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Praxis 11. Oktober 2006

Hochwertiges Bildarchiv für die Ordination

Um den sichtbaren Verlauf einer Krankheit exakt zu verfolgen, musste sich der Arzt bisher auf sein gutes Gedächtnis oder auf eine ausführliche schriftliche Krankengeschichte verlassen. Der aktuelle Siegeszug der digitalen Ablichtung bietet dem Mediziner nun mit einfachem Handling vielseitige Möglichkeiten, ein elektronisches Fotodokumentationsarchiv in höchster Bildqualität zu schaffen.

Bis vor kurzem waren digitale Kameras zwar teuer in der Anschaffung, kamen aber trotzdem punkto Funktionalität kaum an analoge Geräte heran. Die gegenwärtige Lage sieht ganz anders aus: Digicams sind längst keine Spielzeuge mehr, die von Profis mild belächelt werden. Technik und Bandbreite digitaler Kameras sind ausgereift. Der Elektromarkt zieht jetzt mit vernünftigen Preisen nach.

Die richtige Kamera und die passende Ausstattung

Wen wundert es somit, wenn der Marktforscher Fessel-GfK einen neuen Rekord beim Verkauf meldet. Zwischen Februar und Juli dieses Jahres stieg die Zahl der verkauften Digitalkameras um 74 Prozent auf 146.400 Geräte an. Damit überrundeten erstmals digitale Fotoapparate ihre analogen Pendants. Doch viele Käufer sind durch das vielfältige Angebot überfordert und dann enttäuscht, nicht die richtige Wahl für ihre Bedürfnisse getroffen zu haben. Was braucht ein Arzt etwa für ein Gerät, wenn er tatsächlich eine Datenbank einrichten will, um beispielsweise den Heilungsprozess einer Wunde zu dokumentieren?
Die preisliche Einteilung der Fotoapparate richtet sich nach Anzahl der Pixel. Diese bestimmt die Auflösung. Einsteigergeräte beginnen ab einer Auflösung von zwei Millionen Pixel. Die Mittelklasse liegt bei vier, die Oberklasse erreicht fünf und mehr Megapixel. Der Käufer sollte sich über die hauptsächliche Nutzung seiner Kamera im Klaren sein. Werden die Fotos in erster Linie am Bildschirm angeschaut, reichen zwei Millionen Pixel aus. Auch für Fotodrucke vom Tintenstrahldrucker im üblichen Format 10 x 15 Zentimeter ist ein Gerät dieser Klasse gut verwendbar. Die Bilddatei einfach auszudrucken und in die Patientenmappe einzulegen, wäre somit eine simple Methode der Befunddokumentation, da Fotodrucker zudem günstig und einfach zu handhaben sind.
Nur muss sich der Arzt bei dieser einfachen Archivierung über die Nachteile bewusst sein. Niemand kann wirklich sagen, wie die Bilder aus einem durchschnittlichen Tintenstrahldrucker nach einigen Jahren aussehen. Werden sie nach etwa zehn bis zwanzig Jahren gebraucht, so könnten sie infolge schlechter Lagerung (Temperatur, Lichtverhältnisse, Luftfeuchtigkeit spielen dabei die Hauptrolle) nicht mehr zu gebrauchen sein. Ein Druck auf Fotopapier kann abhelfen, schraubt aber wiederum die Kosten in die Höhe.
Einen Ausweg bietet die digitale Speicherung auf Festplatte oder CD. Die Methode ist nicht nur kostengünstiger, sondern auch Platz sparender, sicherer und je nach Archivierungssystem auch übersichtlicher. Doch Achtung, auch die Lebenszeit einer CD-ROM ist auf etwa 30 Jahre begrenzt. Danach ist eine Neuspeicherung der Daten
notwendig.

Mehr als nur Schnappschuss-Qualität

Dies alles mag für eine oberflächliche Befunddokumentation von untergeordneter Bedeutung sein. Komplizierter wird die richtige Kaufentscheidung, wenn technische Ansprüche eine größere Rolle spielen. Dies ist etwa für Dermatologen häufig der Fall. Hier ist die Auflösung eminent wichtig. Außerdem wäre jede farbliche Unstimmigkeit für die richtige Diagnose fatal.
Dabei müssen weitere Fragestellungen berücksichtigt werden. So sollten die Fotos unter Studiobedingungen geschossen werden. Um gleich bleibende Lichtverhältnisse zu gewährleisten, müssen immer derselbe Hintergrund sowie fest installierte Fotolampen verwendet werden. Der Einsatz von Blitzlicht kann den Effekt der "atrophisch glänzenden Haut" hervorrufen. Auch die Kameraeinstellungen hinsichtlich Weißabgleich, Tonwertkorrektur und Belichtungseinstellung dürfen sich nicht verändern, will der fotografierende Arzt eine naturgetreue Farbwiedergabe gesichert wissen. Sonst mutieren harmlose Hautrötungen auf dem Foto zu entzündlichen Arealen.
Standardbedingungen beim Fotografieren sind übrigens auch zur seriösen Dokumentation eines Behandlungserfolges für Aufnahmen einer Hautregion vor und nach einer Therapie wesentlich. Dieser Aspekt gewinnt gerade angesichts des Anti-Aging-Booms in der Kosmetologie zunehmend an Bedeutung.
Zur Erfüllung dieser hohen Ansprüche ist der Griff zu den teureren Digitalkameras absolut empfehlenswert. Dabei gilt: Je hochwertiger das Gerät, desto mehr manuelle Einstellmöglichkeiten sind möglich. Und desto mehr Know-how ist erforderlich.
Übrigens kommen gegenwärtig gerade erschwingliche digitale Spiegelreflex-Kameras auf den Markt und läuten somit eine neue Ära der digitalen Fotografie ein.

Raoul Mazhar, Ärzte Woche 35/2003

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