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Praxis 10. Oktober 2006

Die e-card als Bürgerkarte

Während die Nation noch immer auf die Chipkarte als Krankenscheinersatz wartet, wird im Hintergrund bereits an weiteren Einsatzmöglichkeiten gefeilt. Die e-card soll über kurz oder lang zu einer universellen Bürgerkarte werden, mit der alle Österreicherinnen und Österreicher ihre Behördenwege vom PC aus erledigen können. Die Daten sind durch eine elektronische Signatur geschützt, die eine eindeutige Identifikation des Absenders ermöglicht. So kann sichergestellt werden, dass kein Unbefugter auf gespeicherte Daten zugreift oder Formulare unterschreibt. 

Die e-card ist technisch als "Keycard" konzipiert, das heißt, sie ist als "Zugangs- bzw. Zugriffsschlüssel" zu verstehen. Mit ihr kann man die Safe-Türe zu einer Anwendung, Dienstleistung oder Datenbasis aufsperren. Für alle Belange im ärztlichen Bereich ist zum Lesen der Daten eine zweite Karte notwendig: die Ordinationskarte, die den Arzt zum Zugriff berechtigt. 
Derzeit ist jedoch nur der Verwendungsmodus der e-card als Krankenscheinersatz klar geregelt. Gespeichert werden dürfen so genannte Grunddaten, wie Name und akademischer Grad, Geburtsdatum, Geschlecht, Versicherungsnummer und Kartennummer. Auf ausdrückliches Verlangen des Karteninhabers können auch Daten gespeichert werden, die für den Betroffenen im medizinischen Notfall von entscheidender Bedeutung sind.

Weiters sollen einige Anspruchsdaten vermerkt werden, wie der Nachweis über ein bestehendes Versicherungsverhältnis bzw. eine dauernde Rezeptgebührenbefreiung.
Um zu verhindern, dass ein Patient pro Quartal mehrere Ärzte einer Fachgruppe aufsucht, wird auch bei der Arztkonsultation ein Anspruchsbeleg gespeichert und mit den geltenden Arztwechsel-Bestimmungen (Krankenordnung) des jeweiligen Krankenversicherungsträgers verglichen. Die im Abrechnungszeitraum als erste konsultierte Ordination wird dabei kryptographisch anonymisiert gespeichert. 

In der Arztpraxis selbst sind eine Reihe von "Geschäftsprozessen" im Zusammenhang mit der Chipkarte abzudecken. Je nach Organisation wird die e-card bei jedem Arztbesuch oder nur bei der ersten Konsultation im Abrechnungszeitraum bzw. bei Änderungen im Versicherungsverhältnis eingelesen. Bei fehlender Chipkarte muss der Arzt beim Betreiber sicherstellen, dass sein Patient einen aufrechten Versicherungsschutz hat. Auch wenn die Zettelwirtschaft mit den unzähligen verschiedenen Krankenscheinen eine wesentliche Erleichterung erfahren wird, so wird sie vorerst doch nicht ganz verschwinden. Überweisungen werden großteils weiterhin auf Papier erfolgen, da in Österreich medizinische Angaben wie Diagnosen, Untersuchungen und Behandlungen nicht gespeichert werden dürfen. 

Neben dem Zeitpunkt der flächendeckenden Einführung der e-card - derzeit wird damit frühestens Ende 2004 gerechnet - ist auch nach wie vor die Frage offen, wer die Gebühr der e-card einheben wird. Die Ärztekammer hat sich dezidiert dagegen ausgesprochen, dass dies - so wie im Gesetz vorgesehen - die Ärzte übernehmen. Technik-Experten sehen hier als Alternative die Möglichkeit, die Abrechnung der e-card-Gebühr an einen "Pay-ment-Provider" auszulagern, der die Abbuchung vom Konto der Patienten übernimmt.

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