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Praxis 24. Oktober 2006

Über Stolpersteine vom Wahlarzt zum Kassenarzt

Nicht vorhersehbare Entwicklungen im ärztlichen Berufsweg können auch ernste finanzielle Veränderungen bedeuten. Da ist dann guter Rat gefragt, wie Dr. Michael Hoi erfahren musste.

Der Allgemeinmediziner und Anästhesist mit Wohnsitz in Villach hatte eigentlich andere Zukunftspläne. Das Reihungssystem für Kassenordinationen in Kärnten lässt kaum Spekulation zu, ob man jemals eine Stelle bekommen wird. Dementsprechend muss ein junger Arzt eine alternative Lebensplanung im Köcher haben. „Ich war auf Platz 8 der Reihungsliste für eine Stelle in Faak am See, als ich im Jänner 2004 beschloss, mich für die Nachbesetzung dieser Stelle zu bewerben“, so Hoi. Im Februar kam dann der Bescheid, dass er die Stelle übernehmen kann. „Offenbar hatten die besser gereihten Kollegen schon anderweitig geplant“, meint Hoi, der als Beginn für seine Tätigkeit als Kassenarzt den 1. April 2004 angepeilt hatte. Doch dieses Vorhaben warf eine ganze Menge von Problemen auf. Einerseits war Hoi im Krankenhaus Villach auf einer Vollstelle als Oberarzt der Anästhesie tätig. Andererseits gab es vor Ort in Faak keine geeignete Mieträumlichkeit, auch die Übernahme der Ordina-tion des Vorgängers war leider nicht möglich. Somit war der geplante Termin zum zweiten Quartal 2004 gleich zum Scheitern verurteilt. Als nächste Startmöglichkeit wurde das dritte Quartal angepeilt. „Es war ein Sprung ins kalte Wasser“, berichtet Hoi, „noch dazu mitten im Sommergeschäft des örtlichen Tourismus.“ Dann konnte allerdings auch der 1. Juli als Eröffnungstermin nicht ganz gehalten werden, weil nach dem Kauf eines Grundstückes erst das Ordinationsgebäude errichtet werden musste. „Wen wundert das, wenn nur ein knappes halbes Jahr Zeit zwischen dem ersten Gedanken und der Eröffnung einer Ordination bleibt“, resümiert Hoi. Wie so oft, gab es auch „Problemchen“ mit Handwerkern, die aber letztendlich gelöst werden konnten. Für Hoi war das quasi von heute auf morgen zu bewegende Finanzvolumen eine neue Herausforderung: „Man bewegt schließlich bereits vor dem ersten Ordinationstag das Vielfache eines ärztlichen Jahreseinkommens, allein schon durch das benötigte Investitionsvolumen.“ Auch die Tatsache, dass Hoi seit 2003 als Wahlarzt niedergelassen war, machte die Situation nicht gerade einfacher.

Verluste aus Wahlarztpraxis

Mittlerweile ist die Wahlarzt-ordination aufgelassen. „Wir haben versucht, das dortige Inventar so gut wie möglich zu verwerten, was leider nicht zur Gänze gelungen ist“, blickt der Allgemeinmediziner zurück. Einige mit viel Liebe getätigte bauliche Veränderungen mussten mit Tränen in den Augen „zurückgelassen werden“. Der finanzielle Verlust war nicht unbeträchtlich. Dennoch hat sich die Entscheidung, die Wahlarztordination in Villach aufzulassen und sich ganz der neuen Aufgabe in Faak zu widmen, als richtig erwiesen. Wie bei Ärzten durchwegs üblich, ging Hoi mit dem neuen Investitionsvorhaben zunächst zur Hausbank, was sich im Nachhinein als unnötig herausstellte. Seine Bank konnte kein zufrieden stellendes Angebot legen. An dieser Stelle kam Dagmar Triller, Financial Managerin beim Basler Ärztedienst, ins Spiel.

Wie üblich mehrere Angebote

„Wir haben, wie üblich, bei mehreren Instituten Angebote eingeholt und verglichen“, berichtet Triller. „Wenn man sich ausschließlich mit dieser Materie beschäftigt, kennt man die marktkonformen Vertragsbedingungen.“ Doch die Hausbank wollte einfach nicht mitziehen, obwohl Hoi auch gerne bei ihr geblieben wäre. „Wer einmal eine Ordination neu gebaut und eingerichtet hat, kennt das benötigte Finanzierungsvolumen und kann sich leicht ausrechnen, wie viel man draufzahlt, wenn man einen schlechten Kreditvertrag aushandelt“, so Triller. „Das kann sich heute kein Kassenarzt mehr leisten.“ Hoi hatte sich das wirtschaftliche Basiswissen für die Ordinationsgründung als Stammgast bei den Praxis & Wirtschaft-Gründungsseminaren von ÄRZTE WOCHE und Basler Ärztedienst geholt: „Ich musste aus gegebenem Anlass zweimal kommen. Schließlich hat ein angehender Kassenarzt andere Probleme und Fragen als ein Wahlarzt.“ Im Laufe seiner langjährigen Tätigkeit als Anästhesist hatte sich bei Hoi der Gedanke gefestigt, den Fuß in die freie Niederlassung zu setzen: „Die Anästhesie mit ihren Spezialgebieten stellt zwar ein interessantes Arbeitsgebiet dar, der zwischenmenschliche Kontakt mit den Patienten wird aber aufgrund von Sparmaßnahmen im Krankenhaus mehr und mehr eingeschränkt. Zeitdruck und Personalmangel stellen wie überall ein Hauptproblem dar. Ab einem gewissen Alter stellt sich daher die Frage: ‚Will ich das wirklich?’“

Nicht nur Schulmedizin

Im Nachhinein hält Hoi den Schritt in die Praxis für eine gute Entscheidung: „Man wird schließlich nicht jünger und braucht immer stärker etwas wie eine Lebensplanung mit Zukunftsaussicht.“ Im medizinischen Bereich verlässt sich der nunmehrige Kassenarzt nicht nur auf die westliche Schulmedizin. Bereits seit längerem als Wahlarzt mit Ausrichtung auf Traditionelle Chinesische Medizin tätig, integriert er auch heute erfolgreich Akupunktur und Kräutermedizin in seiner Ordination. Durch die Möglichkeit der Zuweisung können Patienten Akupunkturbehandlungen in Anspruch nehmen, ohne den vertrauten Hausarzt wechseln zu müssen. Viele wissen Hois Erfahrung aus langjähriger Ausbildung in Akupunktur, Chinesischer Diagnostik und Kräuterheilkunde auch weit über die Regionalgrenzen hinaus zu schätzen. Die Tätigkeit als Kassenarzt lässt sich auch gut mit dem Familienleben verbinden. Seine Gattin arbeitet als „Logistikexpertin“ an der Rezeption und bietet nebenbei auf eigene Rechnung Ernährungsberatung an. Als Assistentin konnte er eine ehemalige Krankenschwester aus der Anästhesie gewinnen, die als Mutter von zwei Kindern mit dementsprechenden Wünschen und Anforderungen in Bezug auf die Arbeitszeit in der Klinik keinen Platz mehr fand. Was Hoi kritisch kommentiert: „Unvorstellbar, dass man Personen mit dieser Qualifikation keinen Arbeitsplatz mehr anbietet.“

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