, spricht man von einer moderierten Liste. Die Leitung einer Mailing-List kann unterschiedlich gehandhabt werden. Im Allgemeinen beschränken sich gute Diskussionsleiter darauf, die Konversation auf ihr eigentliches Thema zurückzulenken, erhitzte Gemüter zu beruhigen und die Mitglieder gelegentlich an die Regeln der Liste zu erinnern. Im Normalfall bekommt man jede Email einzeln, es gibt aber Server, die im Digest-Mode geführt werden. Dabei werden die Nachrichten gesammelt und erst nach Ende eines festgesetzten Zeitabschnittes, meistens ist es ein Tag, im Pulk als eine einzige Mail übermittelt. Eine Mailing-List ist ein demokratisches Medium, jeder Teilnehmer ist gleichberechtigt und für den Inhalt seiner Nachrichten selbst verantwortlich. Zumindest bei den nicht moderierten Listen findet keine Zensur statt. 

Es "menschelt" so schön

Jedoch sollte man darauf achten, dass man das Thema der Liste nicht zu weit verfehlt. Da sich die einzelnen Personen aber mit der Zeit immer besser kennen, passiert es schon mal, dass auch listenfremde Fragen aufgegriffen werden. Dies muss aber kein Nachteil sein, denn bei Mailinglisten mit nur wenigen Teilnehmern kann es erst dadurch "menscheln". Dies ist ein Punkt, den Anhänger dieser Kommunikationsform ganz besonders hervor-heben. Denn Personen, die zu Beginn nur die E-Mail-Adresse voneinander kennen, können mit der Zeit eine Beziehung zueinander entwickeln - so manche ernste Freundschaft kann dadurch entstehen. Ein weiterer Vorteil ist, dass es sich bei diesem Medium um ein interaktives handelt. Im Gegensatz zum Newsletter kann man Impulse setzen, Fragen stellen und beantworten.

Vorsichtsmaßnahmen

Doch die Nachteile mögen an dieser Stelle nicht verheimlicht werden. Bei reger Aktivität und hoher Anzahl der Listenteilnehmer kann binnen kürzester Zeit die Menge der Nachrichten überhand nehmen und das Postfach überschwemmen. Speziell bei längerer Abwesenheit kann dies lästig werden, daher sollte man während des Urlaubs die Mailing-List still legen. Daten aus dem Internet sollten immer skeptisch beäugt werden, speziell, wenn sie aus ungeprüften Quellen kommen. Zitierte Studien in Mailing-Lists müssen nicht richtig sein, auch dann nicht, wenn sie dort von einem Professor publik gemacht werden. Denn einen akademischen Grad im Mailingkopf kann sich jeder in wenigen Sekunden zulegen.Im Internet gibt es eine große Menge von Mailing-Lists zu fast jedem Thema. 

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 22/2002

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