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Praxis 11. Oktober 2006

Der Arzt wird zum Therapiepartner

Die Patienten wünschen sich immer mehr Mitbestimmung bei den Therapieentscheidungen ihrer Ärzte. Argumente werden zunehmend aus dem wachsenden Pool medizinischer Informationen im Internet bezogen. Das traditionelle, hierarchische System zwischen Arzt und Patient bricht auf. Auf Basis der medizinsoziologischen Forschung stellt der Medienwissenschaftler Frederik Tautz in "E-Health und die Folgen" bisherige Entwicklungen und Zukunfts-Trends dar.
In Text-Analysen von Fach-, Laien- und Online-Medien wurden gesellschaftliche Entwicklungen herausgearbeitet. Mittels der Delphi-Methode konnten wahrscheinliche kurz- bis mittelfristige Tendenzen konsensual in sieben Thesen festgestellt werden. Die Delphi-Methode wird detailliert mit genauer Vorgehensweise und dem besonderen Nutzen dieser Variante beschrieben. Handlungsnotwendigkeiten zur Begleitung der Veränderungen und weitere Forschungsansätze auf Basis der Ergebnisse finden sich im abschließenden Kapitel des Werkes.

Ein Kunstbegriff taucht auf

Der Begriff E-Health tauchte als Sammelbegriff erstmals 1997 in der Wirtschaft auf, wobei bereits im Jahre 1991 bei internetgestützten Anwendungen der Medizin von Ähnlichem gesprochen wurde. Die Laienpresse beschäftigte sich ab etwa 1995/96 verstärkt mit dem Thema. Interessanterweise findet man E-Health in der medizinischen Fachpresse erst seit dem Jahre 2000. Dass es sich um einen neu erfundenen Terminus handelt, kann nicht behauptet werden. Dennoch gibt es noch immer keine gemeinsame Definition des Kunstbegriffes.
Wer besonders die Entwicklung zur Nutzung der Chancen der neuen Medien vorantreibt, sind Non-Professionals, Laien, Patienten. Durch den Wandel der Informationsmöglichkeiten und die Konvergenz von Internet und Medizin wird das Potenzial soweit wie möglich in Anspruch genommen. Viel Neues entsteht durch diese Interaktion, die nicht nur helle Freude in der Medizin auslöst. Akteure im Gesundheitswesen stehen vor neuen Herausforderungen. Nicht nur Chancen, auch Risiken sind abzuwägen.
Massenmedien wirken schließlich maßgeblich an der individuellen Konstruktion der Gesundheit mit. Die Patienten profitieren von einer Art eines offenen Health-Online-Systems, das Coping und Selbsttherapie bei leichteren Erkrankungen unterstützt. Gemeinschaften im Internet wie Newsgroups, Online-Selbsthilfegruppen und dergleichen dienen dem Engagement für die eigene Gesundheit und weisen in Richtung Selbstverantwortung. Das Problem liegt dort, wo es noch keine etablierten Mechanismen zur Qualitätssicherung im WWW gibt.

Der Arzt als Partner

Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient wird zwangsläufig durch den erweiterten Informationsstand der Klienten verändert. Manch Mediziner kann sich bedroht fühlen, weil die Relation verschoben ist. Arzt und Patient müssen einander heutzutage als Subjekte gegenübertreten. Die paternalistisch geprägte Beziehung Mediziner-Patient transformiert sich aufgrund besserer Information der Patienten in eine Behandlungspartnerschaft.

Gabriele Sprung

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