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Praxis 10. Oktober 2006

Kollegiale Ratschläge mit einigen Pferdefüßen

Es ist naheliegend, sich Programme nicht nur von Firmen vorführen zu lassen, sondern im Kollegenkreis Erfahrungen einzuholen. Dabei ist einiges zu beachten. Ein sehr häufig zu beobachtendes Phänomen besteht leider darin, dass ein potenzieller Anwender im Zuge seiner Erkundigungen bei Branchen-Kollegen völlig falsche Informationen erhält!
Viele Anwender schaffen das Eingeständnis nicht, dass sie eine kostenintensive Fehlentscheidung getroffen haben. Sie geben mehr oder weniger Zufriedenheit vor, die tatsächlich nicht gegeben ist (wie beim Auto).

Eigennützige Motive

Ein weiteres Motiv für Falsch-Informationen ist das Bestreben, möglichst viele Kollegen für das eigene System anzuwerben, da man sich daraus eine Stärkung der Anwendergruppe gegenüber der Software-Firma erwartet, was bei eventuellen Mängel-Behebungen oder Weiterentwicklungen Beschleunigung ergeben könnte. Auch ist das Interesse an der Erhöhung der Überlebenschance des eigenen Programms dabei ein verständlicher Faktor.

Auch wenn diese Motive nicht vorliegen, ist die Gefahr einer Fehlinformation groß, wenn nur der "Chef", in unserem Bereich der Arzt, befragt wird. Meist ist es ja so, dass dieser selbst mit dem Großteil der Routine-Arbeiten gar nicht beschäftigt ist und diesbezüglich keinerlei Erfahrungen weitergeben kann.

Er wird häufig über Probleme in diesem Bereich nicht informiert oder ist aus Zeitmangel an solchen Informationen auch gar nicht interessiert.
Es ist daher äußerst wichtig, sich bei der Einholung von Informationen an Personen zu wenden, die den Großteil der Routine-Bedienung der Anlage auch tatsächlich selbst vornehmen - also beispielsweise die Gattin des Arztes und vor allem die Ordinations-Hilfe.

Freaks und Fatalisten

Es sei auch gewarnt vor der erstaunlich großen Zahl von ausgesprochenen Fatalisten, die schwere Mängel gar nicht als solche empfinden und einfach alles so hinnehmen, wie es eben ist - somit als Informationsbasis fraglos ungeeignet sind. Gleiches gilt auch für die so genannten "Freaks". Diesen geht es eigentlich gar nicht um Rationalisierungs-Effekte - sie sind von der Computer-Technologie an sich so fasziniert, dass die vernünftige Beurteilung eines sinnvollen Einsatzes nicht erwartet werden kann. 

Sehen Sie sich alles möglichst im Real-Einsatz während des Ordinations-Betriebes an. Beachten Sie dabei jedoch auch, dass Sie den Ordinationsbetrieb des Kollegen dabei nicht unzumutbar behindern. Das könnte nämlich die zunächst vorhandene Auskunftsbereitschaft entscheidend reduzieren.

Quelle: Arzt und EDV, Dr. Heimo Waldmann, 03336/2433-0

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