zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 11. Oktober 2006

"Enlarge your penis ...”

Die digitalen Postwurfsendungen mit den dubiosen Inhalten werden immer zahlreicher und verstopfen die virtuellen Postfächer. Im Internet finden sich daher immer mehr Ratgeber mit Abwehrstrategien gegen den digitalen Müll.

Der Computer kann unter Umständen wie eine Zeitmaschine funktionieren: Sie frisst Zeit. Doch gerade diese gehört mittlerweile zu den wertvollsten Ressourcen des Hominis computantis.
Eine besonders aktuelle Methode des Zeitklaus ist das Verteilen von Spam-Mails. Waren die lästigen elektronischen Postwurfsendungen anfangs nur schüchterne Versuche ,Aufmerksamkeit zu erregen, so überschwemmen sie derzeit das virtuelle Postfach und fressen weltweit tausende von Arbeitsstunden.
Immer mehr Zeit und Mühe kostet die Suche nach seriösen Mails, die inmitten von Angeboten zur Penisverlängerung oder illegal vertriebenen Potenzmitteln unterzugehen drohen. Und es gestaltet sich immer mühsamer, die seriösen Mails inmitten der Junkpost zu identifizieren. Weitere Einbußen in der Produktivität entstehen durch erhöhte Kosten beim Speicherbedarf. Ein Virenscanner schützt vor ungebetenem Besuch in Form von Würmern, Viren und Trojanern. Ist er jedoch so eingestellt, dass er jede eingehende Mail automatisch scannt, so wird bei hohem Spam-Aufkommen ein instabiles und langsames System riskiert. Laut Experten erleidet ein Unternehmen mit 500 E-Mail-Anschlüssen und durchschnittlich vier täglichen Spam-Mails pro Account jährliche Produktivitätsverluste in Höhe von mehr als 60.000 Euro.

Diverse Abwehrstrategien

Wer hin und wieder in Newsgroups und öffentlichen Foren postet sowie seine Email-Adresse irgendwo im Internet veröffentlicht, landet schon bald in den Adresslisten der Spammer. Dies ist erst der erste Schritt, denn Spammer kaufen, verkaufen oder tauschen Adressen untereinander.
Als erste Stufe in der Spam-Vermeidung sollte daher die Mail-adresse vor den automatischen Mailadressensammler, den "Email Harvester" (Ernter) oder den "Spambots", möglichst verborgen werden.
Eine erfolgversprechende Methode ist es, die Mailadresse in öffentlich zugänglichen Bereichen des Netzes so zu verschlüsseln, dass nur menschliche Intelligenz sie erkennen kann. So wird beispielsweise aus medicus@server.at ein medicus at server.at oder ein medicus@ s e r v e r.at mit dem Hinweis "bei Versand bitte Leerzeichen löschen".
Betreiber einer Homepage sollten keinen Email-Link zur Kontaktaufnahme benutzen, sondern ein Script gesteuertes Formular oder Pulldownmenü, mit dem Zusatzvorteil, mehrere Links auf geringeren Platz unterzubringen. Wem diese Möglichkeiten technisch zu kompliziert sind, für den gibt es auch den simplen Weg, die Mailadresse in eine Grafik einzubetten - keine wirklich elegante Lösung, da die Mailadresse benutzerunfreundlich abgetippt werden muss, aber effizient.
Das zweite Abwehrschild wird zwischen Mailserver und Computer platziert. Einige Anbieter von kostenlosen Mailaccounts wie GMX oder Web.de bieten einen umfassenden Spam-Schutz, der richtig konfiguriert ganz gut funktioniert, auch wenn ab und zu eine seriöse Mail hängen bleibt bzw. eine Junk-Mail durchschlüpft.

Softwareprogramme

Für Privatanwender und kleine Unternehmen gibt es ferner Softwareprogramme, die beim Abwehrkampf gegen die elektronischen Störenfriede gute Arbeit leisten. Ein kostenloses Programm ist beispielsweise SpamPal, das mit fast allen Email-Programmen zusammenarbeitet und alle eingehenden Mails überprüft. Es ist zu befürchten, dass der Kampf gegen Spam auch weiterhin andauern wird, und zwar solange, bis auch der verschwindend kleine Anteil der Angeschriebenen die Links zu den Angeboten in den Spam-Mails nicht mehr anklickt. Denn selbst, wenn bei Millionen versandter Werbemails prozentuell nur sehr wenige einen Kauf tätigen, lohnt sich der Aufwand immer noch.  

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 38/2003

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben