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Praxis 10. Oktober 2006

Nach der Pflicht kommt die Kür

Erst wenn man sich überzeugt hat, dass ein Programm die Routine-Aufgaben zufriedenstellend erfüllen kann, sollte man sich mit eventuellen besonderen Möglichkeiten beschäftigen.
Dazu gehört das Einscannen und die elektronische Abspeicherung von Papierbefunden. Wenn man eine solche Möglichkeit ins Auge fasst, sollte man genau abwägen, ob der tatsächliche Arbeitszeit-Aufwand die Faszination einer theoretisch "papierlosen Ordination" rechtfertigt.
Bevor man dieser Faszination erliegt, sollte man diesen Aufwand nicht nur theoretisch feststellen, sondern testen oder bei Kollegen "spionieren".

Spionage hilfreich

Datenträger, die sich für die Aufnahme der für die erforderliche Hochauflösung abzuspeichernden großen Datenmengen eignen, sind in der Zwischenzeit kein finanzielles Problem mehr. Schnelle Computer-Komponenten sind absolute Voraussetzung.
Testen Sie jedoch, wie schnell Sie in einen derart abgespeicherten Befund Einblick nehmen und darin blättern können und wieweit Sie dabei die Arbeit an anderen Arbeits-Stationen behindern.
Denken Sie auch daran, dass solche Befunde auch fallweise wieder auf Papier reproduziert werden müssen. Der zeitliche Aufwand ist derzeit nicht mit dem einer einfachen Fotokopie vergleichbar.

Einscannen von Video-Bildern

Manche Programme bieten die Möglichkeit von Bild-Dokumentationen (Beispiel Dokumentation des Heilungs-Prozesses bei Haut-Effloreszenzen, Abspeicherung von Ultraschall-Bildern, Portrait des Patienten in der Kartei).
Sie müssen selbst entscheiden, ob der technische, aber vor allem der persönliche Aufwand für die Erstellung im Verhältnis zu den praktischen Erfordernissen steht und mit Rationalisierungs-Bestrebungen vereinbar ist.
Die Entwicklung von Sprach-Eingabe-Programmen ist auch nicht stehen geblieben. Auch die Arbeits-Geschwindigkeit der heutigen Computer hat die Möglichkeiten entscheidend verbessert.
Der noch vor wenigen Jahren enorme finanzielle Aufwand ist heute eher zu vernachlässigen. Bei entsprechender sprachlicher Disziplin ist, abhängig vom verwendeten System, die Anwendung für die Befunderstellung im Facharztbereich durchaus ins Auge zu fassen (testen und Erfahrungen einholen!).

Testen, testen, testen

Fernwartung ist eine grundsätzlich gute Sache, wenn es sich um die Behebung geringfügiger Mängel handelt. Seien Sie jedoch gefasst, dass es vorkommen kann, dass Sie im Zuge der Durchführung einer Fernwartung bei manchen Systemen für Stunden an den Computer gefesselt sind, Vorgänge am Bildschirm mitverfolgen und telefonische Anweisungen entgegennehmen müssen. Die Telefongebühr bezahlen Sie auch.
Die reibungslose Realisierung eines Fernwartungs-Systems ist stark von der Qualität der vorhandenen Telefon-Leitungen abhängig. Diesbezüglich steht es in so manchem Dorf sehr schlecht. Am besten eignet sich natürlich eine digitale ISDN-Leitung. Die Umstellung auf ISDN erfordert aber auch die Anschaffung einer neuen Telefonanlage! Unter Fernbedienung ist die Möglichkeit zu verstehen, einen Computer etwa zu Hause oder in einer Zweitordination über Telefonleitung als normale Arbeitsstation an das Netzwerk anzubinden.
Dies ist technisch relativ leicht machbar. Je nach den zu übertragenden Datenmengen und Zugriffserfordernissen müssen Sie mit entscheidenden Verlangsamungen rechnen. Es könnte sich (systemabhängig) das Erstellen einer Statistik oder Abrechnung zu einem unerträglichen Langzeitvorhaben gestalten. Ohne ISDN-Anschluss (natürlich auf beiden Seiten!) sollte ein solches System nicht realisiert werden.

Messwerte von Labor-Geräten

Die meisten Laborgeräte bieten die Möglichkeit eines Anschlusses an Computer. Über diesen Anschluss können Messwerte direkt in das EDV-System übernommen werden. Dabei müssen Sie bedenken, dass die Feststellung, zu welchem Patienten die gerade gemessene Probe gehört, nicht vom System vorgenommen werden kann. Es wird Ihnen nur das Eintippen des Wertes erspart.
Die Anschlüsse und die Lesevorgänge müssen bei der Installation an die vorhandenen Geräte angepasst werden. Wenn solche Systeme in einem Labor-Institut natürlich eine Selbstverständlichkeit darstellen, müssen Sie beispielsweise bei einem Praktiker-Labor sehr kritisch abwägen, ob der Aufwand zur Zeitersparnis im Verhältnis steht. 
Auch hier hilft nur: Testen, testen, testen....

Quelle: Arzt und EDV, Dr. Heimo Waldmann, 03336/2433-0

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