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Praxis 10. Oktober 2006

Supermarkt-Illusion

In einer bekannten medizinischen Fachzeitschrift war vor einiger Zeit in einem - an sich sehr guten - Artikel über EDV in der Arztpraxis zu lesen, dass die benötigten Gerätschaften ohne weiteres in einem Supermarkt günstig beschafft werden könnten.
Was die bloße Eignung der Geräte betrifft, mag dies meist zutreffen. Abgesehen davon, dass Sie einen Teil der erforderlichen Komponenten im Supermarkt nicht angeboten bekommen, ist es mit der Beschaffung allein nicht getan.
Es müssen zusätzliche Komponenten eingebaut werden (Beispiel Netzwerk-Karten, Laufwerke, Plattenspiegelung, zusätzliche Schnittstellen oder spezielle Treiber).

Kauf alleine nicht ausreichend

Weiters muss das Netzwerk verkabelt und getestet werden, was sich viele einfacher vorstellen, als es tatsächlich ist. Diese zusätzlichen, arbeitsmäßig nicht zu unterschätzenden Arbeiten sollten unbedingt von jemandem vorgenommen werden, der mit den Erfordernissen seitens des Programms vertraut ist.
Auch ein technisch recht versierter Arzt wird eher nicht in der Lage sein, entscheidende Eigenleistungen zu erbringen.
Eine gewisse Problematik ergibt sich auch aus dem Umstand, dass fast alle Märkte die Computer mit einem speziellen Aufkleber versiegeln.
Ist dieses Siegel verletzt, was bei der zur Adaptierung meist erforderlichen Öffnung des Gerätes unvermeidlich ist, erlischt - zumindest theoretisch - jegliche Garantie.

Vorsicht auf Garantie

Wenn Sie vielleicht primär eine gewisse Einsparung erzielen können, verlieren Sie diese bestenfalls im Zuge der Zusammenstellung, voraussichtlich aber erhöhen sich die Gesamtkosten sogar beträchtlich.
Wenn dann irgendetwas nicht erwartungsgemäß funktioniert, muss die unausbleibliche Problematik eines Verantwortungs-Splittings zwischen Software-Firma und Supermarkt nicht näher erläutert werden. Leicht sind Sie dann Spielball eines möglicherweise endlosen Ping-Pong-Mechanismus.
Alles nützt sich ab, kaum eine Anlage läuft über Jahre störungsfrei. Man muss im Störungsfall rasche Behebungs-Möglichkeit - natürlich vor Ort - haben, die einem ein Supermarkt nicht bieten kann.
Ein Ausfall der EDV paralysiert Ihren Ordinations-Betrieb praktisch vollkommen. Wenn in einer solchen Situation kein entsprechender Support zur Verfügung steht, ist das totale Chaos gewiss.

Chaos ist gewiss

Gerade nicht sehr sinnvoll ist es auch, von einer Hardware-Firma beliefert bzw. betreut zu werden, die weit entfernt ist und bei jeder Kleinigkeit große Anfahrtskosten verrechnen muss.
Heute ist es schon so, dass lokale Computer-Shops recht leistungsfähig und preislich oft günstiger als der Supermarkt sind. Wenn eine solche Firma bereit ist, mit der System-Firma gut zu kooperieren, dann ist das sicher die günstigste Lösung.
Lieferung, Installation und Betreuung der Hardware sollte daher unbedingt von der Software-Firma selbst oder von einer mit dieser eng kooperierenden (lokal angesiedelten) Hardware-Firma erfolgen.

Quelle: Arzt und EDV
Dr. Heimo Waldmann
03336/2433-0

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