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Praxis 30. Oktober 2006

Datenaustausch: Ich geb’ Dir, und Du gibst mir

Die Peer-to-Peer (P2P)-Technologie gehört derzeit zu den meistdiskutierten Themen der IT-Branche. Sie ermöglicht gänzlich neue Perspektiven für den Datenaustausch. Beim P2P-Computing benutzen die Internetbenutzer nicht zentrale Server als Sammelstelle, sondern lassen sich mittels intelligenter Software direkt mit Computern, auf denen sich die gesuchten Informationen befinden, verbinden. Das Prinzip File-Sharing (Datenaustausch) funktioniert natürlich nur dann, wenn der größere Teil der Nutzer nicht nur Dateien downloadet, sondern auch selbst welche anbietet. Doch die millionenfach frequentierten (Musik-) Tauschbörsen wie etwa Napster und dessen Nachfolger haben naturgemäß zu kontroversen Diskussionen geführt. Der Großteil der angebotenen Dateien sind aktuelle Musikfiles (meist im komprimierten mp3-Format), Spiele und Filme. Doch auch brandneue Software und E-Books (digitale Bücher) gehören zum Downloadangebot. Dies verstößt natürlich gegen das Urheberrecht und bringt die Unterhaltungsindustrie um viel Geld. Demgemäß versucht die Branche die Tauschbörsen zu stoppen und investiert hohe Summen in Prozesse und Öffentlichkeitsarbeit. Allerdings gibt es aus Sicht der Copyrightschützer ein erhebliches juristisches Problem, denn die Urteile fußen zumeist auf der US-Rechtsprechung, und diese sind für Europa nicht unbedingt anzuwenden. Dieses Territorialitätsprinzip mag für den Cyberspace als nicht geografischen Raum veraltet sein, doch bis dato gibt es keine andere Regelung. So trägt die Film- und Musikindustrie regelmäßig einen rechtlichen Sieg davon, leider mit dem bitteren Beigeschmack, ein Pyrrhus- davor setzen zu müssen. Denn für jeden Gegner, den die Anwälte eliminieren, wachsen potentere heran. Die neuen Tauschnetzwerke sind so juristisch fast nicht mehr greifbar.

Schwer kontrollierbare Netze

War es möglich, Napster, den bekanntesten Urahn des Filesharings, wegen seiner zentralen Informationsspeicherung über Standort der MP3-Dateien sowie Benutzerdaten rechtlich verantwortlich zu machen, ist dies bei den sich jetzt ausbreitenden dezentralen Tauschbörsen undenkbar. Es trat das ein, wovor Kritiker immer schon warnten, dass ein zu strenger Feldzug gegen zentralisierte Tauschbörsen die User nur zu anderen, schwerer kontrollierbareren P2P-Netzen abdrängt. So in die Sackgasse geraten, überlegt die Unterhaltungsindustrie nun, zu "unsauberen" Methoden zu greifen. Letztens verstärkte sie sogar den Druck auf den US-Kongress, um den Segen für technische Sabotageaktionen gegen Filesharingnetzwerke zu bekommen. Dies scheint selbst Hardlinern weit übers Ziel hinausgeschossen. Doch bei aller Sympathie für die anarchistische, freie Struktur des Internet hat das Urheberrecht, das den Rechtsschutz des Schöpfers sichert, natürlich auch seine Berechtigung. Leider wird oft verpasst, die Chancen der P2P-Technologien auf sachlicher Ebene zu diskutieren. Denn die Gegner des Filesharings vergessen scheinbar, dass neben MP3s und Filmdateien durchaus auch legale Inhalte getauscht werden können, und dies ist weder verboten noch unmoralisch. Die erlaubte Palette reicht von freier (Open Source-)Software über Treiber bis zu E-Books, deren Urheberrecht abgelaufen ist (das sind beispielsweise Texte, deren Verfasser schon länger als 70 Jahre tot sind). Daher werden wir Ihnen demnächst die Filesharingmöglichkeiten näher erläutern.

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