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Praxis 10. November 2006

Ist Freeware auch wirklich frei?

Der Cyberspace mit all seinen verschiedenen Erscheinungsformen ist auch aufgrund seiner vielfältigen Dateien dafür geschätzt, fast alles finden zu können - vom letzten Musikhit bis zum brandneuen Kinofilm. Ebenso sind immer mehr medizinische Programme zu haben. Nicht alle sind sinnvoll, doch dazwischen glitzert so manche Perle. Doch nicht alles, was man zunächst umsonst bekommt, ist auch gratis. Über verletzte Urheberrechte im Internet könnte man Seiten füllen.

Shareware ist Fairware

Shareware ist Software, die als bestimmte Version beliebig kopiert und an Dritte weitergegeben werden darf, ohne dass dadurch Urheberrechte verletzt werden - vorausgesetzt, dies geschieht kostenlos. Shareware ist fair zum Kunden, denn dieser hat die Möglichkeit, das Programm über einen bestimmten Zeitraum (free period) zu testen, und kann feststellen, ob das Programm seinen persönlichen Bedürfnissen und Wünschen entspricht. Shareware verlangt jedoch auch Fairness gegenüber dem Programmierer. Denn ist der User von der Software überzeugt und er will sie über den Prüfzeitraum (zumeist einen Monat) hinaus verwenden, muss er sich registrieren lassen. Er entrichtet eine Gebühr an die Autoren und erwirbt dadurch das Recht, die Software weiterhin zu nutzen. Häufig ist mit einer Registrierung auch der Anspruch auf verbilligte oder gar kostenlose Updates verbunden. Manchmal ist Sharewaresoftware in ihrer Funktionalität eingeschränkt und wird erst mit der Lizensierung komplett frei geschaltet. Dies geschieht in den meisten Fällen unbürokratisch mit der Zusendung (per Email) eines Codes.
Dem gegenüber ist Freeware tatsächlich auch über einen langen Zeitraum hinweg komplett gratis. Meist ist das Ziel der Entwickler, für kommerzielle Programme zu werben. Bei anderen werden während der Softwarenutzung im Hintergrund ständig wechselnde Werbebanner, so genannte Adverts, eingespielt. Der Autor kann allerdings die Nutzung auf einen bestimmten Nutzerkreis (z.B. Ärzte) einschränken, der keine Lizenzgebühren zu entrichten hat.
Cardware hingegen ist eine originelle Art der Registrierung. Der Programmentwickler will eine Postkarte, wenn möglich aus dem Heimatort des Users, mit einem kurzen Kommentar zum Produkt. So erkennt dieser die Verbreitung seiner Entwicklung und kann anhand der Anmerkungen das Programm weiterentwickeln.
Public Domain-Software ist ebenso kostenlos. Es handelt sich dabei um eine US-amerikanische Besonderheit. Dabei handelt es sich um Programme, die aus staatlich finanzierten Forschungsprogrammen hervorgegangen sind. Der Grundgedanke ist, dass die Software bereits vom Staat finanziert wurde und infolgedessen nicht mehr vermarktet werden darf. Schließlich ist sie bereits bezahlt.

Von der Demo zur Vollversion

Die großen Anbieter arbeiten meistens mit Demoversionen. Sie hoffen, den Anwendern ihre kommerziellen Produkte schmackhaft zu machen. Leider sind in der Regel eine oder mehrere wichtige Funktionen ausgeschaltet. So kann zum Beispiel eine Grafik zwar bearbeitet, das Ergebnis jedoch nicht abgespeichert werden.
Nun, wozu sollte sich ein Arzt mit rechtlichen Grundsätzen der Softwareindustrie überhaupt auseinandersetzen? Es gibt im Internet eine Reihe freier Software, die nicht nur attraktiv für Mediziner, sondern auch für Gesundheitsinteressierte und Patienten sind. Vom Kalorienmanager, Nachschlagwerke über Inhaltsstoffe von Lebensmitteln bis zu kleinen Programmen, die nützlich für Dokumentation und Auswertung der Blutzuckerwerte sind. Nicht alle halten, was sie versprechen. Doch ist so manch wertvolles Werkzeug darunter. Als Arzt könnte man daher auch auf diesem Gebiet so manch hilfreichen Tipp geben, wobei rechtliche Hinweise mit einbezogen werden sollten.

 

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 29/2002

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