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Praxis 30. Oktober 2006

Infektiologie im Internet

Die Idee ist noch gar nicht so alt, die Umsetzung bereits weitgehend realisiert: Auf Initiative der Abteilung für Infektionen und Chemotherapie an der Wiener Universitätsklinik für Innere Medizin I wurde ein bundesweites "Infektionsnetz" in den Räumen des World Wide Web installiert.
Nach intensiven technischen Vorarbeiten geht nun die erste Ausbaustufe des Projektes online, das als übergeordnete Plattform aller im Bereich Infektiologie tätigen Institutionen konzipiert worden ist. Dazu zählen zahlreiche Universitätsinstitute, Krankenhausabteilungen und Untersuchungsstellen, medizinische Gesellschaften sowie das Bundesministerium für soziale Sicherheit und Generationen. Unter der Supervision der Österreichischen Gesellschaft für Chemotherapie (Vorstand: Prof. Dr. Stefan Breyer) soll die hierzulande bislang mangelhafte Vernetzung vorangetrieben werden.
Klimaänderungen, erhöhte Reisetätigkeit, Tourismus oder Flüchtlingsströme sind heute Bedingungen, die zu raschen Änderungen der Erregersituation sowie zu bedrohlichen Resistenzentwicklungen führen. Diese schnelllebige Problematik macht auch vor Österreichs Grenzen nicht Halt. Hinzu kommt eine gesteigerte Anfälligkeit der Patienten: "Der Anteil transplantierter und immungeschwächter Patienten ist innerhalb von zehn Jahren beträchtlich gewachsen", bemerkt Prof. DDr. Apostolos Georgopolous, einer der Initiatoren des Projekts.
Das "Infektionsnetz Österreich" präsentiert den heimischen Ärzten nun den State-of-the-art beim Management von Infektionserkrankungen. Es ist ein wichtiges Nachschlagewerk, das laufend aktualisiert wird und rund um die Uhr verfügbar ist. Die Vorteile des Internet werden hier für ein qualitätsgeprüftes Informationsangebot nutzbar gemacht. Die drei Schwerpunkte der Website sind die alphabetisch strukturierten Krankheitsbilder, Erreger (Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten) und pharmakologische Substanzen (Anti-Infektiva mit österreichischen und deutschen Handelsnamen). 
In einem weiteren Schritt wird ein Monitoring der gegenwärtigen Antibiotika-Therapie in Österreich möglich sein. Aktuelle Inhalte werden präsentiert, etwa Zulassungen von Medikamenten oder Neuigkeiten von Kongressen und Tagungen. Für den wissenschaftlichen Content des Infektionsnetzes sorgt ein Redaktionsteam, das aus Ärzten und Mitarbeitern der Universitätsklinik Wien sowie der Austrian Health Communication (Verein zur Förderung elektronischer Vernetzung im österreichischen Gesundheitswesen) besteht. Voraussetzung für einen möglichst großen Benefit der Initiative ist freilich die Internet-Nutzung im extramuralen Bereich. Georgopolous: "Das Infektionsnetz soll den Dialog zwischen den niedergelassenen Ärzten und den Experten in den universitären Zentren fördern und anregen."

Dr. Martin Tauss, Ärzte Woche 44/2002

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