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Praxis 10. November 2006

Ein Lächeln geht um die Welt

Schriftsteller und Journalisten können ein Lied davon singen. Je feiner die Klinge des Humors geschwungen wird, umso schwerer wird sie erkannt. Mit diesem Problem hatten die ersten, noch gar nicht globalen Netzwerk-User ebenfalls zu kämpfen. Und bekanntlich haben so manche Technik- und Informatikfreaks einen Hang zu besonders skurrilem Humor.
Im September 1982 wurde an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh ein Fehlalarm ausgelöst, als ein Spaßvogel im universitätseigenen Netzwerk verkündete, dass einer der Fahrstühle nach einem Physikexperiment wegen einer Quecksilberverseuchung gesperrt sei. Nachdem die erste Panik sich gelegt hatte, überlegte man sich, wie solche Irrtümer in Zukunft verhindert werden könnten. Der Informatiker Scott E. Fahlman (www-2.cs.cmu.edu/~sef/) hatte am 19. September 1982 schließlich die geistvolle Idee, so genannte "joke markers" lustig gemeinten Texten voranzustellen. Und er hatte auch schon die richtigen Zeichen bei der Hand: :-) und :-(

Internet-Archäologen fanden das Original. In der schnelllebigen Internetbranche sind 20 Jahre eine Ewigkeit. So gesehen ist das gute alte Smiley ein Methusalem und das Ur-Smiley galt eigentlich als verschollen, da Fahlman das Originalposting nicht aufgehoben hatte. Doch anlässlich des zwanzigsten Jahrestages gruben Informatiker von Microsoft und der Carnegie Mellon Universität nach Sichtung von ungeheuren digitalen Datenmengen die Urform aus:

"19-Sep-82 11:44 Scott E Fahlman :-)
From: Scott E Fahlman <Fahlman at Cmu-20c> I propose that the 
following character sequence for joke markers: :-) Read it sideways. 
Actually, it is probably more 
economical to mark things that are NOT jokes, given current trends. For this, use :-( "

Inzwischen gibt es über tausende Smiley-Abwandlungen, die uns erlauben, etwas Menschliches in die E-Mails zu zaubern. Wie der amerikanische Schriftsteller Truman Capote feststellte: "Wem das Lächeln fehlt, dem fehlt ein Flügel." So gesehen hat uns Scott E. Fahlman viel mehr geschenkt als bloß einen Doppelpunkt, einen Querstrich und eine halboffene Klammer. 


http://www-2.cs.cmu.edu/~sef/sefSmiley.htm 
http://research.microsoft.com/~mbj/Smiley/Smiley.html 
http://www-2.cs.cmu.edu/~sef/Orig-Smiley.htm 

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 34/2002

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