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Praxis 4. Oktober 2006

Traum von Wahlarztordination erfüllt

Dr. Birgit Trippolt-Ulrich aus Althofen in Kärnten strahlt über das ganze Gesicht: Sie konnte ihren Traum einer Wahlarztordination für Frauenheilkunde und Geburtshilfe verwirklichen. Seit Mai 2006 läuft der Betrieb.

Eines steht schon nach wenigen Monaten fest: Das Einzugsgebiet wurde richtig gewählt. Obwohl im Ort ein Kassenarzt tätig ist, kommen die Patientinnen der Wahlärztin aus dem Gebiet zwischen Klagenfurt und Neumarkt in der Steiermark.
Das in Althofen bestehende Ärztezentrum war natürlich eine gute Basis für die Niederlassung. Seit einigen Jahren ordinieren hier Ärzte zahlreicher Fachrichtungen unter einem Dach. Trippolt-Ulrich hat für ihre Ordinationsgründung zahlreiche wichtige Tipps aus dem Praxisgründungsseminar in Klagenfurt bekommen, das regelmäßig in Zusammenarbeit zwischen Basler Ärztedienst, Ärztekammer und ÄRZTE WOCHE veranstaltet wird. „Vor allem das Planspiel hat mir viel gebracht“, resümiert Trippolt-Ulrich, „zufällig wurde bei uns ja ein Wahlarzt-Gynäkologe durchgerechnet.“

Eigenen Vorstellungen fehlt oft der Weitblick

Jeder Wahlarzt hat von vorn­herein bestimmte Vorstellungen, was die Gestaltung und Ausstattung seiner Ordination betrifft. So wollte die Fachärztin zunächst ihren Vater in die Finanzierung des Vorhabens einbinden, da dieser „ein gutes Händchen für wirtschaftliche Angelegenheiten“ hat. Nach einem Erstgespräch mit dem Steuerberater war klar, dass die Finanzierung besser von einem echten Spezialisten durchgeführt werden sollte.
Für Trippolt-Ulrich war auch klar, dass die Versorgung aus einer Hand Sinn macht: „Sowohl bei der Finanzierung als auch bei Versicherungen kam es für mich nicht in Frage, das eine hier und das andere da abzuschließen.“ So wurde Dagmar Triller vom Basler Ärztedienst für die Finanzagenden engagiert – und diese Entscheidung hat sich bereits bezahlt gemacht. Die Wahlärztin wäre alleine sicherlich nicht in der Lage gewesen, den gesamten Finanzierungsbedarf richtig abzuschätzen. „Schließlich ist das Investitionsvolumen nur die eine Seite, neu gegründete Wahlarztordinationen müssen aber immer noch zusätzlich die Startphase übertauchen“, so Triller.
Die Gynäkologin schätzt vor allem das Gefühl der Sicherheit, dass sie sich selbst um nichts kümmern muss und dass das Team vom Basler Ärztedienst auch nach Abschluss der eigentlichen Finanzierung ständig zur Verfügung steht. „Bei anderen Beratern im Finanzdienstleistungsbereich ist es nicht unüblich, dass sie sich nach Abschluss der Finanzierung um keine weiteren Probleme mehr kümmern“, weiß Triller.

Gefahr Finanzfalle durch falsche Selbsteinschätzung

„Für uns sind solche Dienstleistungen jedenfalls Goldes wert“, sagt Trippolt-Ulrich. „Hätte ich das allein durchgezogen, hätte ich Zinsen ohne Ende gezahlt und wäre sicher von meinen Kollegen ausgelacht worden.“ Sie weiß, dass Ärzte oft glauben, alles selbst zu können und dadurch oft in die Finanzfalle laufen.
Magenschmerzen bekommen Gynäkologen heutzutage leider, wenn sie sich die aktuelle Rechtsprechung anschauen. Davor ist auch Trippolt-Ulrich nicht gefeit. Gynäkologen sind die bisher einzige Fachgruppe, gegen die ein OGH-Urteil im Sinne von reinen Vermögensschäden gesprochen wurde.

Folgenschweres OGH-Urteil

„Das jüngst ergangene Urteil ist von einer unglaublichen Brutalität und Realitätsferne geprägt“, kommentiert Versicherungsspezialist Wilhelm Zieger. Man müsse sich einstweilen aber damit abfinden und in der Ordination dementsprechend die richtigen Weichen stellen. „Wir haben sofort alle unsere Kunden informiert, wie man sich aufgrund des Urteils zu verhalten hat“, so Zieger.
Aus seiner Sicht können Gynäkologen aufgrund dieses OGH-Entscheids nur noch Fehler machen: „Jeder Versuch, auf den psychischen Zustand eines Patienten Rücksicht zu nehmen, wird vereitelt. Im Urteil steht, dass der Patient angesichts der Schwere der möglichen Diagnose ohne Rücksicht auf seinen psychischen Zustand aufzuklären ist. Teil des Behandlungsvertrages ist auch die Obsorge für die späteren finanziellen Verhältnisse des Patienten. Selbst bei Verdacht muss man sofort alle Möglichkeiten direkt ansprechen und auch dokumentieren.“
Dieses Faktum fließt auch in die Arbeitsweise von Trippolt-Ulrich ein: „Aufklärung hat höchste Priorität. Wir arbeiten derzeit in der Fachgruppe an einem Aufklärungsformular für Patienten.“ Der Arzt müsse sich sogar vom Patienten bestätigen lassen, dass er den Verdacht konkret in aller Brutalität ausgesprochen hat.

„Ein Gynäkologe kann derzeit nichts richtig machen“

„Es gibt bereits Klagen von Patienten, denen gegenüber ein Verdacht ausgesprochen wurde, der sich allerdings nicht bestätigt hat“, berichtet Zieger. Deshalb soll der Arzt jetzt wegen „Störung der Schwangerschaft“ zur Rechenschaft gezogen werden. „Ein Gynäkologe kann derzeit praktisch gar nichts richtig machen“, gibt Zieger zu bedenken. „Das Urteil nimmt einen menschlichen Faktor aus der Arzt-Patienten-Beziehung.“
Die Finanzierung selbst war unproblematisch. „Das A und O ist die Aufbereitung mit Planrechnung. Anschließend muss ‚sanfter Druck’ auf die Banken ausgeübt werden, um gute Konditionen zu bekommen“, resümiert Triller. Für Trippolt-Ulrich ist klar, dass diese Dienstleistung auch ihren Preis hat: „Wenn ich allein mit der Bank verhandle, zahle ich viel höhere Summen – und das jedes Jahr bis zum Ende der Kreditlaufzeit."

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