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Praxis 19. September 2006

Erfolgserlebnis für Kassenarzt mit „Altlasten“

Dr. Ulrich Busch hat – nach mehreren Jahren als Wahlarzt – seit April 2006 einen Kassenvertrag. So weit, so gut. Doch beim Wechsel in die neue Rolle erwiesen sich die finanziellen Altlasten als Hürde – die aber, dank professioneller Hilfe, gemeistert wurde.

Bis April des heurigen Jahres war Busch in Spitz an der Donau als Wahlarzt für Allgemeinmedizin tätig. Seine Freude über den Kassenvertrag für Lengenfeld nahe Krems wurde allerdings etwas gedämpft, weil es sich als schwierig erwies, eine geeignete neue Ordination zu finden. Im neuen Tätigkeitsort war kein geeignetes Gebäude zu finden, auch die Gemeinde wusste zunächst keinen Rat. Schließlich gelang es aber, in Zusammenarbeit mit der örtlichen Feuerwehr den im ersten Stock des Feuerwehrhauses gelegenen Saal einer Ordination entsprechend umzurüsten. Seit einigen Monaten ist Busch der einzige Allgemeinmediziner mit Kassenvertrag am Ort, eine ärztliche Hausapotheke rundet das Service für seine Patienten am Land ideal ab. Doch die Arbeit gestaltet sich mühsam, immerhin muss ein kompletter Neuaufbau des Patientenstocks betrieben werden.

Schatten der Vergangenheit

Die sechs Jahre Wahlarztdasein waren für Busch „ein hartes Brot“: „Ich habe damals die Objektkosten etwas unterschätzt, deshalb trage ich noch Altlasten aus dieser Zeit.“ Das damalige Ordinationsgebäude ist zwar immer noch in seinem Besitz, die Schulden allerdings auch. Das war natürlich ein Hemmschuh für die Finanzierung der neuen Kassenordination. Für die Wahlarztpraxis wurden insgesamt 16 Angebote eingeholt, das Finanzierungsvolumen stellte kein Problem dar. Immerhin war das Ganze auf eine Praxisgemeinschaft ausgelegt, die zu Beginn auch gut funktioniert hat. Inzwischen gehen die Uhren im Kreditbereich offenbar etwas anders. „Deshalb haben die 150.000 Euro Neuinvestition für die Kassenpraxis große Probleme bereitet, obwohl dieses Volumen für Allgemeinmediziner mit Hausapotheke normalerweise kein Problem darstellt“, so Dagmar Triller, Financial Manager des Basler Ärztedienstes.

Was Banken schätzen

Dass es schließlich doch geklappt hat, liegt laut Busch an der professionellen Aufbereitung sowie an den persönlichen Kontakten seiner Beraterin: „Wenn die Bank einen Berater und dessen Arbeitsweise kennt, fällt eine Kreditentscheidung sicher leichter.“ Die Umschuldung des Altkredits war bisher noch kein Thema. „Das wird in Angriff genommen, sobald die derzeitige betriebliche Situation konsolidiert ist“, so Triller. Das alte Gebäude soll verkauft werden, dann ist die Finanzierung überhaupt kein Problem mehr. „Jetzt kennt man ja die gute Entwicklung der betrieblichen Zahlen“, so Busch. Er weiß aber trotzdem um die Wichtigkeit professioneller Beratung: „Was aus jetziger Sicht leicht aussieht, war vor einem halben Jahr aus Bankensicht fast ein unmögliches Unterfangen. Ich hätte die Finanzierung meiner Kassenordination allein sicher nicht zustande gebracht.“

Auch der Faktor Zeit zählt

Auch das Zeitproblem erwies sich als gravierend. Bei knappen zwei Wochen zwischen Vertragsvergabe und Start muss von der Finanzierungsseite her alles passen. Busch kennt auch erst seit seiner zweiten Finanzierung die Bedeutung der zahlreichen Nebengebühren und Spesen, die sich im Laufe der Rückzahlungszeit ansammeln. Zusätzlich sieht er nunmehr auch die Fallen, in die ein Bauherr tappen kann. „Ich habe gelernt, dass man beim Bau eine Pumpgun und eine Videokamera braucht. Die Videokamera zur Dokumentation von Versprechungen der Handwerker und die Waffe als Drohung, dass die Versprechen auch eingehalten werden“, resümiert Busch nur halb im Scherz. Während in anderen Branchen eine Vertragskultur herrscht, scheint diese im Baugewerbe nicht zu existieren. „Ich kenne auch keinen einzigen Bekannten, bei dem es im Zusammenhang damit keine Probleme gegeben hat“, ergänzt der Allgemeinmediziner. Nun kennt er sich aus, allerdings wird ein dritter Bau oder Umbau in nächster Zukunft wohl nicht durchgeführt werden.

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