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Praxis 31. Oktober 2006

Die Lust auf Kooperation nimmt zu

Was als virtuelle, regionale Vertretungsbörse begonnen hat, ist zu einem Marktplatz für die Vermittlung von Ärzten geworden. Vor allem Angebote aus Deutschland nehmen zu.

Mag. Franz Kaiser ist eigentlich Unternehmensberater. Als Ehemann einer Kassenärztin für Allgemeinmedizin hat er jedoch einen besonderen Zugang zum Thema: „Ich habe mich bereits vor einigen Jahren gewundert, dass es offenbar zwar eine Nachfrage sowohl nach Vertretungsdiensten in Ordinationen wie auch Vertretern gibt, es aber immer schwierig war, die jeweiligen Partner auf einer Art ‚Markt’ zusammenzubringen.“
Die bis dato existenten Möglichkeiten einer Koordination hatten Schwachstellen. „Es gab zahlreiche unaktuelle, meist auf Bundesländer beschränkte Listen, die völlig ungeeignet waren, das Problem im Sinne von Vertretungsärzten und Praxisinhabern in Sachen Angebot und Nachfrage zu koordinieren“, berichtet Kaiser.

Am Anfang war‘s ein Hobby

Von diesem Problem getrieben, hat der Unternehmensberater als eine Art Hobby im Internet die Vertretungsbörse www.docanddoc.at gegründet. Das System ist einfach aufgebaut. „Ich habe drei Suchkriterien verwendet, nach denen beide Seiten suchen können“, erklärt Kaiser. „So gibt man Fachrichtung, regionale Zuordnung sowie Termin ein, und schon erhält man, falls vorhanden, einen Interessenten als ‚Angebot’.“

 DocAndDoc-Logo

Internetplattform mit Vertretungsbörse, Jobs im Ausland und anderes mehr.

Kaisers „Marktforschung“ ergibt, dass der Markt für Vertretungen etwa 650 Vertretungsärzte umfasst, die Hälfte davon wird schon in seiner Vertretungsbörse ausgeschrieben: „Dieses kostenlose Service existiert seit etwa zwei Jahren, seit einem Jahr werden die zustande gekommenen Vertretungen erfasst.“ Er kann mittlerweile auf mehr als 2.700 durch sein Angebot vermittelte Vertretungstage verweisen. In die dann verrechneten Tarife mischt sich Kaiser nicht ein – einziges Problem: „Die Ordinationsinhaber jammern zwar, aber sie geben auch nur sehr restriktiv und kurzfristig Angebote herein.“

Angebot trifft Nachfrage im In- und Ausland

Aus dem Vertretungsangebot heraus hat sich inzwischen die „Partnerbörse“ entwickelt, quasi ein Pendant zur Kooperations-Börse in der ÄRZTE WOCHE. Auf diesem Teil von Kaisers Plattform werden ärztliche Kooperationen aller Art „gehandelt“. Dies wiederum hat mittlerweile zu vielen Anfragen, beispielsweise aus Deutschland, geführt. Dort liegt ein Problem darin, dass viele Praxen leer stehen und Ärzte dafür gesucht werden.
Für Kaiser kein Problem. Er hat mittlerweile aus dieser Not eine Tugend gemacht und den dritten Teil von www.docanddoc.at entwickelt, nämlich die „Praxisbörse“. Dieser Teil ist frei zugänglich und nicht mit Passwort geschützt. Allerdings gibt es hier einen Inser­tionspreis, nämlich 100 Euro plus Umsatzsteuer pro Quartal.
Das Angebot wird schließlich noch durch eine „Lehrpraxisbörse“ abgerundet. Dabei arbeitet Kaiser immer nach demselben Schema: „Es geht darum, Angebot und Nachfrage zusammenzubringen.“

Jetzt auch eine Jobbörse

Die fünfte Option, die „Jobbörse“, ist relativ neu im Programm. Diese hilft einerseits Ausbildungsplätze, andererseits Facharztjobs überwiegend im Ausland zu finden. Bewerber zahlen für diese Dienstleistung nichts, das übernehmen die beauftragenden Krankenhäuser. „Über PR-Artikel und Jobmessen wird zusätzlich versucht, das Interesse von Ärzten aus Österreich zu wecken“, berichtet Kaiser.
Bisher konnten auf diesem Weg 60 Ärzte vermittelt werden, überwiegend nach Deutschland. „Allerdings gibt es überall andere Rahmenbedingungen, Strukturen und schließlich unter Umständen auch eine andere Sprache“, so Kaiser. Doch die Angebote seien sehr wohl attraktiv. „Unkritisch werden Meldungen über die schlechte wirtschaftliche Situation und Arbeitsmarktproblematik verbreitet“, bedauert Kaiser und nennt zwei Beispiele: Ein Turnusarzt in Österreich verdient 1.600 Euro netto pro Monat (14-mal) mit bis zu zehn Nachtdiensten, ein Ausbildungsassistent in Deutschland (Vergleich Turnusarzt) bekommt netto rund 1.900 Euro (13-mal) mit nur einem Nachtdienst.
„Wenn die in Österreich üblichen Nachdienste dazu gemacht werden, kommt man auf ein Einkommen, das netto um 1.000 Euro pro Monat über dem in Österreich liegt“, rechnet Kaiser vor. Außerdem herrscht in weiten Teilen Deutschlands ein weit geringeres Preisniveau. Die Umsätze von Allgemeinmedizinern mit einem Äquivalent von 1.000 Scheinen liegen übrigens bei knapp über 200.000 Euro, also etwa so wie in Österreich. Kaiser: „Demnach hängt es hier wie dort vorwiegend vom Geschick des Arztes ab, ob er aus einer Stelle etwas macht.“
In Thüringen wird derzeit eine Praxis mit 1.400 Scheinen in einer Kleinstadt „verschenkt“, wo nur ein Bereitschaftsdienst pro Monat vorgesehen ist und sogar noch ein ausgebildeter Rettungssanitäter für diesen Dienst bereitgestellt wird. Unter www.docanddoc.at dürften daher einige für Ärzte attraktive Angebote zu finden sein.

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