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Praxis 13. November 2006

Kein Brett vorm Kopf, im Cyberspace sehr wohl

Stellen sie sich ein gigantisches "Schwarzes Brett" zu einem bestimmten Thema vor, in das man weltumspannend seine Meinung, Fragen, Tipps und Ideen pinnen kann. Diese fabelhafte Einrichtung gibt es längst im Cyberspace - die Welt der Newsgroups, auch Usenet (User Network) genannt. Leider nutzen auch versierte Internetbenützer jene Zusammenfassung aus fast unüberschaubaren Diskussionsforen aller möglichen (und unmöglichen) Themen kaum. 

Technisch und historisch betrachtet, ist das Usenet eigentlich kein Teil des Internets und funktioniert tatsächlich fast genauso wie die Schwarzen Bretter, die man von der Uni kennt. Einer schreibt einen Zettel, andere können den Beitrag lesen und sich dazu äußern, indem sie einen Zettel direkt darunter hängen. So kann man Informationen erhalten, gleich Gesinnte kennen lernen oder sich einfach nur nett unterhalten. In den Newsgroups werden zum entsprechenden Thema regelrechte Diskussionen geführt, die sich manchmal über mehrere Wochen hinziehen.

Manchmal zu viel Dosenfleisch

In einem Medium, in dem es jedem frei steht, öffentlich zu schreiben, ist es sinnvoll und nötig, gewisse technische und soziale Regeln (Nettiquette) aufzustellen, damit die Nutzung dieses Mediums für alle erfreulich und praktisch bleibt. Für all jene, die sich zum ersten Mal im Usenet bewegen, gibt es in der Newsgroup at.newusers.infos eine Zusammenfassung der wichtigsten Verfahrensweisen, Empfehlungen und Antworten auf häufig gestellte Fragen. So ist es beispielsweise in den meisten Dialogsystemen des Internets (Foren, IRC, Chats, etc.) üblich, ein "Pseudonym" zu wählen, im Usenet ist dies verpönt. Noch wichtiger ist es, keine unnötigen Dateien im Anhang zu posten, da nun alle Teilnehmer diese für sie meist unnützen Daten ebenfalls herunterladen müssen.

Ist das Usenet teilweise ein unerschöpflicher Quell interessanter Informationen und Pool nützlicher Expertentipps; kaum eine Frage bleibt unbeantwortet. So findet sich verbotenerweise leider auch viel Spam. Spiced Porc and Ham - das ist ursprünglich ein englischer Markenname eines im Zweiten Weltkrieg bekannt gewordenen Dosenfleisches, dessen Herkunft und Zusammensetzung ungewiss war - bezeichnet unerwünschte kommerzielle Emails. Sie kosten nicht nur Downloadvolumen, sondern auch Ladezeit.

Die benötigte Software sind so genannte Newsreader. Diese haben die Aufgabe, die Artikel der gewünschten Newsgruppen vom Server zu laden und anschließend die Bearbeitung der Artikel (lesen bzw. beantworten) zu ermöglichen. Ein kostenloser und weit verbreiteter Newsreader ist FreeAgent (www.forteinc.com). Doch mittlerweile haben bereits alle gängigen Browser (Netscape, IE, Opera) einen Newsreader integriert. Auf welche Newsgroups der einzelne Anwender Zugriff hat, entscheidet letztendlich sein Internet Service Provider. Nur wenige geben aus Kapazitätsgründen alle Gruppen frei. Es gibt bis zu 30.000. Außerdem gibt es einschlägige Newsgroups, zum Beispiel illegale Pornografie, die von vielen Anbietern korrekterweise gesperrt werden. Eine hervorragende Möglichkeit, geeignete Newsgroups, darunter auch viele medizinische, zu finden, ist unter http://groups.google.com/ möglich. 

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 18/2002

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