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Praxis 10. November 2006

Da steckt der Wurm drin

Einige Verhaltensregeln, damit Sie sich nicht wurmen müssen

Sie haben Angst vor (Computer)-Viren? Da gibt es eine gute Nachricht: Laut führenden Sicherheits-Softwareherstellern haben klassische Virenangriffe auf Computer drastisch nachgelassen. Doch bevor Sie sich entspannt zurücklehnen, kommt die obligatorisch begleitende schlechte Botschaft: Die Szene-Hacker haben längst umgesattelt - gefragt sind zur Zeit Würmer. Doch hüten Sie sich vor einer Analogie zur Natur und vergleichen Sie nicht die scheinbar harmlosen Würmer mit gefährlichen Viren. Denn die zur Zeit kursierenden Würmer sind im Grunde nichts Anderes als moderne Viren, bloß mit effizienteren Infektionsstrategien. Während herkömmliche Viren nur eine oder mehrere Dateien einer Festplatte infizieren, ist der Wurm schon gieriger. Er befällt das gesamte Computersystem, mitsamt dem daran hängenden Netzwerk, also alle PCs, die mit dem Opfer irgendwie verbunden sind. Innerhalb eines Netzwerkes können sich diese eigenständigen Programme, die daher keine Wirtsoftware benötigen, verbreiten. Dabei reproduzieren und kopieren sie sich mithilfe von Netzwerkfunktionen auf andere Rechner. Der Befall eines einzelnen Rechners ist nur ein Mittel zum Zweck, sich in einem verknüpften System auszubreiten. Dazu gehört, im Gegensatz zu den althergebrachten Viren, sich eher unauffällig zu verhalten. 

So mancher Wurm ist ein Hybrid

Diese neuartigen Softwareparasiten, egal ob Netz- oder Webwürmer (wie beispielsweise der berüchtigte Code Red), bergen ein enormes negatives Potenzial. Kombinieren sie doch raffiniert alle bisher bekannten Möglichkeiten, einen Rechner zu attackieren: So können sie sämtliche Dateien und Dokumente infizieren, den gesamten PC unterwandern und dementsprechend lahm legen. Während seiner Wanderung über sämtliche Festplatten kann der Wurm ein Trojanisches Pferd im Rucksack haben und diesen beliebig "hinterlegen". Das ist wohl der letzte Schrei unter den Hackern und ermöglicht ihnen, infizierte User zu bespitzeln. Selten, aber doch besitzen sie Schadensfunktionen, wie sie sonst nur für klassische Viren typisch sind. Zu den klassischen Biotopen der Cyberwürmer gehören E-Mail und Internet. Einer der führenden Sicherheitssoftwarehersteller, Kaspersky Labs, schätzt, dass sich Wurm-Virenattacken vie E-Mail jedes Jahr um rund fünf Prozent erhöhen und nun bereits 90 Prozent aller Virenvorfälle ausmachen. Dies lässt sich wohl auch durch die steigende Zahl von Internetusern erklären. Einen neuen und gefährlichen Trend stellen daher Würmer wie Melissa oder ExploreZip dar. Sie verbreiten sich in einem schier unglaublichen Tempo via automatischer Versendung von E-Mails und können innerhalb kürzester Zeit ganze Netzwerke lahm legen.

Übliche Schutzmechanismen

Wer dubiose Anhängsel in E-Mails von unbekannten Versendern öffnet, ist wohl selbst schuld. Dazu gehören Dateiendungen wie .exe, .com, .lnk, .pif, .scr, .bat, .doc und .dot. Falls Ihnen selbst ein Bekannter unaufgefordert eine Datei schickt, fragen Sie vor dem Öffnen lieber noch einmal nach. Faktum ist, dass sich die meisten Würmer an die meist verwendeten E-Mail-Programme wie Outlook und Outlook-Express orientieren. Versuchen Sie doch mal eine weniger gebräuchliche Software. Kostenlose Alternativen gibt es zuhauf. Aber egal welches Programm Sie benutzen, deaktivieren Sie Javascript für E-Mail! Und ein kurzer Tipp zum Schluss: Lassen Sie Ihren Computer nicht allein auf die Spielwiese Internet - schicken Sie immer "Papa" Virenscanner und "Mama" Firewall mit.

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 39/2002

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