zur Navigation zum Inhalt
 
Praxis 27. September 2006

Diffiziler Sonderfall für Umsatzsteuer

Ärztliche Heilbehandlung ist im Regelfall umsatzsteuerfrei, aufgrund meh-rerer EUGh-Urteile gibt es jedoch
einige Ausnahmen.

„Zweifelsfragen bezüglich der Umsatzsteuer treten insbesondere bei Leistungen im Zusammenhang mit Empfängnisverhütung und Schwangerschaftsabbrüchen auf“, sagt MEDTAX-Steuerbe-rater Mag. Manfred Kenda aus Klagenfurt. Umsatzsteuerfrei bleiben weiterhin nicht-operative ärztliche Leistungen im Konnex mit Empfängnisverhütung. Dazu zählen Untersuchungen und Beratungen sowie die Verschreibung von Medikamenten. „Operative Eingriffe zum Zwecke der Empfängnisverhütung wie etwa Sterilisation sowie Schwangerschaftsabbrüche sind hingegen nur dann steuerfrei, wenn ein therapeutisches Ziel im Vordergrund steht“, so Kenda. Konkret ist dies die Aufrechterhaltung oder Wiederherstellung der menschlichen Gesundheit. Ob diese Voraussetzung vorliegt, muss der durchführende Arzt beurteilen. Kenda empfiehlt eine genaue Dokumentation: „Wenn derartige Leistungen beim Arzt nachgefragt werden, sollte die Begründung der dafür erforderlichen therapeutischen Ziele umso sauberer in der Kartei erfasst werden.“ Dennoch sei es auch hier möglich, dass bei Betriebsprüfungen Zweifel auftreten, ob mit oder ohne Umsatzsteuer zu verrechnen gewesen wäre. Um nachteiligen Folgen aus diesem Umstand vorzubeugen, empfiehlt Kenda eine ausführliche Dokumentation mit Begründung und zunächst die Verrechnung ohne Umsatzsteuer: „Wenn möglich, sollte bereits bei der Honorarbemessung ein ‚Puffer’ von 20 Prozent für eventuell später anfallende Umsatzsteuer mitverrechnet werden.“ Liegen eindeutig umsatzsteuerpflichtige Leistungen vor, müssen die dafür erforderlichen buchhalterischen Aufzeichnungen adaptiert werden. „Es muss nachvollziehbar sein“, so Kenda, „ob es sich um eine umsatzsteuerfreie oder umsatzsteuerpflichtige Leistung handelt.“

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben