zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 11. Oktober 2006

Der größte Ladentisch der Welt

Der Hype des E-Commerce ist vorbei. Viele Insider meinen, dass endlich die nüchterne Realität eingekehrt sei und nun wieder ohne Größenwahn weitergearbeitet werden könne. Dabei scheint sich die schüchterne Knospe des E-Commerce in der Medizin erst jetzt so langsam zu entfalten. Der Begriff Electronic Commerce, kurz E-Commerce, wird oft falsch verstanden und verwendet. Damit werden Geschäfte bzw. Einkäufe bezeichnet, die über das Internet laufen. Dabei bietet der Verkäufer seine Waren bzw. Dienstleistungen online feil und erspart sich teure Infrastruktur, zum Beispiel ein real bestehendes Warenhaus, zu erhalten. Diesen Preisvorteil kann er an die Käufer weitergeben, deren weiterer Vorteil es ist, ohne viel Zeitverlust zu jeder Tages- und Nachtzeit die Waren bequem erwerben zu können. Der Verbraucher kann verschiedene Angebote vergleichen und wird mit einem Mal zum globalen Kunden. Entfernungen schlagen sich nur noch in der Anlieferungszeit und in den Versandkosten nieder. Der Idealfall sieht zumindest so aus.

Einsparungen durch E-Commerce?

Die Chance für den E-Commerce im niedergelassenen Bereich ist durchaus gegeben. Die gespannte Wirtschaftslage trifft auch die Mediziner, die nach neuen Einsparungsmöglichkeiten suchen. Doch während die Informationsbeschaffung per Internet sich bei den ÄrztInnen schon längst etabliert hat, hat sich der Online-Erwerb von Gütern kaum durchgesetzt. Ein Grund mag die vermeintlich unsichere Bezahlung sein. Neben den klassischen Zahlungsweisen (Nachnahme, Rechnung, Vorkasse) gibt es bereits digitale Methoden, die für das Internet erdacht wurden. Doch all diese Möglichkeiten haben mit dem Misstrauen vieler Konsumenten zu kämpfen. Dabei gibt es sichere Methoden, vorausgesetzt, der Computerbenutzer hat die wichtigsten Sicherheitsregeln verinnerlicht. Noch verwirrt die Vielfalt viele potenzielle Kunden. Doch auch hier wird ein evolutionärer Verlauf erwartet, der die (hoffentlich) userfreundlichsten Methoden übrig lässt.

Kritische Kliniken

Jedoch noch eine interessante Zielgruppe im Gesundheitsbereich lässt sich länger bitten: die Kliniken. Diese stehen dem E-Commerce noch kritischer gegenüber als niedergelassene Ärzte. Dabei bietet dieser die Chance, den Beschaffungsprozess nicht nur billiger, sondern auch einfacher zu gestalten. Die Gründe sind vielfältig. Noch sind nicht genügend Kliniken elektronisch gerüstet und die kurzfristigen Modernisierungskosten würden den Preisvorteil schlucken. Außerdem erweisen sich Einsparungen erst ab einer gewissen Größe als signifikant. Einkaufsgemeinschaften entwickeln sich nur zögernd. Jedoch nicht nur Kostenersparnis muss im Vordergrund stehen. Der E-Commerce kann auch die interhospitale Zusammenarbeit erheblich verbessern. Im letzten Jahr schlossen sich in Deutschland 79 Spitäler zur größten Einkaufsgemeinschaft Mitteleuropas (Med4com) zusammen. Dies senkte nicht nur die Kosten. Die dadurch notwendig gewordene Vernetzung brachte Vorteile beim Informationsaustausch (Patientenakten, Behandlungsleitlinien, etc.) und für die Überweisungsabwicklung.

Fazit: Der Nutzen des Interneteinkaufs liegt vor allem im Arbeitsplatzkomfort und in der Zeitersparnis, bei größeren Einkaufsvolumina auch in der Kostensenkung. Einsparungsmaßnahmen lassen sich zwar erkennen, sollten jedoch, vor allem für Kleinabnehmer deutlicher werden. Der traditionelle Telefonanruf beim Verkäufer hat gegenüber der E-Mail noch immer die Nase vorn, die Zeitersparnis der Mail wird als mäßig empfunden und der persönliche Kontakt zum Lieferanten wird bevorzugt. Vorteil der Mail: Die Fehlerquote ist geringer, da die Bestellung schriftlich vorliegt - die Ausrede verlegter Notizzettel fällt aus. Eine gute Nachricht: Es gibt genügend seriöse, anerkannte und mit Gütesiegel versehene Anbieter. Im Gegensatz zu vielen anderen Sparten im Internet muss sich der Mediziner im Online-Shop nicht allein auf sein Gespür verlassen. 

Links:
Allgemeine, aber sehr gute Infos zum Thema: http://ecaustria.at
Links zu Online-Medshops: www.medlink.at/onlineeinkauf.html

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 4/2003

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben