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Praxis 10. Oktober 2006

Die Unterschiede stecken in Details

Bei der Anschaffung einer EDV-Anlage ist zu unterscheiden, ob es sich um eine Praxis-Gründung oder um eine schon bestehende Praxis handelt, in der schon reichlich Erfahrung bezüglich des praktischen Betriebes besteht.
Im ersteren Fall besteht meist völlige Unkenntnis über die verwaltungstechnischen Fußangeln einer Kassen-Praxis. Der Interessent kann kaum gezielt kritische Fragen bezüglich der Lösungs-Möglichkeit bestimmter Problem-Situationen stellen.
Die Akzeptanz gegenüber einer in der Realität unpraktischen Lösung ist daher leider hoch. Einzige Möglichkeit der Minimierung dieses Problems ist eine verstärkte vergleichende Orientierung an bestehenden Lösungen in der Kollegenschaft.

Im zweiten Fall ist dies umgekehrt. In Kenntnis der Realität kann gezielt die Umsetzung der bestehenden Erfordernisse beurteilt werden. Um diese Chance wahrzunehmen, ist aber eine - häufig unterlassene - nüchtern analytische Vorgangsweise erforderlich.
Dabei sind zwei Grundsätze konsequent zu verfolgen: Je häufiger eine Handlung zu setzen ist, umso geringer sollte der dafür erforderliche Aufwand sein! Weiters sollte nichts als selbstverständlich vorausgesetzt werden.
Man braucht nur zu rechnen: Wenn man in einer durchschnittlich großen Praxis pro Ordination nur eine Sekunde verliert, bedeutet dies in der Summe etwa fünf Arbeits-Stunden pro Jahr.
Bei einem bezüglich der Routine-Eingaben umständlichen Programm sind 30 Sekunden (meist wesentlich mehr) schnell verloren - was einem mehrwöchigen Urlaub entspricht...

Zu den häufigsten Handlungen und in gleichem Maße wichtig zählt nicht nur die Eingabe, sondern auch die Ausgabe von Informationen. Diese sollte möglichst auf den entsprechenden Schirmen bereits angezeigt oder - wenn dies nicht möglich ist - ohne großen Aufwand zu erhalten sein.
Erforderliche Schirm-Masken-Wechsel sollten minimiert sein, das Einblenden von Fenstern auf das notwendige und sinnvolle Maß reduziert werden. 
Jedes Um- oder Einblenden, so sehr dies optisch auch ansprechend erscheinen mag, nimmt Ihnen die Sicht auf bereits bestehende Informationen oder verdeckt diese zumindest teilweise.
Größten Wert sollte auf Vergleiche gelegt werden, wie schnell Suchvorgänge und die anschließende Auswahl bewerkstelligt werden können.

Datenbankgröße hinterfragen

Dazu ist es wichtig zu wissen, welches Datenvolumen der Demonstration zugrunde liegt! Mit 200 Patienten kann fast jedes System schnell sein. Überzeugen Sie sich, dass die gesamte Spezialitätenliste vorhanden ist (ca. 38.000 Artikel).
Beim Suchen von Medikamenten sollte sich die Demonstration nicht auf einen Suchbegriff beschränken, dem nur ein Medikament entspricht ("NAT" für "Natulan"). Tipp: Lassen Sie mit "INS" für Insuline suchen und versuchen Sie dann eine Auswahl zu treffen.
Eine ganz wesentliche Ersparnis bei Eingaben kann durch das Benützen von Kürzeln erzielt werden. Diese Möglichkeit sollte unbedingt zumindest für Medikamente und Diagnosen gegeben sein. Hat ein Programm diese Möglichkeit nicht, wird der Bedienungskomfort stark eingeschränkt.
Letzteres betrifft auch Programme, die keine Medikamenten-Kürzel anlegen können und sich ersatzweise mit der Anlage des Medikaments als Magistraliter-Verordnung behelfen.

Medikamentenkürzel

Mit dieser Methode werden diese "Kürzel" (es sind ja keine) aber beim monatlichen Medikamenten-Update mit Diskette, das Sie auf jeden Fall vornehmen müssen, nicht mitaktualisiert. Wenn Sie eine Hausapotheke führen, muss dann diese Datei monatlich händisch aktualisiert werden - ein völlig unnötiger Arbeitsaufwand!
Die verschiedenen Kürzelsysteme und deren Wartungsaufwand sollten verglichen werden.
Ganz allgemein ist zu sagen, dass man allem, was exzessiv mit "Datei-Pflege" verbunden ist, möglichst aus dem Wege gehen sollte. Natürlich kann man die diesbezüglichen Erfordernisse bei der Vorführung kaum feststellen. Daher sollten immer wieder Kollegen befragt werden, die bereits mit EDV arbeiten.

Quelle: Arzt und EDV, Dr. Heimo Waldmann, 03336/2433-0

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