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Praxis 30. Oktober 2006

Website für heimische Turnusärzte

Seit 1.1.2001 lebt und gedeiht www.turnusarzt.com im Netz. Die Gründer der Website, Dr. Stefan Hinterberger, Dr. Janne Unger, Dr. Johannes Elias und Dr. Stephan Scheuba befassten sich mit Themen, die des Turnusarztes tägliches Brot sind, angefangen von der Suche nach Turnusstellen über medizinische Unterlagen bis zu Prüfungsangelegenheiten. Dabei standen sie vor der nackten Tatsache, dass keine speziellen Seiten für Turnusärzte im Internet zu finden waren. Der Wunsch ist Vater des Gedankens: Die vier, die außerdem computertechnisch sehr versiert sind, organisierten sich als gemeinnütziger Verein und sind die Schöpfer des WWW-Sylvesterbabys 2001.

Turnusärzte als Webmaster

Die vier bezeichnen sich selbst als die Techniker, die die Seiten als Plattform für Turnusärzte hergestellt haben und ständig betreuen. Das Ziel ist, offene Kommunikation zu ermöglichen und weitreichende Informationen zur Verfügung zu stellen, die sonst schwierig aufzutreiben sind. Das Projektteam finanzierte von Grund auf die Produktion der Website selbst. Größten Wert legen die Dottores auf ihren Status als unabhängige Akteure in der virtuellen Medizin-Landschaft.

Zwei Jahre und drei Monate

Das einstige Sylvesterbaby läuft schon und ist sehr eloquent. Die Website weist inzwischen durchschnittlich 220 Visits und rund 5.300 Views pro Monat auf. Angesichts der Tatsache, dass die Zielgruppe sehr speziell und klein ist - es gibt gegenwärtig laut Ärztekammer etwa 5680 Turnusärzte in Österreich -, kann man mit den Zugriffszahlen zufrieden sein. Sucht man in Google nach "Turnusarzt", erscheint die Adresse ganz oben. Die interaktiven Features der Site tun sich userfreundlich und sehr nutzbringend hervor. Die Ärzte nützen das Potenzial der Informationstechnologie im Sinne einer Net-Community bestmöglich. Den Turnusärzten stehen ein Forum (enthält bereits 202 Artikel), der Newsletter (zählt über 300 Adressaten), ein Gästebuch, ein Feedback-Formular, ja sogar ein Chat zur Verfügung. Damit sollte der Kommunikationsfreudigkeit keine Grenze mehr gesetzt sein.
Die Informationspakete dürfen gar nicht gering geschätzt werden: Gesammelt und in schöne Übersicht gebracht, sind die grundlegenden Infos über die österreichischen Krankenhäuser mit jeweiligen Abteilungen und ihren zugehörigen Turnusstellen, was und wie für den Turnus nötig und anrechenbar ist, leicht an einer zentralen Adresse verfügbar. Die Daten entsprechen dem aktuellen Stand der Ärztekammer von Oktober 2002.
Besonders interessant ist die Ausbildungsevaluierung: In eine Datenbank gefüttert, sind die Krankenhäuser samt Abteilungen, mit Ratings versehen, aufrufbar. Die Scores entspringen hauptsächlich der Beurteilung durch Turnusärzte selbst. Dieses System ist erst seit zwei Monaten online. Daher wird sich in etwa zwei Jahren ein gutes, durchschnittliches Profil ablesen können.

Klinische Abteilung

Hinter "Klinisches" verbergen sich drei Subeinheiten: Zum Nachschlagen, Fallbeispiele und Fortbildung. In der ersten "Lade" wohnen praktische Kapitel von Medikamentenlisten, ICD-Codes, Knüpftechniken, Labor-Referenzwerte, eine Datenbank der medizinischen Abkürzungen bis zu "Wie schreibe ich einen Arztbrief?", Anleitungen zum Rezeptieren, spezielle Anamnesen und Unfallchirurgische Diagnosen (Palm-verträglich). Viele der angebotenen Texte stehen auch zum Download bereit - man muss nicht beim Lesen am Monitor verhungern.

Entwicklungen und Visionen

Die Basisfinanzierung lag und liegt nach wie vor bei den vier Webmastern. Partner-Firmen stellten manche Informationen zur Verfügung. Vorträge und Fortbildungen kommen aus der Kollegenschaft.
Der nächste größere Projektplan ist der Aufbau eines Netzwerks für Pharma-Informationen gemeinsam mit dem Berufsverband der Pharmareferenten Österreichs und der Austrian Health Communication (www.ahc-consilium.at, www.infektionsnetz.at), um Turnusärzte sowohl über die neuesten, als auch über bereits etablierte Präparate umfassend zu informieren. Eine weitere Rubrik soll entstehen: Bezüglich der Themen Steuern und Recht besteht großes Informationsmanko. Das Team sieht hier dringenden Handlungsbedarf. Unger über die Website: "Die Seite ist eine Plattform für österreichische Turnusärzte, aber auch für Studenten und Assistenten. Auch aus Deutschland erhalten wir bereits Reaktionen. Im Sinne dieses Ganzen suchen wir weitere Sponsoren oder Kooperationspartner, um unser Projekt auch weiterhin finanzieren und ausbauen zu können."
Was wird mit der Internetseite geschehen, wenn sie alle keine Turnusärzte mehr sind? Die Vizepräsidenten Unger und Elias stehen zum Beispiel schon in Ausbildung zum Facharzt. Unger dazu: "Das ist ein Beweis dafür, dass diese Seite, auch wenn keiner von uns mehr Turnusarzt sein sollte, trotzdem weiter besteht. Wir sind, wie gesagt, nur die Webmaster, die alle Informationen, die wir zur Verfügung stellen, von anderen Turnusärzten zugeschickt bekommen. Wir arbeiten bereits heftig am Relaunch der Website, um komplett datenbankbasiert weiteres Service im Sinne bester Usability bieten zu können."

Gabriele Sprung

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